«Wir flüchteten in den Luftschutzkeller»

Von Dario Cantieni
Der Garten ist durch den Sturm total verwüstet worden. Das Nachbarhaus blieb praktisch unbeschädigt
Der Garten ist durch den Sturm total verwüstet worden. Das Nachbarhaus blieb praktisch unbeschädigt © FM1Today / Dario Cantieni
«So etwas habe ich noch nie erlebt.» Diesen Satz hört man immer wieder, wenn man am Tag nach dem Sturm Uwe durch Montlingen läuft. Zwei Häuser wurden so stark beschädigt, dass sie unbewohnbar sind. Ein Besuch im betroffenen Quartier.

Der Schuppen von Jürg Baumgartner sieht aus wie ein aufgeplatzter Papiersack. Es quellen Skischuhe, Zelte und Blumentöpfe darunter hervor. Das kleine Gebäude wurde samt Unterstand vom Sturm aus den Angeln gehoben und wird nur noch von einem Auto gestützt. «Ich dachte, ein Düsenjetz stürzt ab, als ich gestern so da sass. Der Sturm hat unser Dach angehoben, sodass man ins Freie sehen konnte», erzählt Baumgartner. Seine Freundin sei völlig geschockt gewesen und habe nur noch geschrien. «Alles ist zusammengebrochen und wir sind in den Luftschutzkeller geflüchtet.»

Der Unterstand von Jürg Baumgartner sieht aus wie ein aufgeplatzter Papiersack (Bild: Gian Ehrenzeller / Keystone)

Der Unterstand von Jürg Baumgartner sieht aus wie ein aufgeplatzter Papiersack. (Bild: Gian Ehrenzeller / Keystone)

Kurz, aber heftig

Ein paar Meter weiter vorne liegt ein circa 700 Kilogramm schweres Gartenhaus auf dem Dach, daneben zwei entwurzelte Bäume, die Gartenmöbel und Wände sind völlig zerfetzt. Die Besitzerin, die ihren Namen nicht nennen möchte, sagt zu FM1Today: «Seit 54 Jahren wohne ich jetzt hier, wir sind uns Föhnstürme gewohnt, aber so etwas habe ich wirklich noch nie erlebt.»

Das Gartenhaus ist laut Besitzerin «sicher um die 700 Kilo schwer» (Bild: FM1Today/Dario Cantieni)

Das Gartenhaus ist laut Besitzerin «sicher um die 700 Kilo schwer». (Bild: FM1Today/Dario Cantieni)

Autos von Versicherungen kreuzen sich mit den Dienstwagen der Dachdecker-Firmen. Viele Häuser wurden nicht beschädigt, aber jene, die es erwischt hat, umso schlimmer. «Der Sturm zog eine Schneise durch unser Quartier», sagt Silvan Gächter, dem es die Hälfte der Sonnenkollektoren vom Dach gerissen hat. Am Schlimmsten erwischt, hat es aber Ralph Haltiner, ein paar Häuser weiter vorne. Das Ganze ging nur ein paar Minuten, aber sein Haus ist momentan nicht mehr bewohnbar.

Dach weg: «Ich konnte direkt in den Himmel sehen»

«Unvorstellbar», beginnt Haltiner seine Erzählung von letzter Nacht. «Ich habe meinem Sohn noch gesagt: Keine Angst, der Sturm kommt nicht zu uns rein. Aber falsch gedacht.» Das halbe Dach der Haltiners ist abgedeckt, sie mussten das Dachgeschoss in der Nacht mit Blachen auslegen, damit es nicht auf die frisch renovierten Räume regnete. «Gott sei Dank blieb es trocken», so der junge Familienvater. «Als ich meinen Sohn ins Bett brachte, hat es eine Ecke des Daches weggerissen und hinter mir kam das ganze Täfer herunter. Als ich mich umdrehte, konnte ich praktisch direkt in den Himmel sehen, da kein Dach mehr da war.» Zusammen mit seiner Frau schnappte sich Haltiner die Kinder und wartete im Keller, bis sich der Sturm etwas beruhigte.

Das Haus von Ralph Haltiner in Diepoldsau wurde am stärksten in Mitleidenschaft gezogen (Bild: FM1Today/Dario Cantieni)

Das Haus von Ralph Haltiner in Montlingen wurde am stärksten in Mitleidenschaft gezogen. (Bild: FM1Today/Dario Cantieni)

Vorübergehend kann die Familie nicht in ihrem eigenen Haus wohnen und ist bei den Eltern von Ralph Haltiner untergebracht. Wie hoch der Schaden ist, kann man im Moment noch nicht sagen. Haltiner ist, wie alle Bewohner des betroffenen Quartiers in Montlingen, froh, dass bei dem Sturm niemand verletzt worden ist.

Der TVO-Beitrag zum Sturmtief Uwe:

(dac)


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