«Wirft kein gutes Licht auf Firma»

Die Bischoff Textil AG will bald nicht mehr in St.Gallen und Diepoldsau produzieren.
Die Bischoff Textil AG will bald nicht mehr in St.Gallen und Diepoldsau produzieren. © TVO/Daniel Sager
Die Bischoff Textil AG aus St.Gallen möchte in Zukunft ihre Stoffe in Asien produzieren. Für die Gewerkschaft Unia ist diese angekündigte Verlagerung der Produktion ein Affront. Auch die Industrie und Handelskammer ist besorgt.

Die St.Galler Textilfirma Bischoff Textil AG produziert feine Stickereien aus der Ostschweiz, die es sogar bis nach Hollywood zu den grossen Filmstars geschafft haben. Doch jetzt will eines der letzten traditionellen Textilunternehmen der Ostschweiz den grössten Teil der Produktion nach Asien auslagern. Den beiden Ostschweizer Standorten St.Gallen und Diepoldsau gehen 50 Stellen verloren.

In St.Gallen ist es zu teuer

«Im Vergleich zu Fernost, zu den asiatischen Staaten, haben wir natürlich ganz andere Kostenstrukturen», sagt Sven Bradke, Sprecher der Bischoff Textil AG. Das sei ein ganz gewichtiger Punkt bei einem Produkt, das eigentlich hochqualitativ sei und ausserhalb der Schweiz in der gleichen Qualität hergestellt werden könne, sagt Bradke. Schon heute arbeiten von den weltweit rund 1000 Bischoff-Mitarbeitern, nur noch 76 an den beiden Ostschweizer Standorten St.Gallen und Diepoldsau. Von diesen 76 sollen nun noch einmal 50 verschwinden.

«Grundsatz wird ad absurdum geführt»

Doch bevor es soweit ist, kommt das gesetzliche Konsultationsverfahren. Mitarbeiter und Gewerkschaften können dabei Vorschläge einbringen, wie der Stellenabbau verhindert werden kann. Für die Gewerkschaft Unia ist dieser geplante Abbau ein Affront, sagt Anke Gähme, Regionalleiterin Unia Ostschweiz-Graubünden: «Der Grundsatz der Bischoff AG, aus Überzeugung in der Schweiz zu produzieren, wird so ad absurdum geführt.»

«Dort wird menschenverachtend produziert»

Speziell stört sich Gähme daran, dass die Produktion ausgerechnet nach Asien ausgelagert werden soll. «Dort wird menschenverachtend produziert. In Anbetracht der hohen Qualität der Produkte, wirft das kein gutes Licht auf die Firma», kritisiert Gähme. Kommt es tatsächlich zu einem Stellenabbau, so will Bischoff Textil AG den Mitarbeitern einen finanzielle Entschädigung bezahlen. Wie hoch diese ausfallen wird, kann die Firma noch nicht sagen.

Die Industrie- und Handelskammer St.Gallen Appenzell gibt sich enttäuscht. Was Direktor Kurt Weigelt zur Produktionsauslagerung zu sagen hat, siehst du im TVO-Beitrag.

(saz)


Newsletter abonnieren
2Kommentare
noch 500 Zeichen

HTML-Version von diesem Artikel