Ab heute kostet das Rascheln

Sandro Zulian, 1. November 2016, 10:31 Uhr
Wer kennt sie nicht: Die sogenannten «Raschelsäckli» von Coop und Migros. Letzterer bietet die Säcke aus Plastik ab heute in der Ostschweiz nicht mehr gratis an. Pro Säckchen verlangt der Detailhändler fünf Rappen.

Fünf Rappen sind nicht viel. Da sind sich wohl ziemlich alle einig. Wenn das Produkt aber vorher gratis war, kann sich die Situation durchaus ändern. Ab heute bietet die Migros als erster Detailhändler die «Räschelsäckchen» aus dünnem Plastik nicht mehr kostenfrei an. Schweizweit wird eine Gebühr von fünf Rappen erhoben.

Gegen die Verschmutzung

Grund ist mitunter die Politik. Der CVP-Nationalrat Dominique de Buman hat 2010 eine Motion mit dem Titel «Stopp der Verschmutzung durch Wegwerf-Plastiksäcke» eingereicht. Migros, wie auch Coop reagierten auf den zunehmenden Druck aus Bundesbern mit freiwilligen Aktion zur Verminderung des Abfalls. Das Parlament hat die Motion zugunsten des «Gegenvorschlags» aus der Branche schliesslich versenkt. Die beiden Händler haben sich verpflichtet, bis 2018 keine Wegwerfsäcke mehr gratis abzugeben. Migros macht nun den Pionier, Coop will bis im Frühling des nächsten Jahres nachziehen.

Eindrückliche Zahlen

Gemäss der «Neuen Zürcher Zeitung» gab Coop laut eigenen Angaben rund 170 Millionen Plastiksäcke pro Jahr an ihre Kunden ab. Laut Branchenschätzung verbraucht die Kundschaft total pro Jahr über eine Milliarde Säcklein pro Jahr. Das entspricht 130 Stück pro Person. Für Jakub Samochowiec, Forscher am Gottlieb Duttwiler Institut ergibt diese Massnahme durchaus Sinn: «Wenn etwas gratis ist, wird es genommen, obwohl es vielleicht gar nicht nötig wäre. Sobald etwas kostet, ist eine Hemmschwelle da.» Die Detailhändler müssen bei dieser Massnahme kaum mit einem Kaufrückgang rechnen: «Die 5 Rappen spielen auf einen grösseren Einkauf keine Rolle.»

3000 Tonnen Abfall

Der Bund schätzt, dass die «Raschelsäckli» pro Jahr etwa 3000 Tonnen Abfall generieren. Das klingt nach einem ganzen Haufen, ist allerdings verglichen mit dem Gesamtabfall der Schweiz nicht sonderlich viel. Der Gesamtverbrauch an Kunststoffen beläuft sich auf rund eine Million Tonnen pro Jahr.

Sandro Zulian
Quelle: saz
veröffentlicht: 1. November 2016 10:31
aktualisiert: 1. November 2016 10:31