Die Reichen werden nicht mehr reicher

9. Juli 2019, 11:30 Uhr
Jachten und Champagner: Rund um den Globus gab es im vergangenen Jahr insgesamt 18 Millionen Dollar-Millionäre. (Symbolbild)
Jachten und Champagner: Rund um den Globus gab es im vergangenen Jahr insgesamt 18 Millionen Dollar-Millionäre. (Symbolbild)
© KEYSTONE/EPA/SEBASTIEN NOGIER
Erstmals seit sieben Jahren sind die Reichen rund um den Globus in der Summe nicht mehr reicher geworden - im Gegenteil. Vor allem wegen der Rückschlage an den Aktienmärkten sind die Vermögen 2018 insgesamt geschrumpft.

Weltweit und auch in der Schweiz ist die Zahl der Dollar-Millionäre leicht zurückgegangen.

Das Vermögen der Reichen weltweit verringerte sich in vergangenen Jahr gegenüber 2017 um fast 3 Prozent auf 68,1 Billionen Dollar, wie aus einer aktuellen Untersuchung des Beratungsunternehmens Capgemini hervorgeht. Es war das erste Minus seit sieben Jahren. «Ein Rückgang an den Aktienmärkten schlägt in der Regel besonders stark durch», sagte Capgemini-Experte Klaus-Georg Meyer.

Zugleich verlor der Club der Dollar-Millionäre erstmals seit der weltweiten Finanz- und Wirtschaftskrise 2008 Mitglieder, auch in der Schweiz. Hierzulande sank die Zahl der Menschen, die über ein anlagefähiges Vermögen von mehr als einer Million Dollar verfügen, den Angaben zufolge um 1 Prozent auf noch rund 384'000 Personen.

Auch in der Schweiz hatte nämlich der Einbruch an den weltweiten Aktienmärkten von Ende 2018 klare Spuren hinterlassen. So hatte der Leitindex SMI im vergangenen Jahr um rund 11 Prozent verloren.

Rund um den Globus gab es den Angaben zufolge im vergangenen Jahr insgesamt 18 Millionen Dollar-Millionäre. Das waren 0,3 Prozent weniger als im Jahr 2017. «Persönlich würde ich mir aber keine Sorgen um die Dollar-Millionäre machen», sagte Meyer. Es sei normal, dass es im Laufe der Jahre mal einen kleinen Rückgang gebe.

In der Liste der Länder mit den meisten Dollar-Millionären steht die Schweiz auf Platz Sieben. An der Spitze stehen die USA, gefolgt von Japan, Deutschland und China. Die vier Länder stehen Capgemini zufolge zusammen für 61,2 Prozent der Vermögenden weltweit. Mehr Millionäre als die Schweiz weisen ausserdem Frankreich und Grossbritannien auf.

Für mehr als ein Viertel des weltweiten Vermögensverlustes stand China. Die zweitgrösste Volkswirtschaft der Welt wächst nicht mehr so rasant wie in der Vergangenheit. Spuren hinterlässt unter anderem der Handelskrieg mit den USA.

Die grössten finanziellen Verluste verzeichneten der Studie zufolge die Ultrareichen, die über mehr als 30 Millionen Dollar verfügen. Ihr Gesamtvermögen sank um rund sechs Prozent. «Der weltweite Vermögensrückgang konzentriert sich ganz klar auf diese Gruppe», sagte Meyer. Die «Millionäre von nebenan» (1 bis 5 Millionen Dollar) waren am geringsten betroffen. Ihr Vermögen verringerte sich in der Summe um 0,4 Prozent.

Capgemini berücksichtigt bei seinem jährlich erstellten «World Wealth Report» Aktien, festverzinsliche Wertpapiere, alternative Investments wie Rohstoffe oder Hedgefonds, Bargeld sowie Immobilien, sofern sie nicht selbst genutzt werden.

Angesichts weltweiter Unsicherheit wegen internationaler Handelskonflikte und der Abkühlung der Weltkonjunktur liessen vermögende Privatleute Anfang des laufenden Jahres Vorsicht bei ihren Investitionen walten.

Laut einer Umfrage unter 2500 Reichen weltweit ersetzten sie im ersten Quartal 2019 teilweise Aktien durch Bargeld. Bargeld machte 28 Prozent des Finanzvermögens aus, Aktien rutschten mit knapp 26 Prozent (minus fünf Prozentpunkte) auf den zweiten Rang ab. «Cash ist eine klassische Parkposition in Zeiten der Unsicherheit», erläuterte Meyer.

Quelle: SDA
veröffentlicht: 9. Juli 2019 11:28
aktualisiert: 9. Juli 2019 11:30