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«Ein Fass ohne Boden»

Fabienne Engbers, 9. März 2017, 18:44 Uhr
Die Pizolbahnen müssen saniert werden, das jährliche Defizit von 600'000 Franken ist nicht mehr tragbar. In die Bresche springen sollen nun Kanton und Gemeinden, auf gut deutsch: der Steuerzahler. Die Einwohner aus der Umgebung sind damit nicht einverstanden.

Das Wetter, der starke Franken und die beiden Erschliessungen via Bad Ragaz und Wangs sind laut den Bergbahnen die Hauptgründe dafür, dass das Unternehmen rote Zahlen schreibt. Nun will sich die Pizolbahn AG sanieren, mit Hilfe der öffentlichen Hand. FM1Today hat die Ragazer und Ragazerinnen gefragt, wie sie dazu stehen, dass sie die Bergbahnen aus den Miesen retten sollen.

«Das ist ein Fass ohne Boden»

Viele Einwohner von Bad Ragaz haben sich zwar damit abgefunden, dass sie die Bergbahnen finanziell unterstützen, wirklich glücklich sind sie aber nicht damit. «Grundsätzlich finde ich die Skigebiete wichtig, auch als Naherholungsgebiet, aber das ist ein Fass ohne Boden, man muss immer wieder Geld investieren und das wird nicht enden», sagt Sabine Bollhalder aus Bad Ragaz.

«Ich sehe nicht ein, warum wir Bürger jetzt für die Pizolbahn zahlen müssen», sagt Verena Gion aus Ragaz. Sie mahnt davor, dass die Schneefallgrenze in den kommenden Jahren wohl weiter steigen wird. «Man müsste eine andere Lösung finden. Dass die Allgemeinheit und vor allem jene, die nicht skifahren, die Bahnen unterstützen, sollte nicht sein.»

Verena Gion ist nicht begeistert davon, dass sie die Pizolbahn nun unterstützen soll. (Bild: FM1Today/Fabienne Engbers)

«Jetzt muss man in den sauren Apfel beissen»

Stefan Schaub aus Bad Ragaz hat das Unglück schon lange kommen sehen. «In dem Moment, in dem man gesagt hat, man wolle diese Bahn bauen, wusste man, dass jemand das Defizit decken muss.»

Stefan Schaub hat kommen sehen, dass die Bergbahnen durch den Steuerzahler unterstützt werden. (Bild: FM1Today/ Fabienne Engbers)

Grundsätzlich ist der Bad Ragazer gegen Hilfe von der öffentlichen Hand. «Würde man die Bergbahnen jetzt schliessen, wäre der Abschreiber aber noch viel grösser, daher muss man jetzt in den sauren Apfel beissen.»

«Das ist unser Hausberg»

Es gibt aber auch viele, die für eine Finanzspritze für die Pizolbahnen sind. «Das ist etwas für die Allgemeinheit, wenn jeder einmal im Jahr auf ein Nachtessen auswärts verzichtet, haben wir das Geld für die Bahnen schon fast beisammen», meint Anwohnerin Bea Locher. Selbst fährt sie zwar nicht Ski, trotzdem findet sie, man solle den Standort Pizol unterstützen. «Unsere Kinder haben in Ragaz nur den Pizol, das ist unser Hausberg», sagt auch Ines Fluri.

«Ein wichtiger Teil unserer Freizeit»

Für eine Unterstützung der Pizolbahn AG spricht sich auch SP-Politiker Joe Walser aus. «Es hängen viele Arbeitsplätze am Pizol, unter anderem die Gastronomie am Berg und deren Zubringer. Auch die Schulen und die Bevölkerung haben mit dem Berg eine wichtige Freizeitmöglichkeit.»

SP-Politiker Joe Walser ist für eine finanzielle Unterstützung der Bergbahnen. (Bild: TAGBLATT/Umberto W. Ferrari)

Die Geldspritze knüpft Joe Walser aber an klare Bedingungen. «Wenn die Gemeinden Geld sprechen sollten, dann müssen sie auch ein Mitspracherecht erhalten.»

Was meinst du: Sollen die Pizolbahnen durch durch das Geld der Steuerzahler saniert werden?

Fabienne Engbers
veröffentlicht: 9. März 2017 18:08
aktualisiert: 9. März 2017 18:44