Ein grünes Monster als Geh(h)ilfe

Laurien Gschwend, 11. September 2018, 10:52 Uhr
Eingebettet in die Hand einer kuschligen Gestalt sieht die Welt gleich anders aus.
Eingebettet in die Hand einer kuschligen Gestalt sieht die Welt gleich anders aus.
© Screenshot Youtube/AOK
Der wohl herzigste Werbespot kommt dieses Jahr schon vor der Weihnachtszeit: Ein Mädchen stellt sich die Krankheit seines Vaters als bunte Fantasiewelt vor. Die Kraft von Kindergedanken ist laut einem Experten alles andere als ein Märchen.

Mausbesuche statt Hausbesuche, Rehhaare statt Reha und ein Monster-Gehilfe statt einer Gehhilfe: Während ein Krankenkassenvertreter der AOK die Mama zur Genesung des Papas berät, stellt sich ein kleines Mädchen vor, dass sein Vater nach dem Beinbruch von bunten Fabelwesen betreut wird. So sorgen musizierende Mäuse für Unterhaltung, lässt ein Reh seine langen Haare wallen und transportiert ein grünes Monster den Papa überallhin, wo er möchte.

Andere Welt aus Kinderaugen

Dass Kinder in Werbungen von Krankenkassen eine so grosse Rolle spielen, ist eher ungewöhnlich. Steve Plesker, Geschäftsführer Markt/Produkte der AOK, erklärt, warum sein Unternehmen den Weg gewählt hat: «Wir wissen, dass die Erkrankung eines Familienmitglieds eine Belastung für die Familie ist», sagt er gegenüber bild.de. Dennoch wolle die AOK das «durchaus ernste Thema» hoffnungsvoll behandeln. «Und mit Kinderaugen sieht man die Welt eben anders.»

Die Protagonistin des neuen AOK-Spots, der aktuell zur Prime Time im Fernsehen läuft, schaffe aus den Worten des Beraters «fantastische Welten, in denen die Erkrankung des Vaters gleich viel weniger schlimm wirkt», führt Plesker weiter aus.

«Fantasie wirkt wie Medizin»

Der kindlichen Fantasie sei mehr Bedeutung zuzumessen als bisher angenommen, sagt Kinder- und Jugendpsychotherapeut Christian Lüdke im Interview mit bild.de. «Kindliche Fantasie wirkt wie Medizin – nur besser und schneller.» Werde beispielsweise ein Familienmitglied krank, stelle sich ein Kind diese beängstigende Szene im Kopf so lange vor, bis sie etwas Positives hat. «Die Vorstellungskraft von Kindern (...) hilft ihnen durch schwere Zeiten.»

Laurien Gschwend
Quelle: lag
veröffentlicht: 11. September 2018 10:52
aktualisiert: 11. September 2018 10:52