«Ein Haushalt spart fünf Franken»

Dumeni Casaulta, 31. Januar 2019, 16:16 Uhr
In der Bodenseeregion machen drei Energieversorger gemeinsame Sache. Davon profitiert der Kunde, der in Zukunft weniger bezahlen muss, und auch das Landschaftsbild, da mehrere Hochspannungsleitungen abgebaut werden können.

In Arbon steht ein Unterwerk der Energie Thurgau (EKT). Nur wenige Meter daneben steht eines der SN Energie. Ein ähnliches Bild präsentiert sich in Goldach und Rorschach. Es sind Doppelspurigkeiten, die es in Zukunft nicht mehr geben soll.

Unterwerke und Hochspannungsleitungen verschwinden

Die drei Energieversorger SAK (St.Gallisch-Appenzellische Kraftwerke), EKT und SN Energie spannen im Gebiet zwischen Romanshorn und Staad zusammen. Sie nutzen die bestehende Infrastruktur zukünftig gemeinsam. Dadurch können drei von sechs Unterwerke abgebaut werden (das UW Goldach der SAK, das UW Arbon der EKT und das UW Rorschach der SN), bei gleich bleibender Versorgungssicherheit, wie die Verantwortlichen betonen.

Durch den Rückbau werden auch diverse Hochspannungsleitungen verschwinden. «Die drei Unterwerke, die abgebaut werden, brauchen keine Einspeisung mehr. Konkret abgebaut werden Freileitungen, die heute sehr gut sichtbar sind. Durch den Rückbau wird das Landschaftsbild aufgewertet, das ist sicherlich ein grosser Vorteil», sagt Stefano Garbin, CEO der SAK AG.

Fünf Franken Ersparnis pro Haushalt

Es ist nicht der einzige Vorteil, der durch die Zusammenarbeit entsteht. Die Kunden im Gebiet müssen zukünftig weniger für die Netznutzung bezahlen. Wegen der Netzgrösse sind die Einsparungen für die einzelnen Kunden aber nur gering spürbar. «Ich würde sagen, dass es für einen Haushalt in der Region etwa einen Fünffränkler pro Jahr ausmacht», sagt Clemens Hasler, CEO der SN Energie AG.

Und doch sind die Einsparungen durch die effizientere Nutzung der Netzinfrastruktur beachtlich. «Die drei Unternehmen werden zusammen rund 15 Millionen Franken weniger investieren müssen. In Zukunft können die drei Energieversorger ausserdem gesamthaft rund zwei Millionen Franken jährlich sparen», sagt Stefano Garbin. Die Einsparungen kommen den Kunden zugute. «Uns als Unternehmen bringt es nicht wahnsinnig viel, es ist wirklich ein volkswirtschaftlicher Entscheid», sagt Clemens Hasler.

Bis zur Umsetzung dauert es

Am Mittwoch wurde das Vorhaben mit der Vertragsunterzeichnung in Arbon besiegelt. Bis die neue Netzinfrastruktur vollständig realisiert ist, vergehen allerdings 12 bis 15 Jahre. «Von den verschiedenen betroffenen Anlagen ist noch keine am Ende ihrer Lebensdauer. Die können wir alle weiterbetreiben, bis eine Ersatzinvestition nötig ist. Die drei Unternehmen brauchen aber jetzt die Gewissheit, dass bei der Planung der Ersatzinfrastruktur eine gemeinsame Lösung angestrebt wird», erklärt Clemens Halser. Und Stefano Garbin ergänzt: «Die Versorgungssicherheit muss zu jeder Zeit gewährleistet sein. Wir können deshalb nicht an allen Orten gleichzeitig bauen.»

Bodenseeregion als Leuchtturmprojekt

Die Verantwortlichen sprechen von einem Leuchtturmprojekt. Historisch gewachsene Strukturen — in den letzten hundert Jahren hat jeder Energieversorger an seinem eigenen Netz gebaut — werden durch eine gemeinsame Systembetrachtung zugunsten der Kunden verbessert.

Ein Leuchtturmprojekt ist es tatsächlich. Aber nur dann, wenn auch in anderen Regionen unnötige Doppelspurigkeiten abgebaut werden und zugunsten des Kunden Kooperationen entstehen.

Dumeni Casaulta
veröffentlicht: 31. Januar 2019 16:16
aktualisiert: 31. Januar 2019 16:16