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«Hauptsache Kunde kauft bei Ikea»

David Scarano, 2. Oktober 2015, 15:06 Uhr
Dem Standort St.Gallen droht eine betriebseigene und vor allem billigere Konkurrenz aus Lustenau. Ikea Schweiz hat keine Angst vor einer Kannibalisierung. Hauptsache der Kunde kaufe bei Ikea ein, so die Reaktion.
EPA/MARCEL ANTONISSE

Zwar ist der Bau einer Ikea-Niederlassung in Lustenau noch nicht fix, die grenznahen Pläne des schwedischen Möbelriesen geben aber bereits zu reden. Vorfreude herrscht bei Ostschweizer Kundinnen und Kunden. Denn kommt der Standort - Baustart voraussichtlich 2017 - tatsächlich zustande, könnten sie billiger einkaufen.

Billiger, dazu Mwst-Nachlass

Zwei Beispiele: Ein Sofa Modell Kivik kostet in St.Gallen 749 Franken, bei Ikea Österreich 548 Euro. Das sind umgerechnet knapp 600 Franken. Die Preisdifferenz beträgt etwa 146 Franken oder satte 19,5 Prozent. Der Tisch Ingatorp kostet in der Schweiz 349 Franken, im benachbarten Österreich 279 Euro (etwa 307 Franken). Die Differenz: 42 Franken oder 12 Prozent. 

Aber nicht genug: Die Mehrwertsteuer beträgt in Österreich 20 Prozent, bei uns 8 Prozent. Ostschweizer Kunden winkt ein nochmaliger zweistelliger Preisnachlass.

30 Minuten Distanz

Die Standorte St.Gallen und Lustenau wären nur knapp eine halbe Fahrstunde entfernt. Was die Kunden in der Region freut, hätte für Ikea Schweiz wohl negative Folgen. Kunden könnten abwandern. Die mögliche interne Konkurrenz nimmt man in der Zentrale in Spreitenbach jedoch gelassen zur Kenntnis. Aurel Hosennen, Leiter Kommunikation, will beispielsweise das Wort «Konkurrenz» nicht mal in den Mund nehmen. «Wir wollen als Gesamtunternehmen erfolgreich sein, unabhängig wo der Kunde einkauft», sagt Hosennen.

Nicht alle Läden gleich

Die Situation ist für Ikea Schweiz nicht neu. Basel bekam durch den Standort Mulhouse eine ikea-eigene Konkurrenz. Die Folgen hielten sich laut Hosennen in Grenzen. «Es gab einen kurzfristigen Effekt, der der Neugier geschuldet war», sagt er. Die Kunden wollten sich vor Ort ein Bild machen. Kehrten aber mit der Zeit zu ihrem angestammten Standort zurück. Sie würden den Laden kennen, den eigenen Dialekt reden wollen.

Laut Hosennen ist ein Ikea-Laden nicht gleich Ikea-Laden. Das Grundsortiment sei zwar gleich, darüber hinaus können die Standorte ein eigenes Angebot wählen. Zudem seien die sogenannten Inspirationsräume, also die dekorierten Ausstellzimmer in den Filialen, auf die jeweilige Regionen ausgerichtet.

Dafür besuchen Ikea-Mitarbeiter pro Region 50 Wohnungen und Häuser, «und schauen sich an, wie Menschen dort leben», sagt Hosennen. St.Gallen ist beispielsweise eine Uni-Stadt mit vielen Studenten und Wohngemeinschaften. Auf diese Tatsachen geht die hiesige Filiale ein.

David Scarano
Quelle: red
veröffentlicht: 2. Oktober 2015 14:30
aktualisiert: 2. Oktober 2015 15:06