Ist das okay? Männer zahlen mehr für Kaffee

9. August 2017, 16:02 Uhr
In einem Restaurant im australischen Melbourne sollen Männer bei Bestellungen 18 Prozent mehr zahlen als Frauen. Das Lokal will mit der Aktion auf ungleiche Löhne aufmerksam machen. (Symbolbild)
In einem Restaurant im australischen Melbourne sollen Männer bei Bestellungen 18 Prozent mehr zahlen als Frauen. Das Lokal will mit der Aktion auf ungleiche Löhne aufmerksam machen. (Symbolbild)
© KEYSTONE/EPA ANP/SANDER KONING
In einem Café der australischen Millionenstadt Melbourne werden Männer seit kurzem extra zur Kasse gebeten: Das «Handsome Her» schlägt bei Männern 18 Prozent auf den Preis drauf. Dies, weil Männer immer noch mehr verdienen als Frauen.

Auf einer Kreidetafel gleich am Eingang des Lokals wird auf die Begründung hingewiesen. Nach einer kürzlich veröffentlichten Studie betrage der Lohnunterschied zwischen Männern und Frauen in Australien 18 Prozent. Das zusätzlich eingenommene Geld fliesst angeblich in Frauenprojekte.

Das vegane Café im In-Stadtteil Brunswick versteht sich selbst als «Platz von Frauen für Frauen». Mitgründerin Alexandra O'Brien erläuterte im Fernsehsender Channel 7, dass der Aufschlag nur eine Woche pro Monat verlangt werde und auch freiwillig sei. «Bislang hat sich noch niemand geweigert zu bezahlen. Das geht ja auch an einen guten Zweck.» O'Brien fügte hinzu: «Wenn ein Mann das nicht zahlen will, schmeissen wir ihn nicht raus.»

«Andersrum gäbe es einen Aufstand»

Falls der Aufschlag verbindlich wäre, müsste das «Handsome Her» auch mit einer Beschwerde rechnen. Die australischen Gesetze zum Schutz vor Diskriminierung sind streng. Trotzdem gibt es in den sozialen Netzwerken einiges an Spott und Kritik. Ein Mann schrieb: «Wenn das andersrum wäre, gäbe es einen Aufstand in den Strassen.»

Unterschiede auch in der Schweiz

In der Schweiz, soweit bekannt, gab es so etwas noch nie. Doch auch hier sind die Lohnunterschiede zwischen Mann und Frau gegeben und gehen nur langsam zurück. In den einzelnen Branchen sind die Zahlen der Lohnungleichheit sehr unterschiedlich.

Zwar hat diese zwischen 2010 und 2014 abgenommen, der unerklärte Anteil von Lohnungleichheit blieb aber gleich hoch, wie die Lohnstrukturerhebung zeigte, die das Bundesamt für Statistik (BFS) 2014 veröffentlichte.

Männer verdienen 12.5 Prozent mehr

Die Unterschiede gibt es laut BFS teilweise wegen Unterschieden im Bildungsstand, Anzahl Dienstjahre oder ausgeübter Kaderfunktionen. Jedoch bleiben 39.1 Prozent von Lohnunterschieden im privaten Sektor übrig, die das BFS nicht erklären kann. Je nach Branche gibt es dabei grosse Unterschiede.

Das Bundesamt für Statistik hält fest, dass der Lohnunterschied des monatlichen Bruttolohns nach beruflicher Stellung und Geschlecht 2014 im privaten und öffentlichen Sektor bei durchschnittlich 12.5 Prozent liegt.

Unterschieden wird dann noch in oberstes, oberes und mittleres Kader (19.71 Prozent Unterschied), unterstes Kader (14.03 Prozent), unterstes Kader (10.4 Prozent) und Angestellte ohne Kaderfunktion (9.2 Prozent)

(sda/red)


veröffentlicht: 9. August 2017 06:28
aktualisiert: 9. August 2017 16:02