Mitmach-Projekt für massgeschneiderte Ernährung

18. Februar 2019, 10:51 Uhr
Zwei Wochen die eigene Ernährung dokumentieren für die Forschung: Die Datengrundlage soll helfen, auf das Individuum massgeschneiderte Vorschläge für eine gesündere Ernährung zu erstellen. (Symbolbild)
Zwei Wochen die eigene Ernährung dokumentieren für die Forschung: Die Datengrundlage soll helfen, auf das Individuum massgeschneiderte Vorschläge für eine gesündere Ernährung zu erstellen. (Symbolbild)
© KEYSTONE/AP/MICHAEL PROBST
Gesunde Ernährung hängt nicht nur von der Art des Essens ab, sondern zumindest teils auch vom Lebensstil und der Darmflora. Forschende der ETH Lausanne starten nun ein grosses Mitmach-Projekt, das die Grundlage für massgeschneiderte Ernährungsvorschläge liefern soll.

Wenn zwei Menschen das gleiche Gericht essen, reagiert ihr Blutzuckerspiegel nicht unbedingt gleich. Wie oft sich eine Person körperlich betätigt, wie viel sie nachts schläft und wie ihre Darmflora zusammengesetzt ist, spielen ebenfalls eine Rolle. Darauf haben bereits einige Studien hingewiesen.

Nun wollen Forschende um Marcel Salathé von der ETH Lausanne (EPFL) mithilfe von Bürgerinnen und Bürgern die Datengrundlage schaffen, um auf das Individuum angepasste Ernährungspläne für eine gesunde Ernährung zu erstellen.

Für ihr mehrjähriges Bürgerforschungsprojekt hoffen die Forschenden auf rund 1000 Teilnehmende pro Jahr, die während 14 Tagen täglich ihre Nahrungsaufnahme, ihre körperliche Betätigung, ihren Schlaf und ihren Blutzuckerspiegel per App übermitteln, wie die EPFL am Montag mitteilte. Ausserdem sollen sie einen Fragebogen ausfüllen und eine Stuhlprobe einsenden, damit ihre Darmflora analysiert werden kann. Alles notwendige Material werde per Post verschickt, Anleitungen und Informationen per Website und App übermittelt, hiess es.

Kernstück des Projekts ist die App «MyFoodRepo», welche die EPFL mit Unterstützung der Fondation Leenards entwickelt hat und die mit einer öffentlichen Lebensmitteldatenbank verknüpft ist. Laut EPFL ermöglicht die App, die eigene Nahrungsaufname durch einfaches Fotografieren zu dokumentieren. Ein Bilderkennungsalgorithmus ordnet das fotografierte Gericht oder den erfassten Strichcode eines Produkts den entsprechenden Informationen in der Datenbank zu und schätzt den Nährwert.

Diese öffentliche Datenbank namens «The Open Food Repo», ehemals «OpenFood», beruht ebenfalls auf einem Projekt der EPFL. Die Idee war, ein Wikipedia der Nahrungsmittel zu schaffen. Seit die Hochschule die Datenbank Ende 2016 mit Unterstützung der Kristian Gerhard Jebsen Stiftung startete, ist sie beachtlich gewachsen: von anfangs rund 14'000 Einträgen auf rund 38'000 Nahrungsmittel und die dazugehörigen Strichcodes, inklusive Informationen zu Inhaltsstoffen und Nährwerten.

Das nun lancierte Projekt «Food & You» soll eine Datenbasis schaffen, anhand derer Salathé und sein Team einen neuen Algorithmus entwickelt wollen, wie die EPFL schrieb. Dieser soll die individuelle Reaktion des Blutzuckerspiegels einer Person nach einem Gericht vorhersagen.

«Die Ergebnisse dieser Forschung könnten weitreichende Folgen für die Ernährungsempfehlungen allgemein sowie individuelle Ernährungspläne haben und grundlegende Informationen über die Auswirkungen der Ernährung auf die alltägliche Gesundheit liefern», liess sich der Forscher zitieren.

https://www.foodandyou.ch/

Quelle: SDA
veröffentlicht: 18. Februar 2019 10:35
aktualisiert: 18. Februar 2019 10:51