Nebelschwaden über Finanzen von «People's Viennaline»

Claudia Amann, 13. Dezember 2016, 18:46 Uhr
Ein Flugzeug der People's Viennaline auf dem Flugplatz Altenrhein.
Ein Flugzeug der People's Viennaline auf dem Flugplatz Altenrhein.
© (People's)
Um die finanzielle Stellung der «People's Viennaline» herrscht Unklarheit. Obwohl die Regionalfluglinie Business-Reisende im Dreiländereck Schweiz - Österreich - Deutschland bedient, fällt die Bilanz ihrer Gesellschaft für 2015 negativ aus. Die Fluggesellschaft wehrt sich gegen den Vorwurf, sie sei überschuldet.

Wie die «Wirtschaftspresseagentur» am Dienstag berichtete, soll die «Altenrhein Luftfahrt GmbH» im Jahr 2015 einen Bilanzverlust von zwölf Millionen Euro angehäuft haben und das negative Eigenkapital auf elf Millionen Euro gestiegen sein. Nur durch Rangrücktritte der «People's Air Group» sei verhindert worden, dass eine insolvenzrechtliche Überschuldung besteht.

Euro in der Verantwortung

Die «People's Viennaline» hat mittlerweile nicht nur die Flugverbindung von Altenrhein nach Wien im Angebot, sondern auch eine Verbindung von Altenrhein nach Köln/Bonn und diverse Charterflüge. Seit Kurzem besteht auch die Möglichkeit, mit Zwischenstopp von Friedrichshafen über Altenrhein nach Wien zu fliegen.

«Die Auslastung nach Wien ist trotz der Aufnahme des vierten Flugs immer noch steigend, die Passagierzahlen nach Köln sind über unseren Erwartungen», sagt CFO Thomas Mary.  Die Bilanz habe sich letztes Jahr «durch die Euro-Abwertung» verschlechtert, «operativ hatten wir erstmals seit Aufnahme des Linienbetriebs 2011 ein positives Ergebnis», so Mary.

Nach Durchsicht der Jahresbilanz für 2015 sieht es allerdings so aus, als wäre die Gesellschaft massiv verschuldet. Nicht nur der aktuelle Bilanzverlust sieht mehr schlecht als recht aus. Lag das negative Eigenkapital bei der Gründung der «People's Viennaline» 2011 bei minus 5,7 Millionen Euro, so ist es bis 2015 auf minus 11,09 Millionen Euro gestiegen.

Inhaber nimmt Stellung

Die «People's Viennaline» stellt zu diesen Informationen klar, dass für den Bericht der «Wirtschaftspresseagentur» die bereits seit mehreren Monaten gemäss österreichischem Recht veröffentlichte Bilanz 2015 als Grundlage genommen und von einer Überschuldung mit einem Bilanzfehlbetrag von rund 11 Millionen Euro der Airline berichtet wurde.

«Berichtet wird über die Bilanz 2015, welche einen kumulierten Bilanzfehlbetrag aus den sechsjährigen Aufbaukosten der Airline sowie der Eurokrise beinhaltet», sagt «People's Viennaline»-Besitzer Markus Kopf  in einer Stellungsnahme. «Wie seit längerem geplant, wird der kumulierte Bilanzverlust per 31. Dezember 2016 bereinigt.» Erreicht werde dies durch gruppeninterne Massnahmen.

«Aufgrund unserer Firmenzusammensetzung gibt und gab es nie eine Gefährdung des Flugbetriebs», erklärt Markus Kopf weiter. «Sämtlichen Passiven der Luftlinie stehen Aktiven der Muttergesellschaft gegenüber, ansonsten würden schlichtweg keine Haftungen, vom Wirtschaftsprüfer wie auch dem Verkehrsministerium, akzeptiert werden.»

Die «People's Viennaline» ist Teil der «People's Air Group», zu der die «Realco AG» als Besitzerin der Immobilien und Infrastruktur am Flugplatz Altenrhein, die «Airport Altenrhein AG» als Betriebsgesellschaft des Flugplatzes und die «Altenrhein Luftfahrt GmbH» als Betreiberin der «People's Viennaline» gehören. «Das Gruppenfinanzresultat ist seit Gründung ausnahmslos sehr positiv», betont Kopf. «Auch die Fluglinie 'People's Viennaline' als Einzelgesellschaft bilanziert 2016 positiv.»

«Derzeit zahlungsfähig»

Die «Wirtschaftspresseagentur» berichtete unter Vorlage der Jahresbilanz von 2015, dass die «Airport Altenrhein AG» für eine Verrechnungsforderung in Höhe von 8,5 Millionen Euro eine Rangrücktrittserklärung abgegeben habe. Die «Rexxam AG», welche eine Verrechnungsforderung von 257'000 Euro und eine Forderung aus Lieferungen und Leistungen in Höhe von 3,3 Millionen Euro gegenüber der «Altenrhein Luftfahrt GmbH» habe, hätte eine Rangrücktrittserklärung in Höhe von 2,5 Millionen Euro abgegeben.

Darüber hinaus werde die Alleingesellschafterin - die «Altenrhein Realco AG» mit Sitz in der Ostschweiz - die Gesellschaft bei Bedarf mit einer entsprechenden Liquidität ausstatten, sodass diese ihre Verpflichtungen jederzeit erfüllen könne. «Derzeit ist die Gesellschaft zahlungsfähig», heisst es im Anhang der Bilanz.

Finanzchef Thomas Mary äussert sich dazu folgendermassen: «Die Sanierung der Bilanz ist seit längerem geplant und wird Ende 2016 erfolgt sein. Die «People's Gruppe» hatte als Gesamtes auch letztes Jahr ein positives Ergebnis.»

Ein Mann steht hinter allem

Zur «People's Air Group» gehören die «Airport Altenrhein AG» als Betreiberin des Flughafens, die «Altenrhein Realco AG» als Immobilienbesitzerin sowie die «Altenrhein Luftfahrt GmbH» als Betreiberin der Airline. Nicht direkt zur Gruppe gehört die «Rexxam AG», welche den Embraer-170-Jet gekauft und an die «Altenrhein Luftfahrt GmbH» verleast hat. Für die Lancierung der «People's Viennaline» hat Markus Kopf auch die «Altenrhein Luftfahrt GmbH» neugegründet und den Sitz nach Dornbirn gelegt. An dem Hauptgeschäftssitz befanden sich allerdings weder Geschäfts- noch Fachbereichsleiter wie gesetzlich vorgeschrieben. Nachdem die österreichischen Behörden dem nachgingen, wurde der Sitz nach Wien verlegt.

Hinter all diesen aufgeführten Firmen steht der Vorarlberger Investor Markus Kopf. Der Unternehmer ist seit 2010 alleiniger Eigentümer des Airport St.Gallen-Altenrhein. Er entstammt einer Stickereifamilie und hat Betriebswirtschaft studiert, bevor er für einige Jahre als Unternehmer in den USA tätig war. Mit vielen Erfolgen und einem satten Gewinn im Gepäck ging er zurück nach Österreich und wurde im Jahr 2000 Partner der Online-Ton-Bibliothek «Vienna Symphonic Library». Musikgrössen aller Welt kaufen dort ein. Markus Kopf ist mittlerweile in der Ostschweiz wohnhaft und operiert zwischen der Schweiz und Österreich.

Claudia Amann
Quelle: cla
veröffentlicht: 13. Dezember 2016 18:39
aktualisiert: 13. Dezember 2016 18:46