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Nike gelingt ein Werbecoup

René Rödiger, 4. September 2018, 15:23 Uhr
Colin Kaepernick macht jetzt Werbung für Nike. Der frühere Football-Quarterback bekam nach seinen Protesten gegen Polizeigewalt keinen NFL-Vertrag mehr.
Colin Kaepernick kritisiert regelmässig die Polizeigewalt.
© Getty Images

Mit Colin Kaepernick fing alles an. Es lief die dritte Woche der Vorsaison 2016, als den Medien auffiel, dass der Quarterback der San Francisco 49ers während der Nationalhymne nicht stand. Darauf angesprochen, meinte Kaepernick: «Ich kann nicht für ein Land stehen, das schwarze und farbige Menschen unterdrückt. Das ist wichtiger als Football. Da kann ich nicht wegsehen. Da liegen Tote auf den Strassen und Menschen bekommen bezahlten Urlaub und kommen mit Mord davon.»

Colin Kaepernick (Mitte) protestiert im Oktober 2016. (Keystone/Archiv)

Immer mehr Spieler der NFL schlossen sich den Protesten an. Kaepernick bekam bei seinem Verein keinen neuen Vertrag mehr. Auch keine andere Mannschaft wollte den Quarterback haben, obwohl er zu den besten der Liga gehörte. Bis heute kämpft Kaepernick vor Gericht, er ist der Meinung, dass er von der Football League systematisch ausgegrenzt werde.

Nike positioniert sich im Streit

«Glaube an etwas. Auch wenn es bedeutet, alles aufzugeben.» Mit diesem Slogan startete Nike jetzt eine neue Kampagne. Das Gesicht dazu: Colin Kaepernick.

Nur wenige Minuten später hagelte es bereits Kritik. Auf Twitter zeigten Leute, wie sie ihre Nike-Artikel zerstört haben. Sie interpretierten den Protest Kaepernicks als fehlender Patriotismus - in den USA ein absolutes No-Go.

Viel grösser fällt bisher jedoch die Unterstützung für Kaepernick und Nike aus. «Wir glauben, Colin ist einer der inspirierendsten Sportler seiner Generation, der die Plattform Sport dazu nutzte, die Welt zu verbessern», sagte Gino Fisanotti, der nordamerikanische Marken-Vizepräsident für Nike, gegenüber dem US-Sender ESPN. Das Kaepernick-Sujet gehört zu einer grösseren Kampagne zum 30. Geburtstag des «Just Do It»-Slogans.

Wie reagiert Trump?

Nike ist mit der Aktion ein Coup gelungen. Kaum eine Werbekampagne der letzten Jahre konnte bereits am ersten Tag ein solches Medien- und Kundenecho auslösen. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis sich auch US-Präsident Donald Trump dazu äussert. Er forderte im sogenannten «US-Hymnenstreit» die Entlassung aller protestierenden Spieler. Kaepernick riet er, aus den USA auszuwandern.

Perfektes Timing

Am Donnerstag beginnt die 99. NFL-Saison. Ab dieser ist das Knien während der Nationalhymne von den Klubs verboten worden, es drohen Bussen. Die Spieler dürfen jedoch während der Hymne in der Garderobe bleiben. Auch hier ist das letzte Wort noch nicht gesprochen: Die Spielergewerkschaft kündigte rechtliche Schritte dagegen an. Die Nike-Kampagne kommt also genau zum richtigen Zeitpunkt, schliesslich ist Nike auch der offizielle Ausrüster aller NFL-Mannschaften.

Die Nationalhymne wird übrigens erst seit neun Jahren im Vorfeld der NFL-Spiele abgespielt. Seither hat die Liga einen Millionen-Vertrag mit dem Verteidigungsministerium und den Nationalgarden.

René Rödiger
Quelle: red.
veröffentlicht: 4. September 2018 15:23
aktualisiert: 4. September 2018 15:23