«Pille für den Mann» kommt nicht

Lara Abderhalden, 5. November 2016, 09:46 Uhr
«Warum die Pille nehmen, wenn es auch Kondome gibt?», fragt sich ein Passant.
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Sehr lange schon beschäftigt sich die Forschung mit einer Pille für den Mann. In diesem Jahr sollte nun endlich der Durchbruch gelingen. Das hormonelle Verhütungsmittel für den Mann war geschaffen. Jedoch musste die Testphase abgebrochen werden, weil die Probanden mit den Nebenwirkungen nicht klar kamen.

Es sollte der Durchbruch des Jahres werden. Die Gleichberechtigung bei der Verhütung. Die Entlastung der Frau. Die Pille für den Mann. Und eigentlich funktioniert sie ganz gut. Wie eine kürzlich veröffentlichte Studie der Universität von Edinburgh ergeben hat, wurden die Partnerinnen der Männer, die hormonell verhütet haben, in 96 Prozent der Fälle nicht schwanger.

Die Studie umfasste 320 Teilnehmer im Alter zwischen 18 und 45 Jahren, die alle eine Partnerin hatten. Seit 2008 wurden ihnen Hormone gespritzt.

Männer mussten Projekt abbrechen

Zwar funktionierte die hormonelle Verhütung bei den Männern, aber - wie viele Frauen es sich gewohnt sind - blieben die Probanden von den Nebenwirkungen nicht verschont. Beinahe die Hälfte der Studienteilnehmer bekamen Akne, 38 Prozent stellten eine erhöhte Libido fest und 17 Prozent klagten über Stimmungsschwankungen. 20 Prozent der Männer mussten das Experiment vor rund fünf Jahren abbrechen, weil ihnen die Nebenwirkungen zu viel wurden.

«Pille für den Mann» kommt nicht auf den Markt

Für die Forscher war zu diesem Zeitpunkt klar: Die Studie muss früher abgebrochen werden als geplant. «Die Risiken für die Teilnehmer überwogen den möglichen Nutzen», teilten die Forscher mit. Es werde noch mehr Forschungsarbeit benötigt, bevor diese Art von Verhütung auf den Markt gebracht werden könne.

Trotz vieler Nebenwirkungen gaben ganze 75 Prozent der Studienteilnehmer an, dass sie die «Pille für den Mann» trotzdem nehmen würden.

«Nehmt doch ein Kondom!»

Das Thema «Pille für den Mann» ist auch in der Ostschweiz umstritten. Eine Umfrage auf der Strasse ergab: Die meisten der Passanten wussten über eine hormonelle Verhütung für Männer nicht Bescheid und wollen davon auch nichts wissen: «Ich verhüte lieber selber», sagt eine Frau, eine andere meint: «Ich finde es normal, dass Frauen die Pille nehmen. Männer können andere Dinge tun.»

Die Meinung der Männer ist oft klar und deutlich: «Man kann ja auch ein Kondom nehmen. Dann muss niemand eine Pille schlucken», sagt ein junger Herr und sein Kollege fügt an: «Ich würde mit den Stimmungsschwankungen nicht klar kommen. Frauen sind sich diese gewohnt und wissen, wie man sie handhabt.»

«Ich würde eine Männerpille schlucken»

Es gibt aber auch gegenteilige Meinungen. Ein älterer Herr meint: «Ich würde hormonell Verhüten, wenn meine Frau die Pille nicht vertragen würde.» Seine Partnerin fügt an: «Ich finde, Männer dürfen das ruhig ausprobieren.»

«Die Männer nerven sich immer, wenn die Frau die Pille vergisst. Ich finde, es sollte nicht immer alles an der Frau hängen bleiben. Männer können ihren Beitrag zur Verhütung leisten», sagt eine Passantin. Ihre Freundin fügt an: «Es ist an sich eine gute Idee, trotzdem, Männer können das nicht. Sie sind Chaoten und stell dir vor, wie eine Beziehung mit so vielen Hormonen enden würde?!»

Das mit den Hormonen sei nicht das Hauptproblem, meint ein anderer: «Wenn ich beim McDonalds essen gehen, nehme ich womöglich noch mehr Hormone zu mir.» Das grundsätzlich Problem bestehe in der Akzeptanz der «Pille für den Mann», findet eine ältere Dame. «Heute sind hormonellen Verhütungsmittel für den Mann verpönt. Die ganze Werbung und das Image der Pille müssten sich grundlegend ändern.»


Lara Abderhalden
veröffentlicht: 5. November 2016 09:34
aktualisiert: 5. November 2016 09:46