Puma verscheucht Ermatinger Hund

Laurien Gschwend, 13. Juni 2017, 17:09 Uhr
Es war ein langer Streit zwischen Katze und Hund - nun hat der Hund nachgegeben. Nach einem Markenrechtsstreit mit dem deutschen Sportartikelriesen Puma hat die Holzmanufaktur «Made in Ermatingen» ihr Logo abgeändert.

«Heute kann ich wieder ohne Probleme Puma-Schuhe kaufen», sagt Andy Hostettler, Mitinhaber von «Made in Ermatingen», bei einer Medienkonferenz am Dienstagmorgen. Im Markenrechtsstreit mit dem deutschen Sportartikelhersteller «Puma» habe man sich aussergerichtlich einigen können.

Michael Urwyler und Andy Hostettler, die unter dem Label «Made in Ermatingen» verschiedene Holzartikel herstellen, haben in den vergangenen Wochen ihr Logo angepasst. Glich ihre Ermatinger Dogge im Logo früher der springenden Puma-Katze - so die Ansicht der Sportmarke - ist heute nur noch ihr Kopf samt Halsband zu sehen.

Die drei Logos im Vergleich. Ganz links ist das neue Logo der Ermatinger Fima.
© Webseite Ermatingen

Teurer als hundert Kilogramm Thurgauer Äpfel

Puma hat dem Thurgauer Unternehmen für das neue Design und die damit verbundenen Werbemittel Geld bezahlt. Der genaue Betrag wurde nicht genannt. Andy Hostettler sagt nur: «Mehr, als hundert Kilogramm Thurgauer Äpfel kosten und weniger als ein Flugzeug der Schweizer Armee.»

Im September 2015 hatte «Made in Ermatingen» das Logo mit der springenden Dogge in den Kategorien Sportschuhe, Sportbekleidung und Sportartikel für kommerzielle Zwecke registrieren wollen. Puma war damit nicht einverstanden und ging rechtlich gegen die Holzmanufaktur vor. Nachdem das Schweizer Institut für Geistiges Eigentum keine Ähnlichkeit zwischen der Ermatinger Dogge und dem Puma festgestellt hatte, zog Puma den Rechtsstreit weiter.

Keine Zeit und Geld für Weiterzug

«Made in Ermatingen» knickte «nach einem langen Telefonat» ein und änderte das Logo. «Wir hätten zwar Chancen gehabt, nochmals zu gewinnen. Dass wir unsere Holzprodukte fertigen, war aber wichtiger, als uns weiter vor Gericht zu streiten. Dafür fehlte uns die Zeit und das Geld.»

Hostettler steht hinter Vorwurf

Nicht immer sah es nach einer konstruktiven Lösung aus. Noch in diesem März wurde Puma von Andy Hostettler als paranoid bezeichnet, «ich kann es einfach nicht anders sagen, sie haben einen Verfolgungswahn», sagte er gegenüber FM1Today. Der Holzmanufaktur-Teilhaber steht weiterhin hinter seinem Statement. «Ich halte die Verwechslungsgefahr noch immer für gering. Aber nun haben wir uns auf einer vernünftigen Ebene gefunden.»

Angst vor Kopien

Gemäss Michael Lämmermann, Finanzvorsteher von Puma, kommen sich die beiden Unternehmen mit der aussergerichtlichen Lösung «nicht mehr ins Gehege». Werde irgendwo auf der Welt ein Logo angemeldet, das der springenden Katze gleiche, werde Puma automatisch alarmiert. «Wir hatten zwar keine Angst, die Holzmanufaktur könnte in die Sportartikelindustrie einsteigen», sagt Lämmermann. Wäre die Dogge von «Made in Ermatingen» aber rechtlich akzeptiert worden, so der Finanzvorsteher, «hätte jede erdenkliche Firma sich darauf berufen und uns kopieren können».

Wie Andy Hostettler sagt, wollten er und sein Geschäftspartner im September 2015 sämtliche Rechte für «Made in Ermatingen» sichern. «Wir wollten uns alle Möglichkeiten offen lassen, um vielleicht später einmal mit anderen Ermatinger Unternehmen kooperieren zu können.» In der Thurgauer Ortschaft gebe es beispielsweise eine Trikot-Firma und verschiedene Unternehmen, die im Food-Bereich tätig seien.

Geschenke für die neuen Freunde

Die Verantwortlichen von Puma sowie «Made in Ermatingen» luden am Dienstagmorgen in den Frauenfelder Plättli-Zoo (wo zwei Pumas leben) ein, um ihre aussergerichtliche Einigung den Medien zu verkünden. Den neuen Freunden, so nannten sich die Geschäftsmänner gegenseitig, wurden Geschenke überreicht: Für Michael Urwyler, Andy Hostettler und Zoowärter Walter Mauerhofer gab es beschriftete Leibchen der Schweizer Nationalmannschaft (von Puma gefertigt). Auf die Herren von Puma, extra aus Deutschland angeflogen, warteten Schweizer Panorama-Messer. Die beiden Pumas des Plättli-Zoos dürfen sich über 5000 Franken für Futter freuen - die Verantwortlichen von Puma versprechen des Weiteren eine «langjährige Zoo-Partnerschaft mit einer regelmässigen Spende».

Noch näher zusammengerückt

«Weisst du noch, als Papi Krach mit Puma hatte» - Andy Hostettler denkt, dass ihm und seinen Kindern der Rechtsstreit noch lange in Erinnerung bleibt. Auch wenn es «wahnsinnig belastende Phasen» gegeben habe, sei seine Holzmanufaktur mit dem neuen Logo sehr zufrieden. Die Ermatinger Dogge könne man flexibler abbilden - «je nach Lust und Laune des Schreiners». Mal seien nur die Ohren des Tiers zu sehen, mal das Füdli. «Ich denke, der Rechtsstreit hat meinen Geschäftspartner Michael und mich noch mehr zusammengeschweisst.»

Laurien Gschwend
Quelle: lag
veröffentlicht: 13. Juni 2017 17:09
aktualisiert: 13. Juni 2017 17:09
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