SBB streiten wegen rostiger Züge

Praktikant FM1Today, 23. Januar 2019, 12:43 Uhr
Wegen Schnee, Regen und Absetzungen aus den Zugtoiletten wurden die Flirt-Züge der SBB rostig – wer schuldig ist, weiss man noch nicht. Unklar ist ebenso, ob die Kantone, die SBB oder Hersteller Stadler Rail die Reparatur bezahlen muss.

Die Liebe zwischen dem Regional-Triebzug Flirt und den SBB ist wohl erloschen. Der Grund sind Rostschäden an einem Teil der rund 150 Flirt-Züge, die seit 2004 auf den Schienen fahren. Seit dem Winter 2017 werden die Züge saniert. Dabei ist ein Streit enbrannt, wer diese Sanierung bezahlen muss. Die SBB wollen, dass sich Zughersteller Stadler Rail an den Kosten beteiligt.

Garantie abgelaufen

Für den Zughersteller ist aber klar: «Die Korrosion an den Flirt-Zügen, die bei den SBB im Einsatz sind und von ihr gewartet werden, ist entsprechend ihrer Lebensdauer völlig unbedenklich», sagt Sprecherin Marina Winder gegenüber dem «Blick». Experten sagen, dass die Werksgarantie für die teilweise bis zu 15 Jahre alten Zügen abgelaufen sei. Die SBB hätten dazu die Wartungsarbeiten nicht nach den Empfehlungen von Stadler Rail durchgeführt.

Steuerzahler soll zahlen

Jetzt wollen die SBB, dass sich auch die Kantone an der Reparatur der Züge beteiligen sollen, wie das «Tagblatt» schreibt. Die SBB wollen dies weder bestätigen noch dementieren. Dennoch gehen die Wogen bei Verkehrspolitiker von links bis rechts hoch. So nennt zum Beispiel Aargauer SVP-Nationarat Ulrich Giezendanner die Forderung «skandalös». Der oberste Verkehrsdirektor, der Basler SP Regierungsrat Hans-Peter Wessels, beschwichtigt. «Wir sind im Austausch mit den SBB. Gemäss aktueller Einschätzung sind die Kostenfolgen überschaubar.»

Ursachen entscheidend

Auch das Bundesamt für Verkehr (BAV), das die SBB beaufsichtigt, hat sich in den Streit eingeschaltet: Und stellt sich auf die Seite der Kantone. «Grundsätzlich sehen wir die unternehmerische Verantwortung für die Behebung und Finanzierung der Korrosionsschäden bei den SBB.» Im Gespräch mit dem Tagblatt sagt Sprecher Gregor Saladin, es sei aber unbestritten, dass sich Bund und Kantone als Besteller am Unterhalt beteiligen. «Im Fall des Flirtes ist zentral, was die Ursachen der Korrosionsschäden seien.» Dafür würde auch die finanzielle Beteiligung von Bund und Kantonen abhängen.

Schäden normal

BAV-Sprecher Saladin sagt weiter, dass die Schäden angesichts der Lebensdauer normal seien. Ob die Liebe zwischen Flirt und SBB noch einmal aufflackert, wird sich also erst noch zeigen.

 

Praktikant FM1Today
veröffentlicht: 23. Januar 2019 12:43
aktualisiert: 23. Januar 2019 12:43