Swiss-Kunden von Lufthansa-Streik betroffen

René Rödiger, 9. September 2015, 13:31 Uhr
Vom Streik sind auch viele Swiss-Kunden betroffen.
Vom Streik sind auch viele Swiss-Kunden betroffen.
© EPA/Peter Kneffel
Die streikenden Piloten der Lufthansa haben den Druck erhöht: Nachdem sie am Dienstag die Langstreckenflüge bestreikt hatten, weiteten sie den Streik in der Nacht auf Mittwoch auf die Deutschland- und Europaflüge aus. Die Lufthansa trifft das hart.

1000 Flüge fallen am Mittwoch aus. Betroffen sind 140'000 von 180'000 gebuchten Passagieren, wie die Lufthansa bekanntgab. In Frankfurt - der Heimatbasis der Lufthansa - bildeten sich an den Schaltern lange Schlangen.

Über ihren Köpfen zeigte die grosse Anzeigetafel bei nahezu jedem Lufthansa-Flug den Hinweis "Annulliert". Während an den kleineren Flughäfen wie Hannover kein einziger Lufthansa-Flug mehr rausging, starteten von den Drehkreuzen München und Frankfurt die meisten Flugzeuge mit deutlich gelichteten Sitzreihen, da die Zubringerflüge ausblieben.

Swiss-Ticket

Auch knapp 200 Personen mit einem Swiss-Ticket können nicht wie geplant fliegen. Sie hatten Tickets für Codeshare-Flüge gebucht, die von der Lufthansa durchgeführt worden wären.

Die Passagiere hätten vornehmlich Flüge im Nachbarschaftsverkehr - etwa zwischen der Schweiz und Deutschland oder anderen europäischen Ländern - gebucht, sagte eine Swiss-Sprecherin der Nachrichtenagentur sda. Man habe versucht, sie so gut wie möglich umzubuchen.

Der Streik trifft natürlich auch Kunden mit einem Lufthansa-Ticket, die in die Schweiz oder aus der Schweiz reisen wollen. Zwischen Zürich und Frankfurt beispielsweise fallen sämtliche Lufthansa-Flüge aus, wie auf der Homepage der Fluggesellschaft ersichtlich ist. Auch zwischen Zürich und München sowie Genf und Frankfurt wurden viele Lufthansa-Flug annulliert.

Vollere Swiss-Flüge

Dies spürt die Swiss: Ihre Flüge sind eher besser ausgebucht, wie die Swiss-Sprecherin sagte. Der Grund ist, dass die Lufthansa ihre Kunden auf andere Flüge umbucht.

Andere Passagiere weichen auf die Bahn aus: Bahntickets der Deutschen Bahn oder der SBB für die Verbindung Zürich - Frankfurt wurden bis zu 34 Prozent häufiger verkauft, wie das Reiseportal GoEuro berechnete. Die kurzfristigen Buchungen von Genf nach Frankfurt und München nahmen um 23 Prozent zu. Auch Busfahrten von Zürich nach München oder Frankfurt wurden stärker nachgefragt.

13. Streik

Für die Lufthansa ist es bereits der 13. Pilotenstreik seit April 2014. Das Unternehmen versucht diesen derzeit weiterhin, juristisch zu stoppen. Am Dienstag war die Lufthansa vor den Arbeitsgerichten Frankfurt und Köln mit dem Versuch gescheitert, den Streik per einstweiliger Verfügung verbieten zu lassen.

Nach Auffassung der Richter ist der Ausstand verhältnismässig und verfolgt auch keine streikfremden Ziele. In beiden Verfahren ist Lufthansa in die Berufung gegangen, über die die Gerichte noch am Mittwoch entscheiden wollten.

Die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) forderte die Lufthansa auf, sich nicht hinter juristischen Positionen zu verstecken. "Der Konzernvorstand muss endlich erkennen, dass ein Dienstleistungsunternehmen nicht gegen das eigene Personal geführt werden kann", sagte VC-Sprecher Markus Wahl.

Streit um Billigfluggesellschaft

Offizieller Streikgrund ist die Übergangsversorgung von rund 5400 Piloten. Daneben geht es aber auch um die geplante Billigfluggesellschaft Eurowings.

Vergangene Woche waren die Tarifgespräche zwischen der Lufthansa und den Piloten nach langwierigen Verhandlungen gescheitert. Grund für das Aus war Cockpit zufolge die Tatsache, dass die Lufthansa den Ausbau von Eurowings in Österreich auch während der Gespräche nicht auf Eis legen wollte.

Die Kosten von Eurowings sollen um ein Drittel unter denen der Lufthansa liegen und die Mitarbeiter dementsprechend weniger verdienen. Cockpit wolle Eurowings nicht verhindern, sagte Wahl. "Unser Ziel ist es, Eurowings mit tarifgebundenen Arbeitsplätzen zu besetzen."

Aus Sicht der Lufthansa-Spitze ist der rasche Ausbau von Eurowings überlebenswichtig, um den Vormarsch der Billigkonkurrenten Ryanair und Easyjet zu stoppen.

René Rödiger
Quelle: sda
veröffentlicht: 9. September 2015 13:31
aktualisiert: 9. September 2015 13:31