Woods greift Jack Nicklaus an – aber zuerst Sam Snead

Am US Masters in Augusta hätte man Tiger Woods für Zahnpasta-Werbung einsetzen können
Am US Masters in Augusta hätte man Tiger Woods für Zahnpasta-Werbung einsetzen können © KEYSTONE/EPA/TANNEN MAURY
Seit dem als sensationell empfundenen Triumph am US Masters in Augusta ist Tiger Woods wieder hungrig auf Rekorde. Im Vordergrund stehen zwei Rekorde, die lange Zeit als unantastbar galten.

In Griffnähe sind die 82 Turniersiege auf der US PGA Tour, die der Amerikaner Sam Snead zwischen 1936 und 1965 eingefahren hat. Snead war ein Vertreter des Jahrgangs 1912, dem auch die weiteren Legenden Ben Hogan und Byron Nelson angehörten. Alle drei waren noch im hohen Alter gehuldigte Ehrenstarter an den grössten Turnieren, und alle drei starben um die Jahrtausendwende. Hogan wurde 84, Snead 89 und Nelson 94 Jahre alt.

Sam Snead, der Mann, den man immer nur unter einem breitrandig Strohhut sah, war auf dem amerikanischen Circuit Seriensieger in einer Zeit, als die Konkurrenz in den USA noch weit weniger dicht war und viele Siege in einem relativ kleinen Zirkel an Spitzengolfern ausgespielt wurden. Arnold Palmer und der junge Jack Nicklaus spielten auch noch in dieser Epoche.

In der Neuzeit kommen in jedem Turnier, auch in kleineren, etwa 30 bis 60 Profis für den Sieg in Frage. Phil Mickelson, mittlerweile 48 Jahre alt, siegte in den USA 44 Mal. Mit dieser Leistung ist der berühmte Linkshänder eine Ausnahmeerscheinung, der Zweiterfolgreichste unter den noch auf den grossen Tours aktiven Spielern. Tiger Woods hat jedoch 37 Turniere mehr gewonnen als Mickelson. Mit dem Sieg am US Masters ist er bei 81 angelangt. Ein weiterer Erfolg, und er egalisiert Sam Sneads Marke.

Der historische Moment ist angesichts von Woods’ wiedergewonnener Spielstärke wohl nicht mehr fern. In dieser Woche startet der Superstar an dem mit 9,1 Millionen Dollar dotierten Memorial Tournament in Dublin, Ohio. Gastgeber ist Jack Nicklaus, der daselbst den Platz «Muirfield Village» bauen liess, in Erinnerung an den schottischen Platz Muirfield, auf dem er 1966 zum ersten Mal das British Open gewonnen hatte. Es ist nicht auszuschliessen, dass Woods mit einer starken Leistung am Wochenende seinen 82. Sieg realisieren wird.

Der Rekord, dem noch mehr Prestige zukommt, liegt für Woods ein bisschen weiter weg. Es geht um die 18 Siege von Jack Nicklaus an den Turnieren auf Grand-Slam-Stufe, an den sogenannten Majorturnieren. Nicklaus, der im nächsten Januar 80 Jahre alt werden wird, sammelte seine Skalps von 1962 bis 1986, also in einer Spanne von 25 Saisons. Mit seinem ersten Sieg in Augusta seit 14 Jahren ist Woods in dieser (wichtigsten) Sparte bei 15 Siegen angelangt, noch drei fehlen. Der «Goldene Bär» Nicklaus war bei seinem letzten grossen Erfolg 46 Jahre alt, Woods ist 43-jährig. Das nächste grosse Rendezvous folgt schon in zwei Wochen. Es ist das US Open in Pebble Beach an der kalifornischen Küste südlich von San Francisco.

Am zweiten Majorturnier des Jahres, der US PGA Championship in Bethpage bei New York Mitte Mai, schied Tiger Woods nach zwei Runden um einen Schlag aus. Über die Gründe für das vermeintliche Scheitern sind sich die Fachleute weitgehend einig: Zwischen dem US Masters und der US PGA Championship hätte Woods mehr als nur vier Wochen benötigt, um den Triumph von Augusta und den Hype, den er nach sich zog, zu verarbeiten. Kaum jemand wurde vom unglaublichen Sieg am US Masters mehr überrascht als Woods selbst.

(SDA)


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