HUG

Guetzli werden teurer, weil Mehl fehlt

27. Januar 2022, 13:52 Uhr
Der Guetzli- und Zwiebackhersteller Hug hat 2021 unter den weltweiten Lieferschwierigkeiten gelitten. Sowohl die Rohstoffe als auch das Verpackungsmaterial wurden rar und teuer. Nun hat das Familienunternehmen reagiert und die Preise hochgesetzt.
Das neue Backhaus von Hug in Malters. (Archivaufnahme)
© KEYSTONE/DENNIS RITTER
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Hug habe die angespannte Liefersituation deutlich gespürt, erklärte Co-Geschäftsführer Andreas Hug am Donnerstag vor den Medien. «In der Schweiz waren vor allem die niedrigeren Erntemengen dafür verantwortlich», sagte er. Grund dafür war vor allem der nasse Sommer. «Urdinkel beispielsweise war kaum erhältlich», sagte er.

Einen Mangel gab es zudem beim Zucker und bei den Milchprodukten. Und auch importierte Produkte seien schwer erhältlich gewesen, so etwa Kokosfett, erklärte der Co-Geschäftsführer. Wegen der hohen Volatilität und der ausgereizten Lieferketten hätte es an Schiffen und Containern gemangelt, und das habe zu Lieferproblemen geführt.

Für sein Unternehmen sei es allerdings nicht möglich, einfach von heute auf morgen Alternativen zu finden, erklärte Andreas Hug. «Für unsere Produkte brauchen wir sehr spezifische Materialien – da können wir nicht einfach das Erstbeste nehmen.» Sein Beschaffungs-Team habe sich bemüht, die Versorgung sicherzustellen, das sei allerdings sehr schwierig gewesen.

Verpackung mit Recycling-Anteil fehlt

Doch nicht nur die Zutaten für die Gebäcke von Hug waren Mangelware, auch die Verpackungen fehlten. Vor allem bei der Verpackung mit Recycling-Anteil - sowohl beim Karton als auch beim Kunststoff – gab es Engpässe. «Das führte zur komischen Situation, dass Neuware teils günstiger zu haben war als wiederverwendete Materialien», sagte Andreas Hug.

Alle diese Versorgungsengpässe hätten dazu geführt, dass Hug grössere Vorräte angelegt hat, damit dem Unternehmen nicht plötzlich wichtige Zutaten wie Mehl und Zucker oder auch die wichtigen Guetzliverpackungen ausgehen. Platz habe man dafür genug, erklärte Andreas Hug. Zudem habe man ja weniger Vorräte gehabt an fertigen Guetzli und den dadurch frei gewordenen Platz für die Anhäufung von Rohstoffen nutzen können.

Preiserhöhungen von 2 bis 3 Prozent

Nebst den Rohstoff- und Verpackungspreisen drückten auch höhere Strom- und Gaspreise sowie der internationale Warenverkehr bei Hug auf das Ergebnis. Deshalb hat das Unternehmen beschlossen, die Preise zu erhöhen.

«Diese Verhandlungen waren natürlich kein Sonntagsspaziergang», erklärte die Co-Geschäftsführerin Anna Hug. Die Preiserhöhungen betragen ihr zufolge rund 2 bis 3 Prozent. «Im Vergleich zum Ausland ist das allerdings noch moderat», sagte sie. Man sei noch nicht ganz durch mit allen Verhandlungen.

Ob am Ende aber auch die Konsumenten mehr für einen Zwieback von Hug oder ein Guetzli von Wernli bezahlen müssen, bleibt den Detailhändlern überlassen.

Wachstum nach Corona-Einbruch

Nach einem coronabedingten Einbruch hat Hug vergangenes Jahr seinen Gesamtumsatz um 2,4 Prozent auf 113,5 Millionen Franken gesteigert. Vom Vorkrisenniveau ist das Unternehmen damit allerdings noch deutlich entfernt. Für das aktuelle Jahr erwartet Hug nun aber wieder einen Umsatz von knapp 120 Millionen Franken und damit fast so viel wie im Vorkrisenjahr 2019 (gut 123 Millionen Franken).

Vor allem im Gastronomiebereich, dem sogenannten Food Service, erwartet das Unternehmen nach dem Einbruch in der Coronakrise eine weitere deutliche Erholung. Zudem sieht Hug dort vor allem im Ausland noch viel Potenzial für zusätzliches Wachstum.

Zu den Produkten mit dem grössten Potenzial im Food Service gehören laut der Geschäftsleitung die sogenannten Tartelettes, also kleine Tortenböden. Hier lancierte Hug im vergangenen Herbst eine vegane Linie. Zudem will das Unternehmen ab Ende Jahr die Produktion der Tartelettes «fit machen», wie Anna Hug erklärte. Dafür investiert das Unternehmen insgesamt 7 Millionen Franken.

Quelle: sda
veröffentlicht: 27. Januar 2022 13:30
aktualisiert: 27. Januar 2022 13:52