Fokus

Über Atlantik gerudert: «Wir hatten Schmerzen, haben es aber überlebt»

Fabian Kreienbühl, 15. März 2022, 06:24 Uhr
Mit dem Ruderboot fast 5000 Kilometer über den Atlantik, bei Tag und Nacht, ohne Pause. Es hört sich verrückt an. Genau dies haben aber die beiden Luzernerinnen Sonja Graf und Marina Hunziker gemacht. Von defekten Batterien, über Schmerzen bis zu den Begegnungen mit Delphinen.

Quelle: tele1

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Von der kanarischen Insel «La Gomera» bis nach «Antigua» in die Karibik: Ohne jegliche Erfahrung auf einem Ruderboot haben die beiden Luzernerinnen Marina Hunziker und Sonja Graf vor über zwei Jahren das ambitionierte Ziel in Angriff genommen: Die Teilnahme am wohl härtesten Ruderrennen der Welt, an der «Atlantic Challenge». Dies nicht nur als eigene Challenge, sondern verbunden mit einem guten Zweck. Bis heute sammeln sie nämlich Spenden für die Wohltätigkeitsorganisation Kovive. 10 Tage nach der Rückkehr in die Schweiz blicken wir in der Sendung «Fokus» mit den beiden Frauen zurück auf ihr grosses Rennen.

Intensive Vorbereitung – nicht nur körperlich

Die Vorbereitung für die «Atlantic Challenge» war immens. Nebst körperlichem Training und Rudertechnik, büffelten die beiden Freundinnen im Vorfeld auch Theorie über das Wetter, die Navigation, über das Funken und über medizinisches Grundwissen. Hinzu kamen die intensive Sponsorensuche und Budgetplanung. Mitte Dezember 2021 war es dann schliesslich soweit. Auf dem Boot wechselten sich die beiden Hobby-Ruderinnen alle zwei Stunden ab. Während der Pause erholten sie sich, verpflegten sich, putzen das Boot oder kommunizierten auch mal mit Freunden und Unterstützern.

Keine Warnlichter und kein GPS

Auf dem Atlantik waren die beiden aber auf sich allein gestellt, bei Stürmen, aber auch bei Problemen. «Schon nach wenigen Tagen war die Batterie komplett entladen. Da funktionierte mitten in der Nacht auch die Warnlichtanlage des Bootes nicht mehr oder das GPS-Gerät», so Marina Hunziker. Entsprechend hatten sie eine Zeit lang nur ihre Stirnlampen und ein Kompass, mit welchem sie dann wie zu Entdeckerzeiten vorwärts ruderten.

Es gab aber auch sehr viele schöne Momente, wie Begegnungen mit Schildkröten, mit einem Schwarm von Delphinen oder auch der klare Sternenhimmel. Nach 75 Tagen, 10 Stunden und 6 Minuten kamen Marina Hunziker und Sonja Graf schliesslich in der Karibik an. Masochistinnen seien sie aber trotz den langen Strapazen nicht wirklich, so Marina: «Freude am Schmerz haben wir nicht, aber es gehört halt dazu. Wir hatten Schmerzen, aber wir haben es überlebt.» Und wie hat sie das Rennen nun persönlich geprägt?

Durch Projekt auch Freund kennengelernt

Beide versichern, viel ruhiger geworden zu sein, auch fokussierter und lösungsorientierter. Und Sonja ergänzt: «Ich durfte durch das Projekt auch neue Leute kennenlernen, insbesondere auch meinen Freund. Konkret nach Ausstrahlung des Tele 1-Beitrags zu unseren Vorbereitungen im Februar 2021.» Ihr jetziger Freund habe dazumal den Beitrag gesehen, war angetan von ihr und der crazy Idee und nahm Kontakt auf. Und so führte das eine zum andern.

Und wie veränderte das Projekt die Freundschaft der beiden Frauen? «Wir sind keine Freundinnen mehr – wir sind nun Schwestern!», sagen die beiden treffend. Und als «neue» Schwestern nehmen sie nun auch schon die nächsten Projekte ins Visier. Bereits im Juni folgt ein 100km-Marsch um den Zürichsee.

Vor was Marina Hunziker und Sonja Graf am meisten Respekt hatten und wie sie trotz den Strapazen ihre gute Laune behalten konnten – dies und mehr erzählen sie im Video oben. Weitere Eindrücke gibt’s auch auf ihrem Instagram-Profil Prowjectx.

Quelle: PilatusToday
veröffentlicht: 14. März 2022 17:47
aktualisiert: 15. März 2022 06:24