Fall Beckenried

«Gewalt an Schülern ist unentschuldbar»

Raffaele Keller, Caspar van de Ven, 8. Juli 2020, 09:51 Uhr
Die mutmasslichen Übergriffe an der Schule in Beckenried geben zu reden: Mehrere Eltern und Kinder werfen einer Lehrerin Schläge und Beleidigungen vor. Sollten diese Anschuldigungen stimmen, drohen Rita K.* bis zu drei Jahre Gefängnis.
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Quelle: Tele 1

In der Schule Beckenried soll es zu Übergriffen gekommen sein. Ohrfeigen, Schläge auf die Hände mit einem Lineal oder Beleidigungen. Die Übergriffe sollen aber nicht von den Schülerinnen und Schülern stammen, sondern von einer Lehrerin – Rita K., seit 15 Jahren an der Schule als Lehrerin tätig.

PilatusToday und Tele 1 sind von mehreren Eltern über die Übergriffe informiert worden. Nach der Veröffentlichung des Berichts gingen die Kommentare in den sozialen Medien weit auseinander. Von «...Ja und, früher war das Standard... sollte man wieder mehr machen», bis hin zu «...da fehlen mir die Worte. Arme Kinder. Hoffe die Zukunft bringt ihnen bessere Zeiten».

Online-Kommentare sind nicht das echte Leben

Für Alex Messerli, den Präsidenten des Luzerner Lehrerinnen- und Lehrerverbands, sind Online-Kommentare eine Sache für sich. «Im Internet sagt man schnell mal was. Sei es positiv oder negativ». Für ihn ist klar: Stimmen solche Anschuldigungen gegen eine Lehrperson, gebe es keinen Spielraum für Spekulationen. Ein solches Verhalten wäre absolut inakzeptabel – vor allem für eine Lehrperson. Dennoch möchte Alex Messerli festhalten: Solange es keine Fakten zu einem Fall gibt, gilt für eine betroffene Lehrperson die Unschuldsvermutung.

Null-Toleranz bei Gewalt

Sollte eine Lehrperson aber tatsächlich Kinder geschlagen haben, sie gezwungen haben, während mehreren Lektionen zu knien oder sie vor versammelter Klasse als «dumm» bezeichnet haben, dann sei dies nicht entschuldbar. «Wir haben schweizweit einen Verhaltens-Codex für Lehrpersonen. Dieser ist auch dafür da, die Würde der Schülerinnen und Schüler zu schützen», so Alex Messerli. Abgesehen davon, dass körperliche Strafen gesetzlich verboten seien, hätten Lehrpersonen eine besondere Sorgfaltspflicht, bei der alle Massstäbe viel höher seien.

Lückenlose Aufklärung gefordert

Ein solcher Fall, wie er gegenwärtig an der Schule in Beckenried passiert, müsse bis ins Detail aufgeklärt werden, so Messerli. Es sei eine sehr schwierige Situation für sämtliche betroffene Personen. Der Lehrerinnen- und Lehrerverband Nidwalden wollte sich auf Anfrage von PilatusToday und Tele 1 gegenwärtig nicht zum vorliegenden Fall äussern.

Laut Rolf Amstad, Präsident der Schulkommission und Gemeinderat, zeigt sich die betroffene Lehrperson schockiert über die Vorwürfe. Sie sei auch persönlich bestrebt, die Anschuldigungen so schnell wie möglich zu klären. Dies sei aber nicht nur für die Lehrerin von Bedeutung, sondern für die Schulleitung und gesamte Schule Beckenried, so Amstad. Rita K. war für PilatusToday und Tele 1 für eine persönliche Stellungnahme nicht erreichbar.

Das beschriebene Verhalten von Rita K. hat durchaus auch strafrechtliche Relevanz. Laut dem zuständigen Gemeinderat und Schulkommissionspräsident Rolf Amstad, ist ein internes Verfahren eingeleitet worden. Dieses soll aufzeigen, ob die Anschuldigungen gegen die Lehrerin zutreffen. Je nachdem werde dann entschieden, ob der Fall an die Staatsanwaltschaft übergeben werden soll.

*Name verändert und der Redaktion bekannt

Quelle: PilatusToday
veröffentlicht: 7. Juli 2020 22:52
aktualisiert: 8. Juli 2020 09:51
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