Nord Stream 2 dementiert Konkurs

Zuger Behörden sprechen von einem «Missverständnis»

3. März 2022, 09:37 Uhr
Man habe die Behörden lediglich über die Entlassung der Mitarbeiter informiert, sagt die Betreibergesellschaft der Pipeline Nord Stream 2. Tags zuvor hatten Zuger Behörden noch von einem Konkurs gesprochen.
Nord Stream 2 Gaspipeline Hauptsitz in Zug
© KEYSTONE/Philipp Schmidli

 Verwirrung um die in Zug ansässige Betreibergesellschaft der russischen Ostsee-Gaspipeline Nord Stream 2: Einen Tag, nachdem die Zuger Volkswirtschaftsdirektion einen Konkurs des Unternehmens verkündet hatte, dementierte Nord Stream 2 am Mittwoch, ein entsprechendes Verfahren eröffnet zu haben.  

Auf erneute Anfrage der Luzerner Zeitung schrieb die Pressestelle auf Englisch, dass sie «Berichte, wonach Nord Stream 2 Konkurs angemeldet habe, nicht bestätigt». Das Unternehmen habe die lokalen Behörden lediglich über die Entlassung der Mitarbeitenden infolge der US-Sanktionen informiert. Am Tag zuvor war Nord Stream 2 trotz wiederholter Versuche nicht zu erreichen gewesen. Ein Firmenbesuch endete im Treppenhaus; eine Empfangsdame teilte freundlich mit, dass sie weder Auskunft erteilen noch jemanden reinlassen dürfe.

Gesellschaft gilt als «de facto insolvent»

Bereits am Montag war bekannt geworden, dass die Firma am Standort Zug sämtliche Mitarbeitende entlassen hat. Betroffen sind insgesamt 106 Angestellte. Zuvor war fälschlicherweise von 140 Personen die Rede gewesen.

Auf die Verwirrung angesprochen, sagt Bernhard Neidhart, Leiter des Amtes für Wirtschaft und Arbeit des Kantons Zug, der bei den Gesprächen mit Nord-Stream-2-Vertretern am Dienstag dabei war, dass es sich bei der Konkurs-Meldung um ein «Missverständnis» gehandelt habe. «Zur Stunde ist noch keine Konkursanmeldung beim Konkursamt eingegangen.»

Wie aus dem Umfeld von Nord Stream 2 zu erfahren ist, gilt das Unternehmen als «de facto insolvent», da es infolge der US-Sanktionen keine Finanztransaktionen mehr durchführen kann. Am Tag zuvor hatte die Zuger Volkswirtschaftsdirektorin Silvia Thalmann-Gut (Mitte) bereits von «massiven Liquiditätsschwierigkeiten» der Gesellschaft gesprochen, die sich vollständig in Besitz des russischen Gazprom-Konzerns befindet.

Quelle: Luzerner Zeitung
veröffentlicht: 3. März 2022 09:37
aktualisiert: 3. März 2022 09:37
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