Zölibat-Petition läuft mässig

Florentina Camartin vor der Kirche in Brigels
Florentina Camartin vor der Kirche in Brigels © FM1Today/Dario Cantieni
Florentina Camartin aus Brigels hat eine Petition zur Aufhebung des Pflicht-Zölibats lanciert. Nun, knapp zwei Wochen vor Ablauf der Frist, ist die Bilanz durchzogen. Für Camartin kein Beweis, dass es diese Petition nicht braucht.

Sie hatte einen steilen Start hingelegt. Als Florentina Camartin aus Brigels im Herbst letzten Jahres zur ihrer Petition aufrief, kamen in den ersten Tagen zahlreiche Unterschriften zusammen. Damals hatte das Dorf seinen beliebten Pfarrer verloren, weil dieser sich in eine Frau verliebt hatte. (FM1Today berichtete). Doch inzwischen ist das Interesse an der Petition abgeflaut. Gut 4’600 Unterschriften sind bis anhin zusammengekommen. Zwar eine beträchtliche Anzahl. Doch, wenn man bedenkt, dass bereits in den ersten paar Tagen 2’000 Unterschriften eingegangen sind, sind es weniger als erwartet.

«Viele sagen: Es nützt doch nichts!»

Es liegen zwar noch ein paar Unterschriften-Bögen auf dem Tisch von Camartins Büro, doch auch wenn sie diese noch online einträgt, dürften am Ende nicht viel mehr als 5’000 Unterschriften zusammengekommen sein. «Die Leute sagen sich: Es nützt doch nichts, etwas zu tun. Und dann distanzieren sie sich von der Kirche.» Das zeige ihr, dass die Petition umso dringender sei. Wenn sich nämlich niemand mehr darum kümmere, was in der Kirche passiere, könne diese ja den Eindruck kriegen, es sei richtig, was sie tue. Das Problem sei, dass «die, die denken», der Kirche davonlaufen. Das geschehe dann, wenn «das Fussvolk» nicht ernst genommen werde.

Enttäuscht von Priestern

Trotz den mässig vielen Unterschriften will Florentina Camartin die Unterschriften-Bögen dem Papst übergeben. Damit dieser merke, es tue sich etwas in der Gesellschaft. Enttäuscht ist sie von einigen pensionierten Priestern, die ihr zwar mündlich zugestimmt hätten, «aber unterschrieben haben sie nicht.» Das sei schade, da jeder aktive Priester ja immer noch von sich aus das Zölibat leben könne. Aber wenn man das jemandem aufzwinge, dann könne das ungesunde Formen annehmen. «Das Zölibat kann junge Priester frustrieren, sie vereinsamen und sie unter Umständen auch in eine Sucht treiben. Verstecktes Trinken – oder was weiss ich. So heilig sind sie dann doch nicht.»

Ob die Unterschriften-Sammlung von Florentina Camartin etwas bewegen kann, muss sich zeigen. Wer in den kommenden knapp zwei Wochen noch unterschreiben will, findet die Petition hier.

In der FM1-Sendung Gott und d’Welt geht es diesen Sonntagmorgen um die Petition von Florentina Camartin, aber auch grundsätzlich um die Frage des Zölibats.
Die ganze Sendung gibt es hier.

 

 

 


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