Corona-Lockerungen

Das passiert jetzt mit den Zürcher Impf- und Testzentren

Oliver Schneider, 17. Februar 2022, 18:36 Uhr
Der Bundesrat hat den Ausstieg aus den Corona-Massnahmen verkündet. Was bedeutet das für Impfzentren, die Zürcher Kantons- und Stadtverwaltung? Wir haben nachgefragt.
Der grosse Andrang in den Zürcher Impfzentren ist vorbei, es gibt aber noch eine Nachfrage.
© KEYSTONE/ENNIO LEANZA

Der Bundesrat hat die meisten Massnahmen gegen das Coronavirus aufgehoben. Die Zertifikatspflicht ist gefallen, ebenso an vielen Orten die Maskenpflicht.

Damit hat die Schweizer Regierung den Takt für den Ausstieg aus dem Pandemie-Ausnahmezustand vorgegeben. Was wird nun aus all den Massnahmen, die Zürich in den vergangenen zwei Jahren aufgebaut hat, etwa Contact-Tracing, Impf- und Testzentren?

Für Joel Meier, Chef des Impfzentrums in Uster sowie der Pop-up-Impfzentren in Horgen, Wetzikon, Dietikon und im Glattzentrum, heisst die Devise nun: «Zurückbauen, beobachten, parat sein.» Aktuell seien von Uster noch alle fünf Impf-Standorte in Betrieb, wie Meier ZüriToday auf Anfrage sagt. Die vier Pop-Up-Standorte werden Ende Februar bzw. Mitte März eingestellt. In den verbleibenden Impfzentren stelle man sich auf einen reduzierten Betrieb ein.

Die Nachfrage nach Impfungen sei aber nach wie vor da, wie Meier betont. Und sie könnte auch wieder steigen. Etwa wenn die Zürcherinnen und Zürcher in die Ferien fahren und dafür ein Zertifikat benötigen. Es sei deshalb wichtig, ein Grundangebot aufrecht zu erhalten. Auch für den Fall, dass die Corona-Zahlen wieder stiegen.

Kanton will flexibel reagieren

«Der Kanton Zürich verfügt beim Impfen, beim Testen und beim Contact Tracing über eine flexible Infrastruktur», heisst es bei der Gesundheitsdirektion auf Anfrage. Dank dieser könne sie rasch auf veränderte Umstände reagieren, wie etwa auf einen Bundesratsentscheid.

Zur Flexibilität der Infrastruktur gehöre auch, dass das Impfen, Testen und das Contact Tracing durch die Zusammenarbeit mit externen Partnern sichergestellt wurde. Diese hätten das benötigte Personal zu einem Teil über befristete Arbeitsverträge rekrutiert, um auf den schwankenden Bedarf nach Arbeitskräften zu reagieren.

Die flexible Infrastruktur habe bereits in den letzten Wochen erlaubt, das Angebot in den Impfzentren an die verminderte Nachfrage anzupassen. Im Contact Tracing, wo die Schwankungen besonders gross und abhängig von der pandemischen Entwicklung sind, habe die Gesundheitsdirektion zudem mit der Sicherheitsdirektion kooperiert. «Wo dies angezeigt ist, wird bestehendes Personal weiterbeschäftigt, um Know-how für allfällige weitere Wellen in der Organisation zu halten», so die Gesundheitsdirektion weiter.

Stadt sammelt Material und Wissen

Die Stadt Zürich will die Lockerungen des Bundesrats bis Ende März realisieren, wie Vera Schädler, Sprecherin des Gesundheits- und Umweltdepartements, sagt. Wie der Abbau im Detail abläuft, liege in der Verantwortung der Chefinnen und Chefs der einzelnen Dienstabteilungen. Corona habe praktisch alle Stellen der Stadt in der einen oder anderen Weise betroffen. Deshalb sei es sinnvoll, die Lockerungen abteilungsweise durchzuführen.

Wie viele Personen sich in der Stadtverwaltung in den vergangenen zwei Jahren mit der Umsetzung der Massnahmen gegen Covid-19 beschäftigten, sei schwer zu beziffern, so Schädler. Neben dem «Fachstab Corona» hätten viele Angestellte Aufgaben in diesem Zusammenhang übernommen; von der IT bis zur Polizei.

Quelle: TeleZüri

Ein wichtiges Thema in der Stadt Zürich ist aktuell die Vorbereitung auf die Zukunft. Zum einen laufe ein Projekt, mit dem die Erfahrungen aus den vergangenen Monate festgehalten werden sollen. Zum anderen werden die zur Verhinderung von Infektionen angeschafften Gegenstände – etwa Trennwände – eingelagert, um sie je nach Situation wieder einsetzen zu können. «Wir schauen, was der Herbst bringt», so Schädler.

1001 Impfhelferinnen und Impfhelfer stehen bereit

Bereitschaft für das, was die Pandemie in Zukunft noch auf Lager hat, ist auch für Joel Meier zentral. Das Impfzentrum Uster bleibt trotz reduziertem Betrieb stehen, nicht mehr benötigtes Material wird eingelagert. Persönlich hoffe er zwar, dass wir das Gröbste hinter uns haben. «In der Vergangenheit wurden wir aber schon mehrere Male auf dem falschen Fuss erwischt», sagt Meier.

Sollte sich Corona im Herbst mit steigenden Fallzahlen zurückmelden, steht dem Impfzentrum Uster ein Pool von 1001 Mitarbeitenden bereit, um den Betrieb schnell wieder hochfahren zu können. Aktuell seien dort täglich noch 25 Personen im Einsatz. Was mit den Mitarbeitern passiere, deren Hilfe es nun nicht mehr brauche, sei aktuell ein grosses Thema. «Es ist für alle eine unsichere Situation.»

Auch bei der Zürcher Stadtverwaltung wird der Abbau der Corona-Massnahmen unterschiedlich beurteilt, sagt Vera Schädler. «Man freut sich über die wiedergewonnene Normalität, es ist aber auch Zurückhaltung da.»

Die Antworten zeigen: Der Abbau der Corona-Massnahmen ist nicht nur einfach der Vollzug der Entscheidung des Bundesrats. Er ist eine Herausforderung für sich und beinhaltet ein grosses Mass an Unsicherheit, wie die Pandemie weitergeht. «Wir sind immer noch drin», fasst Joel Meier zusammen.

Quelle: ZüriToday
veröffentlicht: 17. Februar 2022 18:28
aktualisiert: 17. Februar 2022 18:36
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