Wie schädlich sind sie?

Verbietet der Kanton Zürich Jugendlichen bald E-Zigaretten?

Lothar Lechner Bazzanella, 19. April 2022, 15:54 Uhr
Am Montag diskutiert der Kantonsrat darüber, strengere Gesetze für E-Zigaretten zu schaffen. Vor allem Jugendlichen soll der Kauf der Dampfer erschwert werden. Doch wie schädlich sind E-Zigaretten eigentlich?

Gleich mehrere Kantonsräte der EVP fordern die Zürcher Regierung dazu auf, E-Zigaretten so schnell wie möglich normalen Zigaretten gleichzustellen. Heisst: Kein Verkauf an Jugendliche und keine Werbung an Orten, wo sich vermehrt Kinder aufhalten. Das Argument der Antragsteller: E-Zigaretten haben zwar wenig, aber doch meistens Nikotin in sich. Dies könnte Jugendliche früh abhängig machen und so auch den Griff zur normalen Zigarette fördern.

Tabak wird erhitzt, nicht verbrannt

Derzeit gibt es bundesweit kein Gesetz, dass den Verkauf regelt. Ein solches soll frühestens in mehreren Monaten in Angriff genommen werden. Bis dahin sind die Kantone gefragt. Der Haken an der Sache: E-Zigaretten fallen nicht in die Kategorie der Produkte, mit denen Tabak geraucht wird. Somit gelten andere Gesetze als bei herkömmlichen Zigaretten. Einzig das Wallis hat 2018 reagiert und das Mindestalter für den Verkauf von Tabakprodukten – inklusive E-Zigaretten – auf 18 Jahre erhöht. Diesem Beispiel soll Zürich nun folgen, fordern die Antragsteller. Doch wie schädlich sind E-Zigaretten eigentlich?

Anders als bei herkömmlichen Zigaretten wird bei den elektronischen Dampfern kein Tabak verbrannt. Die hunderten giftigen und krebserregenden Stoffe, die sonst freigesetzt würden, gibt es beim Dampf der E-Zigarette nach heutigem Wissenstand nicht. Damit ist das elektrische Rauchen bei weitem nicht so ungesund, da der Tabak mittels Dampfs lediglich auf 30 Grad erhitzt wird, wie unter anderem eine Studie von Public Health England des britischen Gesundheitsministeriums belegt hat. Wenn das Rauchen schon nicht aufgegeben werden kann, dann sind E-Zigaretten sicherlich die weniger schädliche Alternative.

Dennoch muss man bedenken, dass es zu den neuen Dampfern schlichtweg noch extrem wenige Daten aus Studien gibt, da die Produkte erst seit wenigen Jahren auf dem Markt sind. Vor allem die genauen Stoffe des Liquids, mit welchem viele E-Zigaretten arbeiten, muss man genau unter die Lupe nehmen. Beim Rauchen dieses Liquids entsteht Aerosol. Zwar deutlich weniger schädlich als Tabak, aber keineswegs schadstofffrei. Darin enthalten sein könnten entzündungsfördernde und reizende Substanzen, welche Haut- und Schleimhäute schädigen, Atemwege angreifen und sogar Krebs fördern.

Im Gegensatz zu normalen Zigaretten gibt es bei elektronischen Modellen noch keine Langzeitstudien.

© KEYSTONE/GAETAN BALLY

Ausserdem ist nach wie vor Nikotin Teil des Rauchgenusses. Ein Stoff, der bekanntermassen abhängig macht und so auch das normale Rauchen fördern könnte. Beim Dampfen gelangt das Nikotin dabei nahezu genauso schnell ins menschliche Gehirn wie beim normalen Rauch, wie es in der Studie des britischen Gesundheitsministeriums weiter heisst. Das Suchtpotenzial ist demnach gleich hoch. Einzig nikotinfreie Liquids könnten diese Gefahr einigermassen bannen.

Vermutlich kein kantonales Gesetz

Bisher haben sich viele Anbieter von E-Zigaretten freiwillig entschlossen, sich an einen gewissen Codex zu halten und dadurch weder an Jugendliche zu verkaufen noch an Orten, wo sich diese vermehrt aufhalten, Werbung zu schalten. Jedoch handelt es sich dabei um eine rein freiwillige Selbstbeschränkung, die auch nicht alle Produzenten unterzeichnet haben. Nichtdestotrotz sieht es so aus, als ob der Kanton noch nicht voreilig handeln will. So empfiehlt der Regierungsrat dem Kantonsrat viel eher die bundesrechtliche Regelung abzuwarten, anstatt nun Gesetze zu schaffen, welche bald vom Bund wieder über den Haufen geworfen werden könnten.

Quelle: ZüriToday
veröffentlicht: 19. April 2022 19:09
aktualisiert: 19. April 2022 19:09
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