Polizistin überfahren

Bezirksgericht Winterhur verurteilt 22-Jährigen zu 16 Jahren und drei Monaten

8. März 2022, 20:24 Uhr
Im Oktober 2019 überfuhr der damals 20-Jährige in Winterthur eine Polizistin und verletzte diese lebensgefährlich. Das Auto hatte er zuvor geklaut. Bereits im Februar startete der Prozess. Am heutigen Dienstag wurde er zu einer Freiheitsstrafe von 16 Jahren und drei Monaten verurteilt.

Quelle: TeleZüri

Am Dienstag, 8. März fiel im Bezirksgericht Winterthur das Urteil im Fall des 22-Jährigen, der 2019 in Winterthur eine Polizistin überfahren hatte. Er wurde nun zu einer Freiheitsstrafe von 16 Jahren und drei Monaten verurteilt. Die Freiheitsstrafe werde aufgrund stationären, therapeutischen Massnahmen aufgeschoben, wie Bezirksrichterin Schneeberger verkündete.

Die Staatsanwältin forderte zu Prozessbeginn im Februar die kleine Verwahrung. Es sei ihm einzig darum gegangen, sich nicht der Polizei stellen zu müssen, sagte sie im Februar. «Das war ein krass egoistisches Tatmotiv.» Nur durch Zufall habe die Kantonspolizistin überlebt. Wegen versuchten Mordes sollte der Schweizer gemäss Anklage zu einer unbedingten Freiheitsstrafe von zwölf Jahren verurteilt werden.

Für seine Verteidigerin Sonja Pflaum war es kein versuchter Mord, sondern fahrlässige Körperverletzung. Aus diesem Grund hatte sie eine Freiheitsstrafe von vier Jahren gefordert. Die Strafe hätte zugunsten einer Massnahme für junge Erwachsene aufgehoben werden sollen. Er hätte dazu in einem Massnahmenzentrum untergebracht werden sollen, wo er seine abgebrochene Lehre hätte abschliessen können.

Mit geklautem BMW unterwegs

Der damals 20-Jährige entwendete am 13. Oktober 2019 in Neftenbach bei Winterthur einen BMW 750 aus einer Garage. Mit bis zu 260 km/h raste er dann bis fast nach Chur, wendete und kehrte nach Winterthur zurück.

Dort erwartete ihn bereits die Polizei mit einer Strassensperre. Als er merkte, dass mehrere Polizistinnen und Polizisten ihre Waffen auf ihn richteten, lenkte er den Wagen aufs Trottoir, beschleunigte auf 40 oder 50 km/h und fuhr mit voller Wucht in die Polizistin.

Zweite Polizistin konnte sich retten

Die damals 39-Jährige wurde mehrere Meter durch die Luft geschleudert, prallte auf dem Asphalt auf und wurde lebensgefährlich verletzt. Unter anderem erlitt sie einen Lungenkollaps und eine Verletzung der Halsschlagader mit Embolien. Eine zweite Polizistin konnte sich mit einem Sprung in die Wiese im letzten Moment retten.

Der Beschuldigte beteuerte damals in einer Erklärung, dass er niemand habe überfahren wollen. «Ich würde gerne alles rückgängig machen und wünsche mir, dass es ihr wieder gutgeht.» Er wisse jetzt, dass er psychisch krank sei. Die verletzte Polizistin arbeitet wieder bei der Polizei, allerdings nur im Innendienst.

Quelle: ZüriToday
veröffentlicht: 8. März 2022 10:10
aktualisiert: 8. März 2022 20:24
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