30 Piercings und eine aufgeschlitzte Zunge

Von Fabienne Engbers
Sandy Caracciolo hat ein Tätowierstudio. Sie liebt ihren Körperschmuck.
Sandy Caracciolo hat ein Tätowierstudio. Sie liebt ihren Körperschmuck. © zvg/Patrick Odermatt
Das erste Piercing mit zwölf, das erste Tattoo mit 15. Sie bereut es nicht. Sandy Caracciolo spricht in unserer Schönheitswoche über ihre unzähligen Piercings und Tattoos. 

«So, wie ich aussehe, das ist für mich persönlich Schönheit», sagt die Zürcherin Sandy Caracciolo. Sie hat etwa 30 Piercings, ungezählte Tattoos und mehrere sogenannte Bodmods, das sind Implantate unter und auf der Haut. Wie viele Piercings und Tattoos sie habe, wisse sie nicht genau. Schönheit strahle man vor allem aus, wenn man zufrieden mit sich sei. So, wie Sandy Caracciolo ihren Körper verändert hat, gefällt er ihr.

Die Reaktionen fallen unterschiedlich aus

Wenn die Tattoo-Studio-Besitzerin mit Bus oder Zug unterwegs ist, wird sie angestarrt und Leute machen heimlich Fotos von ihr. Deshalb ist sie nicht mehr gerne im öV unterwegs. «Ich fühle mich dadurch nicht extrem unwohl, aber es nervt einfach.» Oft reagieren Leute auch verständnislos auf Sandy Caracciolos Körperschmuck. «Am Zürcher Hauptbahnhof rannte mir einmal eine Frau hinterher und schrie, man solle die Hexe verbrennen.»

Es gebe auch immer wieder schöne Erlebnisse. «Manche Leute auf der Strasse kommen zu mir und wollen gerne meine Geschichte hören, statt mich von Anfang an zu verurteilen.» Eine sehr schöne Geschichte erlebte sie mit einer älteren Dame. «Ich trug ein Tanktop, da kam die Frau zu mir und meinte, ich hätte aber einen schönen Pullover an. Als ich ihr sagte, dass das meine Haut sei, starrte sie mich zuerst ungläubig an und sagte dann, das sei ja super, so würde ich immer etwas Wunderschönes tragen.»

Sandy Caracciolo findet nicht, dass alle Menschen so aussehen müssen, wie sie selbst. «Ich habe auch untätowierte Freunde und finde, sie sind genauso schön wie meine Freunde mit Tattoos.» Sie würde auch nie jemanden verurteilen, nur weil er nicht tätowiert oder gepierct ist.

«Ich wurde ohnmächtig vor Schmerzen»

Wer so aussehen will wie Sandy Caracciolo, muss ganz schön einstecken können. Die Schmerzen bei Tattoos und «normalen» Piercings stören sie schon lange nicht mehr. «Das gehört halt dazu.» Am schmerzhaftesten war für sie ihre Zungenspaltung. «Ich musste meine Zunge immer wieder auseinander reissen, weil sie nach der Spaltung wieder zusammenklebte. Manchmal wurde ich dabei ohnmächtig vor Schmerzen.»

Der Schmerz hat laut Sandy Caracciolo aber auch positive Seiten. «So überlegen sich die Leute genau, ob sie etwas wirklich durchziehen wollen.»

Was hältst du von Tattoos und Piercings?

«Eigentlich bin ich ein Bünzli»

Wer jetzt erwartet, dass Sandy Caracciolo am Wochenende irgendwelche teuflischen Rituale ausübt oder in der Nacht in einem Sarg schläft, der täuscht sich. «Eigentlich bin ich ein richtiger Bünzli. Ich koche und backe gerne und bin gerne in meinem Garten. Zu meinen Hobbys gehört auch Stricken und Häkeln», sagt die Tätowierte und lacht.

(enf)


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