Als Bill Clinton ans WEF kam

Ausschreitungen, Pizza und ein verletzter St.Galler Polizist - so die Bilanz von Bill Clintons WEF-Besuch.
Ausschreitungen, Pizza und ein verletzter St.Galler Polizist - so die Bilanz von Bill Clintons WEF-Besuch. © Tagblatt
Die Aufregung ist gross: Donald Trump kommt ans WEF. Er ist nach Bill Clinton im Jahr 2000 erst der zweite US-Präsident, der während seiner Amtszeit Davos besucht. Wie war es damals? Das «Tagblatt» hat in seinem Archiv gegraben.

St.Galler Tagblatt/Tim Naef

18 Jahre ist es her, als mit Bill Clinton erstmals ein US-Präsident am Weltwirtschaftsforum in Davos teilnahm. Auch damals war die Aufregung gross: Wie es sich für den mächtigsten Mann der Welt gehört, reist er mit Helikopter an. Im Gegensatz zu den Schaulustigen wirkt Clinton ruhig. Lächelnd winkt er den Fotografen zu, bevor er in seinen gepanzerten Chevrolet steigt. Die ganze Szenerie umringen Polizisten aus der ganzen Schweiz, immer mit ihren Maschinenpistolen im Anschlag. Doch die Aufregung ist schnell wieder vorbei. Erst als Clinton am Nachmittag vor dem Hotel Belvédère vorfährt, kommt wieder Hektik auf. Doch nicht bei ihm selbst. Er trinkt einen Schluck Cola und verschwindet im Hotel. Ihm folgen Palästinenserführer Yassir Arafat und die Bundesräte Adolf Ogi, Kaspar Villiger, Joseph Deiss und Pascal Couchepin.

Ein verletzter St.Galler Polizist

Während sich die Mächtigen der Welt im Luxushotel unterhalten, formieren sich rund 1300 Globalisierungsgegner aus der Schweiz, Italien und Frankreich zu einer unbewilligten Demonstration. Es kommt zu Ausschreitungen. Mehrere Autos werden beschädigt. Beim McDonald’s zertrümmern sie die Fenster. Die Sicherheitskräfte geben Warnschüsse ab und setzen Tränengas ein. Zwei Polizisten, einer davon aus dem St.Galler Polizeikorps, werden verletzt. Weiter schreitet die Polizei nicht mehr ein – um eine grössere Eskalation zu verhindern. Es funktioniert: Um 17 Uhr löst sich die Demonstration auf.

Pizza auf der Raststätte

Nur eine Stunde später ist der Besuch Clintons auch schon wieder vorüber – zumindest für Davos. Wegen des Schneesturms können seine Helikopter nicht starten. Er muss mit dem Auto nach Zürich fahren. Und auf der Rückfahrt kommt nochmals Hektik auf. Doch dieses Mal bei seinen Sicherheitsleuten. Spontan entscheidet sich Bill Clinton, einen Stop an der Raststätte Glarnerland einzulegen. Über hundert Sicherheitsleute versuchen das Terrain so gut als möglich zu sichern. Clinton steigt aus seiner Limousine aus, setzt sich an die Kaffeebar, bestellt ein Stück Pizza mit Schinken, Salami und Sardellen und trinkt dazu einen Kaffee. Danach kauft er drei Swatchuhren und schüttelt noch ein paar Hände, bevor er in sein gepanzertes Auto steigt und nach Zürich fährt.

Dieser Artikel erschien am 10. Januar zuerst auf tagblatt.ch.


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