Auch Scheitern kann man lernen

Moderator und Organisator Claudius Krucker.
Moderator und Organisator Claudius Krucker. © Forward/Elke Hegemann
Bei der «FuckUp Night» erzählen Unternehmer offen von ihren grössten Misserfolgen. Ziel ist es, diese Fehler bei der eigenen Firma nicht zu wiederholen. 

Am 20. Juni referieren gescheiterte Unternehmer im Lattich in St.Gallen. Dort erzählen sie von ihren grössten Misserfolgen. Wir haben den Organisator Claudius Krucker vom CreativeSpace St.Gallen getroffen und ihm einige Fragen dazu gestellt.

Herr Krucker, was ist die «FuckUp Night»?
Referenten und Zuschauer analysieren gemeinsam Misserfolge und ziehen daraus Lehren. Es geht nicht darum, dass man sich Misserfolg wünscht, aber wenn man etwas wagt, gewinnt man nicht immer. Dann ist es wichtig, dass man dieses Scheitern reflektiert.

Also eine Feier des Misserfolgs?
Es geht nicht darum, Misserfolg schön zu reden. Es geht darum, dass man darüber reden kann. Erfolgsstories sind oft stereotyp.

Über gescheiterte Ideen spricht man nicht gerne.
Wir wollen die Leute nicht an den Pranger stellen. Es ist eine positive Atmosphäre. Man soll Fehler machen dürfen. Einfach nicht immer die Gleichen. Wer nie scheitern will, darf auch nie etwas wagen. Und so kommt man nie vom Fleck.

Gibt es da genug Referenten, die darüber sprechen wollen?
Bei der ersten «FuckUp Night» war es relativ einfach, die Leute zu finden. Die waren alle aus meinem Umfeld. Wenn man aber Kaltakquise machen muss, wird man nicht überrennt. Nicht zuletzt der Name «FuckUp Night» macht es nicht einfach. Ich hätte die Veranstaltung anders getauft.

Und wieso ändern Sie den Namen nicht einfach?
Das Konzept ist 2012 in Mexiko entstanden und findet mittlerweile in über 240 Städten in 73 Ländern statt. Es gibt da vorgegebene Elemente, die man bringen muss. Und dann muss man die Veranstaltung auch so nennen.

Was sind das für Referenten, die da kommen?
Einer unserer ehemaligen Referenten war mit knapp 20 Jahren als Konzertveranstalter tätig. Irgendwann stand er mit 60’000 Franken Schulden da. Mittlerweile hat er wieder ein erfolgreiches Geschäft im Musikbusiness.

Hängt das Scheitern häufig mit zu wenig Geld zusammen?
Bei vielen Startups liegt das Problem irgendwo im Team. Irgendwann funktioniert es nicht mehr. Oder man plant nicht weit genug. Es gab mal einen Bierlieferdienst. Dort hat niemand daran gedacht, dass im nächsten Semester alle im Austausch sind. Damit war das Business gestorben. Aber Geld spielt schon eine Rolle. Es gibt auch zu viel Geld: Dann besteht die Gefahr, dass man das Business nicht ernst genug nimmt. Man macht keine saubere Finanzplanung und schaut sich den Markt nicht genügend an.

Die «FuckUp Night» St.Gallen findet am Dienstag, 20. Juni, 20 Uhr im Lattich (Güterbahnhofstrasse 8) statt. Eintritt: 10 Franken, kostenlos für Schüler und Studenten.

(Das Interview führte Beni Hofstetter)


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