Basler Forscher enträtseln Inka-Mumie

CT-Scans der Brust- und Bauchregion des Knaben: Die Bilder C und D zeigen auf der linken Seite die durchschnittenen Rippenknorpel und im Bild D unten die weit aufklaffende Bauchwunde. Die Bilder E und F zeigen (weisse Pfeile) die vor der Bauchwunde liegende zerstückelte Leber.
CT-Scans der Brust- und Bauchregion des Knaben: Die Bilder C und D zeigen auf der linken Seite die durchschnittenen Rippenknorpel und im Bild D unten die weit aufklaffende Bauchwunde. Die Bilder E und F zeigen (weisse Pfeile) die vor der Bauchwunde liegende zerstückelte Leber. © Zesch et al. 2017, PLOSE ONE
Eine als «Hockermumie» apostrophierte Inka-Mumie des Basler Museums der Kulturen enthält nicht wie bisher vermutet einen Krieger, sondern einen Knaben. Dieser dürfte als Menschenopfer getötet worden sein, wie eine computertomographische Untersuchung jetzt ergeben hat.

Anlässlich der laufenden Sonderausstellung «Mumien – Rätsel der Zeit» im Naturhistorischen Museum Basel hatte ein Forschungsteam um den Anthropologen Gerhard Hotz die «Hockermumie» untersucht. Die Ergebnisse wurden nun in der online-Fachzeitschrift «PLOS ONE» publiziert, wie das Museum am Donnerstag mitteilte.

Das Museum der Kulturen hatte die aus dem 15 bis 17. Jahrhundert stammende Mumie unbekannter Herkunft 1921 in München gekauft. Die 2016 im Vorfeld der Ausstellung erstellten CT-Röntgenbilder haben eine Analyse der Person im bis heute ungeöffneten Bündel ermöglicht, samt Schätzungen zu Alter und Gesundheitszustand.

Der vermeintliche Krieger entpuppte sich dabei als sieben- bis neunjähriger Knabe, der an verschiedenen Krankheiten litt, darunter an einem erblichen Nerventumor (Morbus Recklinghausen), einer Lungenentzündung und einer Parasiteninfektion (Chagas). Der Knabe sei von seinen diversen Krankheiten gezeichnet gewesen, hiess es.

Für seinen Tod dürfte aber nicht eine Krankheit, sondern gewaltsame Einwirkung verantwortlich sein: Der Brustkorb ist aufgeschnitten und seine Leber ist entnommen, in Stücke geschnitten und beigelegt worden. Man weiss, dass Inka-Priester Tiere opferten, um aus deren Lebern die Zukunft zu lesen. Eine solche Interpretation liege hier nahe.

Als Konservierungsmassnahme sei die Leberentnahme eher nicht zu lesen, da Lunge und andere Eingeweide noch da seien. Indes könnte die Leber auch post mortem entnommen worden sein, wegen der hockenden Position aber nur in der kurzen Zeit vor der Totenstarre. Auch Krieg, Kampf, Mord oder ein Unfall seien in Erwägung zu ziehen.

Den Inkas zugeordnete Kinderopfer sind gemäss der Publikation dokumentiert in den peruanischen Anden. Eine Opferung im Sinne einer Orakelsprechung an mumifizierten Inka-Körpern sei derweil ein «noch nie nachgewiesener Vorgang», wie das Communiqué weiter festhält – also ein ganz neuer Befund.

Offen bleibe, ob der Knabe wegen seines gesundheitlichen Zustandes für eine rituelle Tötung ausgesucht worden war. Die Untersuchungen sollen nach der Ausstellungen vertieft werden. Dazu wollen die Forschenden auch kleinste Gewebeproben entnehmen.

(SDA)


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