Berset zeigt sich offen für versuchsweise Cannabis-Abgabe

Innenminister Berset, hier bei einem Auftritt in Freiburg, kam nach eigenen Angaben einmal mit Cannabis in Berühung: "Es war keine lohnende Erfahrung". (Archivbild)
Innenminister Berset, hier bei einem Auftritt in Freiburg, kam nach eigenen Angaben einmal mit Cannabis in Berühung: "Es war keine lohnende Erfahrung". (Archivbild) © KEYSTONE/CHRISTIAN BRUN
Bundesrat Alain Berset begrüsst, dass mehrere Schweizer Städte die testweise Abgabe von Cannabis ins Auge fassen wollen. Gleichzeitig verneint er, dass mit solchen Pilotprojekten eine Legalisierung durch die Hintertür eingeführt wird.

Interesse an Versuchen zur legalen Abgabe von Cannabis bekundeten etwa Zürich, Bern, Basel und Genf. Sobald eine Stadt ein Projekt erarbeitet habe und ein Gesuch einreiche, werde sein Departement prüfen, ob es eine Bewilligung erteilen könne, sagte Innenminister Berset im Interview mit der “NZZ am Sonntag”.

Ob er dazu auch Hand bieten werde, sagt Berset nicht explizit. Er steckt aber die Grenzen ab: Klar sei, dass es “nur um befristete Versuche gehen kann, die wissenschaftlich begleitet werden und klare Fragen beantworten sollen”. Eine generelle Legalisierung erlaube das Gesetz nicht.

Berset räumt ein, dass sich das Volk 2008 gegen eine Cannabis-Legalisierung aussprach. Gleichzeitig habe es aber ein Gesetz gutgeheissen, das Ausnahmebewilligungen für wissenschaftliche Forschungsprojekte ermöglicht. “Das Signal war eindeutig: keine Legalisierung, aber auch keine Denkverbote. Diesen Rahmen werden wir einhalten.”

Der Freiburger Bundesrat will die Versuche auch keineswegs als Signal verstanden wissen, dass der Cannabis-Konsum unproblematisch sei. “Fakt ist, dass mehr als ein Fünftel der Bevölkerung Erfahrung mit Cannabis hat. Also können wir nicht einfach wegschauen, sondern müssen ohne Scheuklappen auch neue Ideen prüfen.”

Als “heikel” bezeichnet Berset die Frage, ob auch Minderjährige legal Cannabis beziehen können sollen. Weil sie eine “sehr verletzliche Konsumentengruppe” seien, wäre eine Begleitung besonders wichtig, sagte er. Gleichzeitig sei ihm bewusst, dass spezielle Vorsicht geboten sei, da für sie der Konsum besonders gesundheitsgefährdend sei.

Schliesslich gibt Berset auch Auskunft zu seinen persönlichen Erfahrungen mit Kiffen: “Einmal” habe er es probiert, mit etwa 23 Jahren. “Mir ist dabei schlecht geworden. Es war keine lohnende Erfahrung”, sagte er.

Die Stadt Bern will in der zweiten Jahreshälfte ein Gesuch beim Bund einreichen für die kontrollierte Cannabis-Abgabe in Apotheken. Bis zu 1000 Berner Kiffer über 18 Jahre sollen am Forschungsprojekt teilnehmen können. Bern koordiniert sich dabei eng mit Basel, Genf und Zürich.

(SDA)


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