Berufsbildung soll sich der Berufswelt von 2030 annähern

Nicht nur die Haarmoden, auch der Beruf der Coiffeuse selbst sind im steten Wandel (Symbolbild).
Nicht nur die Haarmoden, auch der Beruf der Coiffeuse selbst sind im steten Wandel (Symbolbild). © KEYSTONE/PETER KLAUNZER
Bund, Kantone und Sozialpartner sowie Wissenschaftler erarbeiten gemeinsam eine Berufsbildungsvision 2030. Dies hat das nationale Spitzentreffen zur Berufsbildung vom Montag in Bern beschlossen. Die Berufsbildung dürfe den raschen Wandel nicht verpassen.

“Die Strategie, die erarbeitet werden soll, geht über das hinaus, was wir in der BFI-Botschaft 2017-20 haben”, sagte Bundespräsident Johann Schneider-Ammann, der das Treffen von Vertretern von Bund, Kantonen, Politik und Wirtschaft geleitet hatte, vor den Medien.

Wirtschaft und Gesellschaft veränderten sich tiefgreifend und schnell, beschrieb der Direktor des Arbeitgeberverbandes, Roland Müller, die Herausforderung. Stichworte seien die Deindustrialisierung, die Digitalisierung oder die Wissensgesellschaft. Zugleich seien das Berufsbildungssystem vielfältig und die Gesetzesprozesse langwierig.

“Berufsbilder ändern sich. Einige Berufe verschwinden, neue Berufe entstehen”, sagte auch der Präsident des Schweizerischen Gewerkschaftsbundes, Paul Rechsteiner.

Antworten soll nun eine Projektgruppe unter Federführung des Staatssekretariats für Bildung, Forschung und Innovation SBFI finden. Bis zur nächsten Tagung 2017 soll die Stossrichtung für die Weiterentwicklung der Berufsbildung vorliegen.

SP-Ständerat Rechsteiner (SG) betonte, über alle Lager hinweg sei man sich einig, dass die Berufsbildung nicht Opfer von Sparmassnahmen werden dürfe.

Der Direktor des Schweizerischer Gewerbeverband, Hans-Ulrich Bigler, rüffelte in diesem Punkt den Bundesrat: Es bringe nichts, wenn dieser bei den Vorbereitungskursen für Berufs- und Höhere Fachprüfungen neue Gelder spreche und zugleich die Pauschalbeträge der Kantone für die Berufsbildung kürzen wolle, kritisierte er.

Der FPD-Nationalrat ist Mitglied der Kommission für Wissenschaft, Bildung und Kultur des Nationalrates (WBK). Diese hat vergangene Woche bei der Beratung der Botschaft zur Förderung von Bildung, Forschung und Innovation (BFI) in den Jahren 2017 bis 2020 ebenfalls höhere Pauschalbeiträge verlangt.

In Bern wurde auch über die Integration von Flüchtlingen und vorläufig Aufgenommenen in den Arbeitsmarkt diskutiert. Bigler kritisierte die Flüchtlingslehre. Es brauche stattdessen eine “ehrliche Integration” von Flüchtlingen mittels Spracherwerb, Anlehre, Lehre oder einer Weiterbildung.

Die Verbundpartner seien sich der Dringlichkeit der Thematik bewusst, hiess es in einer gemeinsamen Mitteilung. Bereits vorhandene Strukturen sollen in Zusammenarbeit mit den Migrationsbehörden genutzt “allenfalls spezifisch ausgerichtet” werden.

Und auch hierfür braucht es genügend Geld, wie der Präsident der Konferenz der kantonalen Erziehungsdirektoren (EDK), Christophe Eymann, betonte.

Weiteres Thema waren die über 550’000 Erwachsenen zwischen 25 und 65 Jahren, die nach dem Ende der Volksschule keinen weiteren Abschluss mehr gemacht haben. Einen solchen Sek-II-Abschluss noch nachholen oder sich weiterbilden können “realistischerweise” etwa 50’000 davon, wie Travail-Suisse-Präsident Adrian Wüthrich sagte.

Sie sollen ab 2017 mit einer Kampagne angesprochen werden. Auf sie ausgerichtetes Infomaterial soll auch Bildungsberatern auf die Sprünge helfen können.

(SDA)


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