Broder: “Ich habe hinter der Bühne geweint”

Wegen heftigen Regenfällen und Gewittern ist "Der Berg bebt" unterbrochen worden.
Wegen heftigen Regenfällen und Gewittern ist "Der Berg bebt" unterbrochen worden. © FM1Today
Die Absage von PUR am Schlager-Openair “Der Berg bebt” sorgte für rote Köpfe. Organisator Fredy Broder nimmt Stellung zu Vorwürfen, dass die Band hätte auftreten wollen, und zieht ein Fazit seines letzten Festivals auf den Flumserbergen.

Herr Broder, wie kam es zur Absage der Band PUR bei “Der Berg bebt”?
Fredy Broder: Ich musste eine Garantie abgeben, dass die Band gesund bleibt und ihr Konzert ohne Schaden über die Bühne bringen kann. Zu diesem Zeitpunkt waren vom Wetterbericht noch mindestens zwei Stunden Sturm vorausgesagt. Ich konnte also nichts garantieren und musste diesen schwierigen Entscheid treffen.

Wann haben sie den Entscheid getroffen?
Broder: Kurz vor 18 Uhr. Ich rannte zwischen den verschiedenen Managements hin und her und alle haben Forderungen gestellt. Bei einer solchen Produktion wie PUR gibt es mehr als ein Management. Ich habe zum Wohl der Künstler so entschieden. Der Manager von PUR sagte auch, dass er den Entscheid zwar bedauere, aber Sicherheit wichtiger sei. Wenn irgendetwas schief gelaufen wäre, hätte man mich am nächsten Tag dafür kritisiert. Ich kann nicht die Garantie für Menschenleben übernehmen.

Kommuniziert wurde aber erst gegen 21 Uhr.
Broder: Das stimmt.

Ist die Band überhaupt angereist?
Broder: Sie war zum Zeitpunkt der Entscheidung im Warteraum.

Sie haben gesagt, dass die Band noch im Stau stehe.
Broder: Ich stand unter Druck. Ich weiss wirklich nicht… Es war ein Fehler, ich habe etwas Falsches gesagt und möchte mich an dieser Stelle dafür entschuldigen. Ich hatte einfach zu viel im Kopf und dann noch die ganzen Emotionen, da habe ich einfach irgendetwas gesagt, das ich nicht hätte sagen sollen. Das bereue ich.

Hätte man den Entscheid nicht früher mitteilen müssen?
Broder: Wir versuchten so lange wie möglich zu warten. Aber der Sturm ging weiter. Ich habe hinter der Bühne geweint, die Leute haben versucht, mich aufzubauen. Da hatte ich meine Wunschband PUR vor Ort und sie können nicht auftreten. Es war alles sehr emotional für mich.

Rückblickend: Wäre PUR nicht besser aufgetreten?
Broder: Zu diesem Zeitpunkt musste ich sagen: Fertig, aus, es gibt keine Diskussionen mehr. Dieser Sturm war eine gigantische Naturgewalt. Niemand konnte sagen, wie es fünf oder zehn Minuten später aussieht, sonst wäre er mehr als der Herrgott. Niemand konnte Garantien abgeben. Ich musste eine Entscheidung treffen. Bei solchen Entscheidungen ist man natürlich der Buh-Mann, aber das Publikum hatte bis dahin schon über neun Stunden Musik genossen.

Einige kamen wohl insbesondere wegen PUR.
Broder: Klar haben einige Besucher auf PUR gewartet. Aber die Band hat mir die Garantie gegeben, dass wir das Konzert zusammen machen. Sie sind jetzt noch zwei Wochen auf Tour, aber wir werden sicher, vielleicht erst im nächsten Jahr, zusammen ein Konzert auf die Beine stellen.

Abgesehen von der Absage: Wie lautet Ihr persönliches Fazit des Openairs?
Broder: Es war sehr emotional. Ich stand unter sehr grossem Druck. Der Sturm, die Evakuierung des Geländes, die Absage – nicht viele Menschen werden in ihrem Leben so viele Entschiede treffen müssen, wie ich dort innert wenigen Sekunden. Aber schlussendlich ist das Openair bei strömendem Regen gut über die Bühne gegangen und weder Menschen noch Technik sind zu Schaden gekommen.

Wie viele Besucher kamen auf die Flumserberge?
Broder: Etwa 12’000. Nach der Evakuierung konnten wir natürlich nicht mehr zählen, da war die Security mit anderen Aufgaben beschäftigt. Vielleicht waren es auch ein paar Leute mehr.

Interview: Nadja Marugg


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