Chance für Dortmund, Chance für Bürki

Gegen die Bayern im Schaufenster der Bundesliga: Dortmunds Goalie Roman Bürki
Gegen die Bayern im Schaufenster der Bundesliga: Dortmunds Goalie Roman Bürki © KEYSTONE/EDDY RISCH
Das Titelrennen in der Bundesliga wird langweilig bleiben oder als Duell weitergehen. Dortmund hat es in der Hand. Mit einem Sieg gegen die Bayern kann Dortmund den Abstand auf zwei Punkte verkürzen.

Nach der überraschenden Heimniederlage gegen Mainz vom Mittwoch musste Serienmeister Bayern München den einzigen ernsthaften Herausforderer Borussia Dortmund bis auf fünf Punkte herankommen lassen. Im Spiel in Dortmund, das am Samstag um 18.30 Uhr angepfiffen wird, könnte die Punktedifferenz noch einmal deutlich kleiner werden. Gewinnen die Borussen, dürfte sich ganz Fussballdeutschland auf eine spannenden Zweikampf in den letzten neun Runden freuen – nachdem die letzten beiden Saisons wegen der Überlegenheit der Bayern an Langeweile kaum zu überbieten waren.

Die einmalige Chance der Mannschaft von Trainer Thomas Tuchel ist auch eine fabelhafte Gelegenheit für Torhüter Roman Bürki, ewige Kritiker und Nörgler verstummen zu lassen. Kritiker, Nörgler und Nostalgiker, die nach wie vor lieber den seit 2002 für den Verein spielenden, 35-jährigen Roman Weidenfeller als ersten Torhüter sähen. Auch von vereinzelten Medien wird dem Münsinger Bürki, der sich bei GC und in der Bundesliga bei Freiburg einen Namen gemacht hat, jeder noch so kleine Fehler angekreidet. Und schiesst er tatsächlich einmal einen Bock – was dem besten Goalie passiert -, wird sofort Weidenfeller ins Tor zurückverlangt. Der wichtigste Mann hat sich jedoch nie beirren lassen: Thomas Tuchel. Er hielt konsequent an Bürki fest und berücksichtigte Weidenfeller nur für Einsätze in den Cupwettbewerben. Tuchel weiss, dass der erst 25-jährige Bürki Dortmunds Torhüter für die nächsten zehn Jahre werden könnte.

Just im Hinspiel in München, das die Bayern 5:1 gewannen, zeigte Roman Bürki seine schwächste und vielleicht einzige schwache Leistung der Saison. Also kann er im so wichtigen Rückspiel vieles gutmachen. Er steht im Schaufenster. Er könnte der Held im wichtigsten Spiel werden. In der Wochentagsrunde musste Bürki wegen einer Grippe für das Spiel in Darmstadt (2:0 für Dortmund) passen.

Die jüngste Erfolgsbilanz der Borussen – sie holten aus den sieben Meisterschaftsspielen nach der Winterpause 19 von 21 Punkten – nötigt Bayerns Coach Pep Guardiola Respekt ab: “Das ist eine der besten Mannschaften in Europa und der beste Bundesliga-Konkurrent aller Zeiten. Ich hoffe, wir können ein gutes Spektakel zeigen.”

Seit dem Double der Borussia im Jahr 2012 lag Bayern vor den Saison-Rückspielen gegen den Revierklub stets mindestens 20 Zähler voraus. Doch zum Leidwesen von Guardiola entpuppt sich Dortmund unter der Regie von Tuchel (Guardiola: “Ein top, top, top, top Trainer”) als hartnäckiger Verfolger. Nicht zuletzt deshalb glaubt der Spanier selbst bei einem Sieg der Bayern nicht an eine Vorentscheidung: “Mit acht Punkten ist es bei diesem Gegner nicht vorbei. Das ist ein sehr wichtiges Spiel, aber wir haben noch andere Möglichkeiten, unseren Titel zu verteidigen.”

Ähnlich wie Guardiola wirkte auch der Münchner Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge vor dem in 208 Länder übertragenen Bundesliga-Gipfel nicht unbedingt locker. “Ich hoffe, dass wir ungerupft vom Platz gehen. Wenn wir mit acht Punkten Vorsprung nach Dortmund gefahren wären, wären wir etwas entspannter gewesen. Das wird ein Spiel, das wir sicher nicht verlieren dürfen.”

In einem psychologischen Vorteil sieht Tuchel sein Team trotz der jüngsten Niederlage der Bayern nicht: “Es wäre nicht das erste Mal, dass sie in einer solchen Situation ihre beste Leistung zeigen. Wir werden Momente haben, in denen wir leiden. Aber in diesen Phasen dürfen wir nicht den Glauben verlieren.” Allerdings habe der am Mittwoch geringer gewordene Abstand zu den Bayern “die Grundstimmung verändert”. “Diese besondere Energie werden wir im Heimspiel spüren bekommen.”

Es ist kaum vorstellbar, dass es den Bayern in dem mit 81’359 Zuschauern ausverkauften Dortmunder Tempel ähnlich leicht fällt wie beim Kantersieg im Hinspiel Anfang Oktober. Schliesslich haben sich die Borussen vor allem in der Defensive deutlich verbessert und in der Rückrunde erst zwei Gegentore kassiert. Nicht zuletzt deshalb ist Tuchel guter Dinge: “Wir werden alles dran setzen, den Bayern eine schwere Zeit zu bereiten. Aber das Hinspiel zeigt, dass es besser ist, die Füsse auf den Boden zu behalten.”

Das Duell der beiden momentan besten Bundesliga-Torschützen Robert Lewandowski (23 Tore) und Pierre-Emerick Aubameyang (22 Tore) erhöht die Brisanz der Partie. Ein solches Duell an der Spitze der Torschützenliste gab es in der Bundesliga zuletzt vor 42 Jahren, als Gerd Müller und Jupp Heynckes zu diesem Zeitpunkt zusammen ebenfalls 45 Tore erzielt hatten.

(SDA)


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