Chefwechsel bei Munich Re

Joachim Wenning wird im nächsten Jahr der neunte Konzernchef in der über hundert jährigen Geschichte der Munich Re.
Joachim Wenning wird im nächsten Jahr der neunte Konzernchef in der über hundert jährigen Geschichte der Munich Re. © Munich Re
Chefwechsel sind beim weltgrössten Rückversicherer Munich Re eine Seltenheit. In seiner über hundert jährigen Geschichte hatte der Versicherungsriese erst acht Konzernchefs. Im nächsten Jahr wird der Neunte folgen.

Zur Generalversammlung 2017 wird es soweit sein: Nach gut 13 Jahren gibt Nikolaus von Bomhard sein Amt als Konzernchef ab, wie der weltgrösste Rückversicherer am Dienstag in München mitteilte. Sein Nachfolger wird der in der Öffentlichkeit kaum bekannte Joachim Wenning, der bereits seit 25 Jahren für die Munich Re arbeitet.

In den vergangenen sieben Jahren hatte der heute 51-Jährige das Geschäft mit der Lebens-Rückversicherung geführt, seit 2013 ist er zudem Arbeitsdirektor. Wenning ist erst der neunte Chef in der Geschichte des 1880 gegründeten Rückversicherers.

“Ich bin kein ‘Everybody’s darling'”, beschreibt sich der künftige Konzernchef. Er könne sehr fordernd sein und nehme kein Blatt vor den Mund, und er könne gegen den Strom schwimmen “extern wie intern”, erklärte Wenning im Internet-Auftritt des Konzerns. Er wurde 1965 in Jerusalem geboren, als sein Vater dort arbeitete. Wenning ist verheiratet und Vater einer Tochter.

Er ist in einem Alter, in dem er zwei volle Amtszeiten als Konzernchef absolvieren kann. Der Geschäftsleitung gehört er seit mehreren Jahren an. Der promovierte Ökonom hat sein gesamtes Berufsleben bei der Munich Re verbracht. Nach einem dreijährigen Ausflug zur Tochter Hamburg-Mannheimer (heute Ergo) kümmerte er sich seit dem Jahr 2000 um die Lebens-Rückversicherung in Lateinamerika, Südeuropa und dem Mittleren Osten. Von 2005 bis 2008 leitete er die Tochter Neue Rück in Zürich, ehe er 2009 in die Geschäftsleitung des Konzerns berufen wurde.

Wenning übernimmt die Munich Re in einer schwierigen Zeit. Die Rückversicherer kämpfen einerseits mit niedrigen Zinsen, die ihre milliardenschweren Kapitalanlagen weniger lukrativ machen. Zum anderen tobt in der Branche ein Preiskampf, ausgelöst durch ein Überangebot an Kapital.

Die Munich Re versucht sich dem zumindest teilweise zu entziehen, indem sie ihre Expertise in die Waagschale wirft und Rückversicherung in Bereichen – etwa bei Cyber-Risiken – anbietet, die bisher als schwer versicherbar galten.

Der Abschied von Bomhards kommt nicht überraschend. Die Munich Re verlängert die Verträge ihrer Geschäftsleitungsmitglieder nur noch für je ein Jahr, sobald sie ihren 60. Geburtstag erreicht haben. Von Bomhard wird im Juli 60 Jahre alt, sein Vertrag wäre Ende dieses Jahres ausgelaufen. Er wird als aussichtsreicher Nachfolger von Verwaltungsratspräsident Bernd Pischetsrieder gehandelt.

Wie Wenning galt auch von Bomhard bei seinem Amtsantritt als “grosser Unbekannter”. Der zurückhaltende Manager gilt in der deutschen Finanzbranche als bestens vernetzt und hatte sich zuletzt immer wieder etwa als Kritiker der EZB-Geldpolitik profiliert.

(SDA)


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