Chinesischer Film erhält Hauptpreis des Visions du Réel

Eine Familie, dreizehn Abendessen in vierzehn Monaten: In "Another Year" zeigt die Filmemacherin Shengze Zhu den Alltag einer chinesischen Arbeiterfamilie. (Pressebild)
Eine Familie, dreizehn Abendessen in vierzehn Monaten: In "Another Year" zeigt die Filmemacherin Shengze Zhu den Alltag einer chinesischen Arbeiterfamilie. (Pressebild) © Keystone
Ein Film, der vom Leben einer chinesischen Arbeiterfamilie berichtet, gewinnt am 47. Dokfilmfestival Visions du Réel in Nyon den Goldenen Sesterz: Regisseurin Shengze Zhu erhält für “Another Year” die mit 20’000 Franken dotierte Auszeichnung.

Das Werk sei ein “Eintauchen in die Privatsphäre einer Familie, das auf ergreifende Art und Weise von der Realität der Beziehungen zwischen drei Generationen” erzähle, schrieb Direktor Luciano Barisone in einem Communiqué vom Freitag. “Another Year” ist eine ungewöhnliche Inszenierung: In drei Stunden Film werden dreizehn über einem Zeitraum von 14 Monaten gefilmte Abendessen der Familie gezeigt.

Den Silbernen Sesterzen – es ist dies der Publikumspreis, der mit 10’000 Franken dotiert ist – verleiht die Jury dem Eröffnungsfilm “Presenting Princess Shaw” von Ido Haar. Der israelische Regisseur erzählt in seinem Werk die ungewöhnliche Geschichte einer Begegnung zwischen einer jungen Sängerin aus New Orleans und einem Internet-Klangkünstler aus Israel.

Auch fünf Schweizer Werke, darunter zwei Koproduktionen, wurden am diesjährigen Visions du Réel ausgezeichnet. Den Preis für den besten Schweizer Langfilm (15’000 Franken) erhalten Monika Borgmann und Lokman Slim für ihren schweizerisch-französisch-libanesischen Dokfilm “Tadmor”, über das gleichnamige Gefängnis im syrischen Palmyra. Im Film kommen acht Libanesen zu Wort, die im Assad-Gefängnis schier Unvorstellbares erlebt haben.

“Raving Iran” von Susanne Regina Meures erhielt den Preis für den innovativsten Schweizer Film (10’000). Weitere Auszeichnungen gehen an “Calabria” von Pierre-François Sauter, “Un paese di Calabria” von Shu Aiello und Catherine Catella und “Looking Like My Mother” von Dominique Margot.

Die Festivalveranstalter dürfen sich über eine gut besuchte 47. Ausgabe freuen. Mit 39’000 Zuschauerinnen und Zuschauern verzeichnete das wichtige Schweizer Dokfilmfestival erneut einen Publikumszuwachs; 2015 strömten etwa 35’000 Filmfans nach Nyon. Zahlreiche Vorstellungen seien ausverkauft gewesen, so dass man einige Filme parallel gezeigt habe, hiess es in der Mitteilung weiter.

180 Filme insgesamt hatte das Festival auf dem Programm, darunter zahlreiche Welt- oder Schweiz-Premieren. Als Sondervorstellungen wurden Michael Moores “Where to Invade Next” sowie Berlinale-Gewinner “Fuocoammare” von Gianfranco Rosi gezeigt.

Das 47. Visions du Réel endet am Samstag mit der Vorführung der prämierten Filme.

(SDA)


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