Churer Turm wird Tourismus-Leinwand

Von Fabienne Engbers
So könnte der Mühleturm mit dem Gemälde von Fabian Florin aussehen.
So könnte der Mühleturm mit dem Gemälde von Fabian Florin aussehen. © pd
Aus einer langweiligen Turmfassade, an der man auf der Autobahn bei Chur vorbeifährt, wird ein echter Hingucker. Der heimische Streetart-Künstler «Bane» gestaltet die hohen Wände.

Jeder, der schon einmal an Chur vorbei gefahren ist, hat ihn – bewusst oder unbewusst – gesehen. Der Mühleturm thront kurz vor der Stadt Chur, zu sehen ist er weit herum. Statt der eintönigen grauen Backsteinfassade soll er jetzt zum Hingucker werden – mit dem grössten Wandgemälde der Schweiz.

Blick hinter die Fassade

Das Gemälde, das den Turm zieren soll, malt der Churer Künstler Fabian Florin, besser bekannt als Bane. Der Entwurf entstammt ebenfalls seiner Feder. «Als ich vor eineinhalb Jahren in Griechenland bei der Arbeit war, rief mich die Stadt Chur an und fragte, ob ich den Turm bemalen möchte», sagt der 35-Jährige.

Das Gemälde, das zwei Hände zeigt, die eine Betonhaut abziehen, soll dem Betrachter einen Blick hinter die Kulissen gewähren. Dahinter verbirgt sich in diesem Fall die Stadt Chur und ihre Umgebung. Viele Sitzungen sind ins Land gestrichen, bis der Entwurf, so wie er heute ist, fertig war.

«An Ideen mangelt es nicht»

Eine Bergwelt, Tiere, Bergbahnen und die Altstadt könnten auf der Turmfassade verewigt werden. So behält der Mühleturm auch seine Funktion als Leinwand für den Tourismus. «Es sind zu viele Sujets, um sie in einem einzigen Bild festzuhalten», schreibt die Stadt Chur. Daher werde das Gemälde immer wieder neu übermalt.

Für den Künstler ist das kein Problem. «An Ideen mangelt es sicher nicht, ich könnte drei bis vier Mal pro Jahr ein neues Bild auf dem Turm malen», sagt Bane. Wie oft das Gemälde tatsächlich ausgewechselt wird, ist momentan aber noch offen.

«Bin nicht zufrieden»

Das Bild, das oben zu sehen ist, ist erst eine Visualisierung. Künstler Fabian Florin ist damit noch nicht ganz einverstanden. «Bis jetzt sind erst die Hände von mir. Was darüber zu sehen sein wird, ist noch total unklar», sagt der Künstler. Die Visualisierung wurde lediglich dazu genutzt, dass man sich bereits vorstellen kann, wie der Turm zukünftig aussehen könnte.

So sieht der Mühleturm heute aus. (Bild: Screenshot Google Maps)

Mehr Mathematik als Kunst

Den Gemäldeentwurf hat Fabian Florin gezeichnet. Wenn das Bild dann aber an die riesige Wand projiziert wird, spielt vor allem Mathematik eine Rolle, das Künstlerische gerät ein wenig in den Hintergrund. «Frei von Hand kann man ein so grosses Kunstwerk unmöglich zeichnen. Wie man es schon in der Schule gelernt hat, werden wir ziemlich sicher ein Raster auf den Turm machen und uns dann von oben nach untern arbeiten», sagt der Künstler. Ein so grosses Gemälde ist auch für ihn Neuland. «Mein bisher grösstes Kunstwerk war 22 Meter hoch.» Der Mühleturm ist ganze 42 Meter hoch.

Turm wird im Frühjahr fertig

Die Idee von Fabian Florin hat die Stadt Chur überzeugt. Der Stadtrat hat das Projekt gutgeheissen und die Gestaltung ins Budget 2018 aufgenommen. 220’000 Franken sind eingerechnet. Der Gemeinderat hat am Donnerstag eine Schlussabstimmung zum Budget gutgeheissen, damit wurde auch die Bemalung des Turms angenommen.

Nun muss das Bundesamt für Strassen ASTRA dem Projekt noch zustimmen. Der Turm darf keine Werbung tragen. «Wir haben das Projekt mit dem ASTRA besprochen. Da ein Bild gemalt wird und keine Werbung, sollte die Bewilligung nur noch Formsache sein», sagt Stadtschreiber Markus Frauenfelder.

Zuerst wird die Turmfassade allerdings geputzt und ein Fassadenlift installiert. Erst dann beginnt Bane mit dem Bemalen. «Die Vorarbeiten dauern etwa zwei bis drei Monate, mit Malen werde ich rund einen Monat beschäftigt sein.» Im April könnte der Turm bereits fertiggestellt sein und kurze Zeit später eingeweiht werden.


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