Terror in London: 22 Menschen im Spital

Eine verletzte Frau in Obhut einer Betreuungsperson nach der Explosion in der U-Bahn-Station Parsons Green in London.
Eine verletzte Frau in Obhut einer Betreuungsperson nach der Explosion in der U-Bahn-Station Parsons Green in London. © KEYSTONE/AP/Dominic Lipinski
Bei einem Terroranschlag auf einen voll besetzten U-Bahn-Zug in London sind am Freitagmorgen 22 Menschen verletzt worden. Die selbstgebaute Bombe ist möglicherweise mit Hilfe eines Zeitzünders explodiert. 

«Terroristischer Vorfall bestätigt», erklärte Scotland Yard in einer Mitteilung. Es seien Anti-Terror-Ermittlungen eingeleitet worden. Zuvor war von einem «Vorfall» die Rede gewesen, Medien und Augenzeugen berichteten von einer Explosion oder einer «Feuerwand», die sich in dem Waggon ausgebreitet habe. Die Detonation ereignete sich gegen 08.20 Uhr Ortszeit (09:20 Uhr MESZ), mitten im morgendlichen Berufsverkehr.

 
Die Zahl der Verletzten nach dem Terroranschlag auf einen voll besetzten U-Bahn-Zug in London ist auf mindestens 22 gestiegen. Das teilte die nationale Gesundheitsbehörde mit. 18 Menschen wurden demnach mit Krankenwagen ins Spital gebracht, vier weitere begaben sich selbst ins Spital.

Die Explosion wurde durch einen selbst gebauten Sprengsatz ausgelöst. Das sagte der Chef der Anti-Terror-Abteilung der britischen Polizei, Mark Rowley, am Freitag vor Journalisten. Die selbstgebaute Bombe ist möglicherweise mit Hilfe eines Zeitzünders explodiert. Das berichtete die BBC am Freitag unter Berufung auf eine ungenannte Quelle.

Eine Reporterin der Zeitung «Metro» berichtete zuvor, dass ein weisser Behälter in einem Zug explodiert sei. In sozialen Medien kursierte ein Bild von einem weissen Eimer in einer Supermarkt-Tüte. Aus dem Eimer hingen Drähte.

Panik in U-Bahnstation

In der U-Bahnstation herrschte Panik. «Wir liefen die Treppen runter, und es hat sich angefühlt, als würden wir um unser Leben laufen», sagte ein Mann namens Luke dem Radiosender «BBC 5». Eine Frau namens Emma schilderte: «Nach einer Weile stapelten sich die Menschen übereinander, weil einige beim Laufen hingefallen waren.»

Ein Passagier namens Lucas sagte im Radiosender «BBC 5»: «Ich habe eine richtig laute Explosion gehört.» Er habe Menschen mit leichten Verletzungen gesehen, «Verbrennungen im Gesicht, an den Armen, Beinen». Die 29-jährige Nicole Linnell sagte PA, «etwa 30 bis 40 Leute» seien die Gleise entlang gerannt. «Es war total entsetzlich.»

Bewaffnete Polizisten mit Spürhunden

In der U-Bahn und um die Station herum waren bewaffnete Polizisten mit Spürhunden im Einsatz. Der U-Bahnhof und ein Teilabschnitt der U-Bahnlinie wurden gesperrt. Die Polizei forderte die Menschen auf, der Gegend fern zu bleiben. Die Feuerwehr teilte mit, sie sei mit 50 Mann im Einsatz. Der Zugverkehr wurde teilweise unterbrochen.

Premierministerin Theresa May berief für den Nachmittag das Sicherheitskabinett ein. May erklärte: «Meine Gedanken sind bei denen, die in Parsons Green verletzt wurden und den Einsatzkräften, die – wieder einmal – rasch und mutig auf einen mutmasslichen Terroranschlag reagieren.»

Bürgermeister Sadiq Khan verurteilte die Bluttat. «Unsere Stadt verurteilt die widerwärtigen Individuen, die mit Terror versuchen, uns zu schaden und unsere Lebensweise zu zerstören», schrieb er. Aussenminister Boris Johnson rief die Briten auf, Ruhe zu bewahren.

Der Präsident des Europaparlaments, Antonio Tajani, drückte den Opfern sein Mitgefühl aus. «Terrorismus kennt keine Grenzen und wird besiegt, indem man zusammenarbeitet», erklärte Tajani auf Twitter. Auch die deutsche Regierung äusserte ihre Besorgnis.

Mehrere Anschläge in letzter Zeit

Es war bereits der vierte Terroranschlag in diesem Jahr in der britischen Hauptstadt und der fünfte in Grossbritannien. Ende März hatte ein Attentäter im Zentrum Londons fünf Menschen getötet. Am 22. Mai riss ein Selbstmordattentäter bei einem Pop-Konzert der US-Sängerin Ariana Grande in Manchester 22 Menschen mit in den Tod.

Im Juni rasten drei Angreifer auf der London Bridge mit einem Lieferwagen in eine Menschenmenge. Anschliessend stachen sie in einem angrenzenden Ausgehviertel wahllos auf Menschen ein. Sie töteten sieben Menschen und verletzten 48 weitere, bevor sie von der Polizei erschossen wurden.

Ende August griff ein Mann vor dem Buckingham-Palast Polizisten mit einem Schwert, drei Beamte wurden leicht verletzt.

(SDA)


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