Das musst du über myCloud wissen

Von Christoph Fust
Damit myCloud Sinn macht, muss auch die Netzabdeckung stimmen.
Damit myCloud Sinn macht, muss auch die Netzabdeckung stimmen. © pd
Ab heute bietet Swisscom kostenlos 15 Gigabyte Onlinespeicher an, für Infinity-Kunden sogar unlimitiert. Das Angebot ist verlockend, bringt aber auch Risiken mit sich.

Mit myCloud reagiert Swisscom auf das heutige Nutzungsverhalten ihrer Kunden. Persönliche Daten wie Fotos oder Videos sollen jederzeit mobil verfügbar sein. Die Daten werden also nicht mehr lokal auf dem Smartphone oder Laptop gespeichert, sondern in einem Netzwerk von Servern, der “Cloud” (Englisch für Wolke). Und so funktioniert’s:

1. Immer online

Damit der Zugriff jederzeit möglich ist, braucht es eine konstante Internetverbindung. Gerade in ländlichen Gebieten kann dies bei grossen Dateien ein Argument gegen Cloud-Dienste sein. Hier kannst du die Mobilfunk-Abdeckung in deiner Gegend abchecken:

Swisscom
Salt
Sunrise

2. Kostenlos für alle Kunden

Swisscom myCloud bietet für alle Kunden von Natel Infinity kostenlosen und unlimitierten Onlinespeicher. Nicht-Kunden erhalten 15 Gigabyte Speicherplatz, und dies ebenfalls kostenlos. Eine Aufstockung des Datenvolumens ist momentan nicht möglich.

3. Neues Konto, neue App

Für die Verwendung von Swisscom myCloud benötigst du ein neues Konto, den Swisscom Passeport. Das ist ein neuer Service, um sich bei verschiedenen Webseiten, Serviceanbietern und Behörden einzuloggen. Swisscom Passeport wird langfristig auch das Swisscom Login ersetzen, das du als Swisscom-Kunde wahrscheinlich bereits kennst. Auch Swisscom Passeport ist kostenlos.

Die Appfür myCloud gibt es ab sofort für iOS und Android, Unterstützung für Windows Phone ist in Planung.

4. Erste Benutzung

Falls du gleich mal alle Fotos und Videos in der myCloud speichern möchtest, brauchst du Geduld. Gemäss Swisscom kann der Upload bei der ersten Nutzung mehrere Stunden oder sogar Tage in Anspruch nehmen. Danach werden die Fotos in regelmässigen Abständen, aber nicht sofort nach Aufnahme, hochgeladen.

5. Vorsicht im Ausland

MyCloud sendet auf Wunsch alle neuen Bilder und Videos auf deinem Smartphone in die Cloud, das Ganze nennt sich “Automatische Datensicherung”. Damit du nach einem Aufenthalt im Ausland keine gesalzene Rechnung erhältst, solltest diese Funktion also ausschalten oder Roaming in den Einstellungen deines Telefons deaktivieren.

6. Unterstützte Dateiformate

Der Dienst kommt mit allen gängigen Dateiformaten, wie pdf, docx oder xlsx zurecht. Fotos (gif, jpeg, png, tif, tiff, bmp) und Videos (mp4, m4v, mov) sortiert myCloud automatisch in die entsprechenden Bereiche ein. Zukünftig soll auch Musik in der myCloud gespeichert werden können.

Bereits jetzt ist es möglich, Bilder von anderen Konten in myCloud einzubinden. Unterstützt wird Dropbox, Facebook, Instagram und OneDrive.

7. Schweizer Datenschutz

Swisscom vermarktet myCloud vor allem damit, dass alle Daten in Schweizer Rechenzentren aufbewahrt werden und damit dem heimischen Datenschutz unterliegen. Bei Konkurrenz-Anbietern wie Dropbox, Apple, Google oder Microsoft sind die persönlichen Daten weltweit verstreut.

Da die Daten auf mehreren Rechenzentren gespeichert werden, sollte es auch beim Ausfall eines Zentrums weiterhin möglich sein, auf die Daten zuzugreifen

8. Account löschen

Während drei Monaten nach der Löschung des Accounts bleiben die Daten gespeichert und du kannst deinen Account wieder aktivieren. Drei Monate nach Deaktivierung werden die Daten dann komplett gelöscht.

9. Nachteile

Der grosse Nachteil von myCloud: Die persönlichen Daten werden zwar zwischen Gerät und Datencenter verschlüsselt übertragen, liegen dann aber unverschlüsselt auf den Servern. Die NZZ am Sonntag vergleicht das in ihrer neusten Ausgabe damit, als ob man einem Swisscom-Mitarbeiter einen Schlüssel zur eigenen Wohnung aushändigte. Laut den allgemeinen Geschäftsbedingungen kann Swisscom die Nutzungsdaten auf Kunden zurückführen, um eine persönliche Kommunikation zu ermöglichen. “Die Daten werden in keinem Fall für personalisierte Werbung verwendet”, lässt sich ein Sprecher zitieren.

Auch bein den Funktionen gibt es einige Abstriche: Wer seine Fotos nicht automatisch, sondern manuell in die myCloud speichern will, kann nur fünf Bilder auf einmal hochladen. Momentan gibt es ausserdem noch keinen Offline-Modus und keine Suchfunktion. Hier will Swisscom demnächst nachbessern. Ebenfalls nicht möglich sind gemeinsame Fotoalben. Auch diese Funktion will Swisscom zu einem späteren Zeitpunkt nachrüsten.


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