Das sagt Tarantino über Weinstein

Quentin Tarantino und Harvey Weinstein waren mehr als nur Arbeitskollegen.
Quentin Tarantino und Harvey Weinstein waren mehr als nur Arbeitskollegen. © Kevin Winter/Getty Images
Lange hat er geschwiegen, jetzt äussert sich Quentin Tarantino endlich zu den Missbrauchsvorwürfen gegen den Produzenten Harvey Weinstein.

Harvey Weinstein und Quentin Tarantino verbindet eine langjährige Partnerschaft – und auch Freundschaft. Umso mehr wurde ein Statement des Regisseurs zu den Missbrauchsvorwürfen erwartet. Nach rund einer Woche liess sich Tarantino lediglich in einem kurzen Statement auf Twitter zitieren. Er schrieb, dass er «zu den Enthüllungen über Harvey Weinstein, meinen Freund seit 25 Jahren, am Boden zerstört» sei. Er brauche noch ein paar Tage, um «meinen Schmerz, meine Emotionen, meine Wut und meine Erinnerungen zu verarbeiten». Dann werde er sich ausführlich dazu äussern.

«Mehr als nur Gerüchte»

Jetzt ist es endlich soweit. In einem grossen Interview mit der «New York Times» nimmt Quentin Tarantino Stellung. Er sagt, dass er seit vielen Jahren von Fällen von sexuellem Missbrauch durch Weinstein wusste. Er habe jedoch schlicht zu wenig getan, um die Frauen zu schützen: «Ich wusste genug, um mehr zu tun, als ich tat. Hätte ich damals richtig reagiert, wäre es nie zu einer solch langen Zusammenarbeit gekommen.»

Tarantino sagt, dass er es bereue, nicht mehr Verantwortung übernommen zu haben und die Opfer zu betreuen. «Es war klar, dass mehr dahinter steckte, als die normalen Gerüchte, der übliche Tratsch», sagte er. «Ich wusste, dass er einige dieser Dinge machte. Ich wünschte, ich hätte Verantwortung übernommen.»

Sogar Freundin erzählte von Missbrauch

Der Star-Regisseur sagt, dass er von einem Vergleich zwischen Rose McGowan und Weinstein wusste. Und seine frühere Freundin Mira Sorvino habe ihm einmal von einem Treffen mit Weinstein erzählt, bei dem der Produzent sie angemacht und berührt habe. «Ich konnte nicht glauben, dass er das so offen machte», sagt Tarantino. «Damals dachte ich, dass er halt einfach Mira besonders gut möge.»

«Ich habe immer wieder von Einzelfällen gehört und nicht das grosse Bild gesehen. Ich habe den Missbrauch marginalisiert. Natürlich tönt jetzt alles, was ich sage, nach einer billigen Entschuldigung», sagt Tarantino.

Tarantino habe zu Beginn gedacht, dass Weinstein halt «ein 50er-60er-Studioboss ist, der die Sekretärin um den Tisch jagt». Weiter: «Ich weiss, dass auch dieses Verhalten nicht ok ist. Weil ich damals nicht richtig reagiert habe, stehe ich heute blöd da.»

Umdenken gefordert

Im Interview habe Tarantino immer wieder ein Umdenken in Hollywood gefordert, schreibt die «New York Times». «Wir Männer haben dieses System zu lange toleriert, weil es halt immer so lief», sagt er. Seit der Skandal um Harvey Weinstein bekannt geworden ist, habe Tarantino keinen Kontakt mehr mit ihm gehabt. «Ich versuchte, ihn mehrmals anzurufen. Vergebens.»

Harvey Weinstein hat von «Reservoir Dogs» über «Pulp Fiction» bis hin zu «The Hateful Eight» alle Filme Tarantinos produziert.

(rr)


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