Das sind Hüppis grösste Baustellen

Matthias Hüppi, neuer Präsident des FCSG, muss mehrere Baustellen baldmöglichst angehen.
Matthias Hüppi, neuer Präsident des FCSG, muss mehrere Baustellen baldmöglichst angehen. © Keystone/Benjamin Manser
Der FC St.Gallen macht einen Neuanfang. Er hat die gesamte Führungsriege ausgetauscht. Der gesamte bisherige Verwaltungsrat macht Platz für Matthias Hüppi und vier Mitstreiter. Das sind ihre grössten Baustellen.

Sportchef

Hüppis wohl grösste Baustelle ist die seit rund einem halben Jahr vakante Stelle des Sportchefs. Während sein Vorgänger nie konkrete Anstalten machte, diese wieder zu besetzten, muss die Suche nach einem sportlichen Leiter für Hüppi ganz oben auf der Liste stehen. An der kurzfristig angesetzten Medienkonferenz betonte Hüppi mehrmals: «Die Stelle des Sportchefs werden wir so schnell wie möglich besetzen.» Mögliche Wunschkandidaten nennt der neue Präsident noch keine. In den vergangenen Tagen tauchte der Name von Marcel Koller immer wieder auf. Der 57-Jährige führte die St.Galler im Jahr 2000 zum Meistertitel. Koller wurde im Herbst als Trainer der Österreichischen Nationalmannschaft entlassen.

Finanzen

Der FC St.Gallen schloss die Saison 16/17 finanziell sehr schlecht ab. Am Schluss resultierte ein dickes Minus von über 2,5 Millionen Franken. So kann es nicht weitergehen. Der FCSG muss seine Finanzen baldmöglichst wieder ausgeglichen gestalten können – eine wichtige Aufgabe für den neuen Verwaltungsrat. Mit Christoph Hammer nimmt hierfür ein erfahrener Mann Platz im Verwaltungsrat. Der studierte Betriebsökonom HWV ist als Group CFO Mitglied der SBB Konzernleitung. Zuvor war er unter anderem globaler Controlling-Leiter der Hilti-Gruppe.

Machtkämpfe

Immer wieder war innerhalb des FC St.Gallen von Machtkämpfen zu lesen. Auch von Clans innerhalb des Vereins war die Rede. Zwei Namen, die diesbezüglich immer wieder gefallen sind: Marco Otero und Ferruccio Vanin. Matthias Hüppi muss es gelingen, alle Personen im Verein hinter sich zu einen. An der Medienkonferenz sagte er: «Mit allen, die wollen, die bereit sind, konstruktiv mitzuarbeiten, werden wir das Gespräch suchen. Wir werden versuchen, die Fähigkeiten von jeder und jedem ins positive Gesamte einzubringen. Sodass wir den Weg gemeinsam gehen können.» Dass es innerhalb des Vereins einen Konsens gibt, ist wichtig. Feruccio Vanin scheidet zwar aus dem Verwaltungsrat aus, er ist aber weiterhin der Leiter der Talentschmiede Future Champs Ostschweiz.

Verstärkungen

Trotz der angespannten finanziellen Lage muss es dem FC St.Gallen gelingen, sich in der Winterpause zu verstärken. Handlungsbedarf besteht vor allem in der Innenverteidigung und im Sturm. Seit dem Abgang von Albian Ajeti fehlt dem FC St.Gallen ein richtiger Knipser. Bekanntlich ist es in der Winterpause allerdings schwierig, preiswerte, gute Spieler zu holen. Definitiv keine einfache Aufgabe für die neue Führung, aber eine wichtige. Trotz des aktuell fünften Tabellenplatzes darf man nicht vergessen, dass der Rückstand auf das letztplatzierte Sion nur sieben Punkte beträgt. Verliert man am Samstag, schmilzt der Abstand dahin.

Zuschauerschwund

Dass die Fans die Nase voll haben von der Konzeptlosigkeit im Verein und auf dem Platz, spiegelt sich auch in den Besucherzahlen wider. Vor drei Wochen zum Heimspiel gegen Lugano sind erstmals seit über fünfeinhalb Jahren weniger als 10’000 Zuschauer ins Stadion gepilgert. Nur 9987 Besucher – eine alarmierende Zahl für Ostschweizer Verhältnisse. Aber nicht nur, dass die Zuschauer immer weniger werden, auch die Euphorie ist an einem Tiefpunkt angelangt. An der Pressekonferenz sagt Hüppi: «Es ist eine Tatsache, dass wir weniger Publikum im Stadion haben. Die Erklärung, dass die Zuschauerzahlen in der ganzen Super League rückläufig sind, reicht mir nicht. Wir brauchen ein volles Stadion.» Dies zu erreichen, wird eine Herausforderung. Denn momentan scheint sich das Ostschweizer Publikum weniger denn je mit seinem Fussballclub identifizieren zu können. Und Hüppi weiss nur zu gut, dass der Fussball in St.Gallen zu einem grossen Teil von der Euphorie und der Begeisterung des Publikums lebt. Dem neuen Präsidenten selbst mangelt es nicht an Euphorie. Hüppi ist Feuer und Flamme für Grün-Weiss. Ob er es schafft, die Leidenschaft auch bei den Fans neu zu entfachen?

(stm/cas)


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