«Das wird eine Herkulesaufgabe»

Von Sandro Zulian
Die geplante Übernahme von Looser durch Arbonia birgt Chancen und Risiken.
Die geplante Übernahme von Looser durch Arbonia birgt Chancen und Risiken. © FM1Today/cro/Tagblatt
Die Industriegruppe Looser aus Arbon wird von der ebenfalls am Bodensee beheimateten AFG übernommen. Für Wirtschaftsexperte Martin Spieler birgt diese Übernahme grosse Chancen – aber auch viel Risiko, unter anderem für das Personal.

Gerade war die Looser Holding noch im Fokus der Medien, als 190 Arbeitsplätze auf dem Spiel standen. Hintergrund der Abbaupläne: Ein geplanter Verkauf. An wen war bis anhin unklar. Jetzt ist es raus: Der Bauausrüster Arbonia Forster kauft die Industriegruppe Looser für eine halbe Milliarde Franken. Dieser Entscheid ist logisch und ergibt Sinn, sagt Wirtschaftsexperte Martin Spieler. Doch die Arbeitsplätze könnten dennoch auf wackligen Beinen stehen.

Grosse Herausforderungen auf beiden Seiten

Käuferin AFG steckt momentan in einem tiefgreifenden Restrukturierungsprozess. Erst im März gab der Bauausrüster bekannt, dass er bis zu 200 Stellen streichen muss, weil die Fensterproduktion von AFG-Tochter Ego Kiefer im Ausland billiger ist. «Industriell ergibt dieser Zusammenschluss durchaus Sinn», so Wirtschaftsexperte Martin Spieler. «Damit entsteht in Zentraleuropa ein sehr grosses Unternehmen im Bereich der Gebäudetechnik.» Die neu geschaffene «Arbonia» wird damit zum Marktführer im Bereich Türen und Fenster. «Speziell in Deutschland, wo bald ein Boom im Bereich Wohnungsbau zu erwarten ist.» Für die Käuferin Arbonia Forster ist diese Fusion aber auch eine riesige Herausforderung. «Wenn man sich die aktuelle Lage der Arbonia Forster anschaut, so dürfte das eine zusätzliche Herkulesaufgabe werden.»

Chancen für’s Personal – aber auch Risiken

Der Zusammenschluss von AFG und Looser habe für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zwei Seiten, so Spieler. «Wenn der Zusammenschluss reibungslos verläuft, so ist dies sicher eine grosse Chance für die Mitarbeitenden.» Es entstehe ein grösseres, stärkeres Unternehmen. «Andererseits bringt es viel Unruhe über das Personal. Es wird intern noch einiges verändert werden.» Spieler schliesst auch weiteren Stellenabbau nicht aus. «Für mich überwiegen aber ganz klar die positiven Seiten.»

Keine Ruhe bis 2018

«So etwas geht nicht in zwei Monaten über die Bühne», so Spieler. Seiner langjährigen Erfahrung im Wirtschaftsbereich zufolge ist ein solcher Zusammenschluss unter zwei Jahren nicht zu bewerkstelligen. «Häufig geht es sogar noch länger.» Letztlich heisse diese Veränderung für beide Unternehmen in erster Linie Unsicherheit. «Zu einem späteren Zeitpunkt kommen dann die Chancen. Jetzt muss die Unternehmensleitung im Detail aufzeigen, wie sie diese Integration umsetzen will.»

Bedeutende Arbeitgeber in der Region

Die Arbonia Forster beschäftigt derzeit 6200 Personen. Im vergangenem Jahr hat das Unternehmen 941,4 Millionen Franken umgesetzt. Wegen Verlagerungskosten schrieb AFG einen Verlust von 177,1 Millionen Franken. Looser hat 2015 436,4 Millionen Franken umgesetzt und einen Konzerngewinn von 23,6 Millionen Franken geschrieben. Das Unternehmen beschäftigt 2200 Mitarbeitende.


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