Katz- und Maus-Spiel von Demonstranten und Polizei in Bern

Polizisten in Vollmontur bringen sich in Bern in Stellung (Archivbild)
Polizisten in Vollmontur bringen sich in Bern in Stellung (Archivbild) © Keystone/PETER KLAUNZER
Linksautonome Demonstranten haben sich am Samstag in Bern mit der Polizei ein Katz- und Maus-Spiel geliefert. Die Demonstranten waren in kleineren Gruppen unterwegs und liessen die Proteste immer wieder aufflammen.

Bereits vor einer Woche hatte die Polizei einen unbewilligten “Antifaschistischen Abendspaziergang” unterbunden. “Wir kommen wieder”, kündigte daraufhin die Revolutionäre Jugend Gruppe Bern an.

Dieses Mal formierten die Demonstranten nicht einen grossen Kundgebungszug, sondern tauchten in grösseren und kleineren Gruppen in der Berner Innenstadt zu spontanen Protesten auf.

Die Polizei war mit einem Grossaufgebot vor Ort. Im Einsatz standen auch Polizeiangehörige anderer Kantone des Nordwestschweizer Polizeikonkordats.

Eine erste Gruppe stoppte die Polizei in der Nähe der Reitschule. Kurz nach 14 Uhr tauchte eine Gruppe von etwa hundert Personen bei der Heiliggeistkirche beim Berner Bahnhof auf.

Mit Transparent, Fahnen und Sprechchören machten sich die Demonstranten auf den Weg Richtung Hirschengraben, um gegen Rassismus, restriktive Asylpolitik und den “dauernden Rechtsrutsch in der Schweiz” zu protestieren.

Weit kam die Gruppe allerdings nicht. Nach knapp 150 Metern hatte die Polizei die Demonstranten vor der Markthalle eingekesselt. Ein knappe halbe Stunde später wurde eine weitere Demonstrantengruppe in der nahen Spitalgasse eingekesselt.

Via Twitter rief die Revolutionäre Jugend Gruppe immer wieder zu neuen Versammlungspunkten auf. Die Polizei setzte verschiedentlich Gummischrot gegen die Demonstranten ein.

Die Bernerinnen und Berner nahmen das Treiben in der Innenstadt erstaunlich gelassen. Die Einkaufsbummler unter den Lauben liessen sich jedenfalls nicht allzu sehr stören und gingen ihres Weges. Nur wenige Meter hinter den Polizeikordons sangen Strassenmusikanten, und in den Warenhäusern war das samstägliche Gedränge gross.

Auf den öffentlichen Verkehr hatte das Geschehen hingegen grössere Auswirkungen. In der Innenstadt war wegen der Polizeikessel auf der Hauptachse vom Bubenbergplatz zum Zytglogge zeitweise kein Durchkommen mehr.

Die eingekesselten Gruppen wurden den ganzen Nachmittag über festgehalten. Die Polizei habe Personenkontrollen durchgeführt. Jene Demonstranten, welche sich der Kontrolle widersetzt hätten, seien zur Polizeiwache abgeführt worden, sagte die Sprecherin der Berner Kantonspolizei auf Anfrage.

Einige Demonstranten hätten versucht, die Kette der Polizisten zu durchbrechen – dabei habe die Polizei Gummischrot eingesetzt.

Nach letzten Scharmützeln im Berner Länggassquartier begann sich die Lage kurz nach 17 Uhr zu beruhigen. Kurz nach 18 Uhr teilte die Revolutionäre Jugend Gruppe via Twitter mit, die Demonstrationen seien beendet.

Die Berner Stadtregierung hatte die Polizei angewiesen, sowohl den “Antifaschistischen Abendspaziergang” vor einer Woche wie auch die Kundgebung am Samstag zu verhindern. So kurz vor den eidgenössischen Wahlen eine Kundgebung mit hohem Risikopotenzial zu tolerieren, erschien dem Gemeinderat unverantwortlich.

Er verwies auf eine Regelung, wonach vor eidgenössischen Wahlen in Bern nur Platzkundgebungen durchgeführt werden dürfen – und auch nur solche, die nicht auf dem Bundesplatz stattfinden.

Die Organisatoren der Kundgebungen sahen sich dadurch in ihrer Meinungsäusserungsfreiheit beschnitten.

Mit Kundgebungen vor eidgenössischen Wahlen machte die Stadt Bern im Oktober 2007 schlechte Erfahrungen. Damals kam es am Rande einer SVP-Kundgebung und einer Gegendemonstration zu wüsten Krawallen.

(SDA)


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