Der Laubbläser ist des Igels Tod

Im Igelzentrum in Kreuzlingen werden Baby-Igel aufgepäppelt.
Im Igelzentrum in Kreuzlingen werden Baby-Igel aufgepäppelt. © Igelstation Kreuzlingen
In dieser Zeit des Jahres tun die Igel genau das, was jeder von uns am Liebsten tun würde: sie verkriechen sich und schlafen, den ganzen Winter über. Leider werden immer mehr Igel bei ihrem Winterschlaf gestört. Die Ostschweizer Igelstationen zählen immer mehr verletzte oder unterkühlte Igel, weil die Menschen ihre Nester zerstören.


«Ich habe letzte Woche einen Wurf von fünf kleinen Igel-Babys erhalten», sagt Rosie Schmitz-Diethelm vom Igelzentrum in Kreuzlingen. Im Moment sei die Situation katastrophal: «Den kleinen Igeln geht es jämmerlich. Ihre Mütter sind bereits im Winterschlaf, sie wiegen zwischen 180 und 200 Gramm, sind unterernährt, unterkühlt und können zum Teil nicht fressen, weil ihr Hirn schon im Status Winterschlaf steckt.»

Im Moment seien die Igel auf der Suche nach einem Platz zum Überwintern: «Leider werden die Übernachtungsmöglichkeiten für Igel immer seltener», erklärt Rosie Schmitz-Diethelm. Darum kämen sie auch immer näher an Siedlungsgebiete heran: «Sie verstecken sich auf Sitzplätzen oder unter dem Gartengrill. Die Möglichkeiten sind beschränkt.»

Laub liegen lassen

Der grösste Feind für den Igel ist der Mensch. Weil dieser mit Laubbläsern und Rechen das Laub entsorgt, zerstöre er dadurch den Lebensraum des Igels: «Oft sind sich die Menschen nicht bewusst, was sie tun. Erst wenn das ganze Laub weg ist, sehen sie, dass darunter ein kleiner Igel hockt.»

Auch wenn unter dem Laub kein Igel sei, hat es dort Insektenlarven welche später eine wichtige Nahrung für die Igel sind. Deshalb appelliert Rosie Schmitz-Diethelm an jeden Gartenbesitzer: «Lasst das Laub liegen!» Zumindest unter den Sträuchern.

«Schlimmes Jahr für den Igel»

Auch die anderen Auffangstationen der Schweiz haben in diesem Jahr besonders viele Igel, die aufgepäppelt werden müssen, sagt Rosie Schmitz-Diethelm: «Es ist ein sehr schlimmes Jahr für die Igel. Da es immer wieder kalt und dann wieder warm war.»

Ausserdem hatten die Stationen in diesem Jahr viele Igel mit Schnittverletzungen. «Wir hatten noch nie so viele Igel, die von Rasenrobotern verletzt wurden», sagt Rosie Schmitz-Diethelm. Oft würden die Roboter in der Nacht eingesetzt, da die Igel nachtaktive Tiere sind, kämen sie immer wieder in einen Rasenmäher.

Füttern erlaubt

Die Igel in der Auffangstation werden im Moment aufgepäppelt, gewärmt und mit Infusionen versorgt. Rosie Schmitz-Diethelm hofft, dass die Igel den Winter überleben und sich die Menschen mehr bewusst werden, dass das Laub das Zuhause der Igel ist: «Es darf weiterhin sauber gemacht werden, verzichtet doch aber auf das Laubwischen unter den Sträuchern. Wenn man einen ganz kleinen Igel sieht, sollte man ihn sofort einem Tierarzt oder einer Auffangstation bringen und wenn man einen grösseren Igel Zuhause hat, darf man ihn ruhig füttern.»

(abl)


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