Der Mann hinter der kybun AG

Von Dumeni Casaulta
Karl Müller hat Millionen verdient und wieder verloren.
Karl Müller hat Millionen verdient und wieder verloren. © Tagblatt/Ralph Ribi
Das Stadion des FC St.Gallen heisst ab Juli kybunpark. Das Unternehmen aus Roggwil will damit bekannter werden. Der Mann hinter dem Unternehmen, Karl Müller, hat schon einiges erlebt. Seine unternehmerischen Tätigkeiten sind geprägt von Höhen und Tiefen. Er stampfte Firmen aus dem Boden, eröffnete ein Heim für Drogensüchtige, verspekulierte Millionen und fand zu Gott.

Zwischen dem FC St.Gallen und Karl Müller lassen sich Parallelen ziehen. Bei beiden ist es nicht immer rund gelaufen. Es gab Höhepunkte und Rückschläge. Trotzdem: Beide liessen sich nicht unterkriegen, haben gekämpft und stehen heute auf stabilem Boden. Jetzt gehen Müller mit seiner kybun AG und der FCSG eine langjährige Partnerschaft ein. Mindestens zehn Jahre soll sie dauern. Beständigkeit, nicht gerade etwas, was Karl Müllers Leben geprägt hat, wie ein Rückblick zeigt.

Nach seinem Maschinenbaustudium an der ETH Zürich geht Müller als 26-Jähriger 1979 nach Südkorea, um die Sprache zu lernen. Er studiert an der Seoul National University. Nach sieben Monaten wird der koreanische Präsident Pak ermordet. In Folge der monatelangen Massendemonstrationen wird die Universität geschlossen.

In Korea zwölf Unternehmen aufgebaut

Wie weiter? Der Zufall hilft Müller in dieser Situation. Auf dem Fussballplatz hat er Schweizer Köche kennengelernt. Sie arbeiten für internationale Hotels und suchen jemanden der Schweizer Produkte einführt. Müller übernimmt diese Aufgabe, von da an geht es mit dem Ostschweizer steil aufwärts. Er baut in den folgenden Jahren in Korea zwölf Unternehmen auf. Darunter vier Restaurants. Gleichzeitig hatte er sich in einen Leistungswahn gesteigert, wie er vor einigen Jahren dem Swiss Equity magazin sagte. Er musste sein Leben umkrempeln.

Müller wird zum Bibelgläubigen

Um wieder gesund zu werden, verkauft Müller 1990 alle Firmen und kehrt an den Bodensee zurück. Er kauft einen Bauernhof und ist jahrelang Selbstversorger. In dieser Zeit gründete er in Arbon ein Drogenheim. Ausserdem studierte er die Bibel und wird zu einem Bibelgläubigen. Das ist bis heute so. “Ich glaube an den Gott der Bibel und sehe meine Berufung darin, mein Leben und meine Arbeit ganz nach dem Willen Gottes auszurichten und als Nachfolger seines Sohnes Jesus unterwegs zu sein”, sagte Müller dem Tagblatt 2014. Finanziell half ihm der Glauben nicht: Das Drogenheim verschlang viel Geld. Mit einem Gemüselieferdienst und dem Verkauf von Holzspielsachen hält er sich über Wasser.

MBT-Schuh als Goldesel

Die Beziehungen nach Südkorea sind in der Zeit nicht abgebrochen. Als Müller Probleme mit der Achillessehne hatte, präsentierte ihm ein Südkoreaner einen Gesundheitsschuh ohne Absatz. Müller ging es dank des Schuhs gesundheitlich besser, die Idee überzeugte ihn aber nicht. Ihm schwebte ein Schuh mit runder Sohle vor. Er erforscht und entwickelt ein Konzept. Im Jahr 1997 bringt er den MBT Schuh auf den Markt. Die “gesunden Schuhe” aus Roggwil werden zu einen Welterfolg. Sie werden in der Folge von Ärzten und Physiotherapeuten empfohlen.

Wie gewonnen, so zerronnnen

Müller und seine Mitstreiter sind sich in strategischen Fragen aber nicht einig und so trennen sich 2006 die Wege. Für eine niedrige dreistellige Millionen-Summe gibt Müller die Markenrechte von MBT ab. Damals tüftelte er bereits an einem neuen Gesundheitsschuh. Bevor er diesen auf den Markt brachte, geriet er aber nochmals auf finanzielle Abwege. Er begann am Devisenmarkt zu spekulieren und verlor dabei all das Geld, dass er mit dem MBT-Verkauf verdient hatte.

Erfolg mit Schuhen zum Zweiten

In der Folge konzentrierte sich Müller wieder auf das Schuhgeschäft und präsentierte 2008 den “kyboot”. Auch er hat – wie der MBT – eine besondere Sohle. Heute ist der Schuh ein Bestandteil des “kybun Bewegungskonzeptes”, zu dem auch der elastische Federboden “kyBounder” und das weiche Laufband “kyTrainer” gehören.

FCSG Engagement als Herzensangelegenheit

Karl Müller gibt sich als geläuterter Manager. Wichtiger als das Geschäft seien ihm gute Beziehungen zu den Menschen, sagte er dem Swiss Equity Magazin. So sieht er sein Engagement beim FC St.Gallen nicht nur als geschäftliche, sondern auch als Angelegenheit des Herzens. “Seit ich vor 50 Jahren das erste Mal im Espenmoos war, schlägt mein Herz für den FCSG”, sagt Müller. Er betont, dass man den Vertrag unterschrieben habe, bevor klar war, ob St.Gallen in der Super League bleibt. “Herzensbeziehungen bricht man nicht ab, wenn es dem Partner schlecht geht.” (cas)


Newsletter abonnieren
3Kommentare
noch 1000 Zeichen

HTML-Version von diesem Artikel