Der Mann mit den Baumhänden

Aufnahme vor der ersten Operation: Abul Bajandar aus Bangladesch leidet unter der seltenen Baum-Mann-Krankheit.
Aufnahme vor der ersten Operation: Abul Bajandar aus Bangladesch leidet unter der seltenen Baum-Mann-Krankheit. © (EPA/ABIR ABDULLAH)
Jeden Monat werden weltweit zwei neue Krankheiten entdeckt. An einigen Krankheiten leiden nur sehr wenige Menschen. Die sogenannte “Baum-Mann-Krankheit” ist eine davon.

Die Hände sehen aus wie Baumwurzeln, an den Füssen wuchern holzige Warzen. Menschen, die an der Baum-Mann-Krankheit – im Fachbegriff Epidermodysplasia verruciformis – leiden, sind völlig entstellt.

Von seltenen Krankheiten spricht man, wenn weniger als fünf von 1000 Patienten daran leiden. Menschen mit seltenen Krankheiten haben es besonders schwer, denn Ärzte und Wissenschaftler stehen vor medizinischen Rätseln.

Die “Baum-Mann-Krankheit” ist ein Gendefekt, der dafür sorgt, dass Hände und Füsse von Hautflecken und Papeln, im Extremfall sogar von grossen Warzen überwuchert werden. Die Haut ist in diesem Bereich besonders anfällig für humane Papillomaviren, welche die Warzenbildung verursachen.

Gewichtige Wucherungen

Seit acht Jahren leidet auch der 26-jährige Abul Bajandar aus Bangladesch an der extrem seltenen Erkrankung. Das Ärzteteam in seiner Heimatstadt Khulna war völlig ratlos, bis er im Dhaka Medical College Hilfe fand. Nach der dortigen Operation geht es dem Rikscha-Fahrer besser. Ein Ärzteteam hat ihm Anfang des Jahres Wucherungen an der rechten Hand entfernt. Höchstwahrscheinlich sind aber ein Dutzend weitere Operationen nötig.

Der 26-Jährige wurde durch seine Erkrankung zu einer kleinen Berühmtheit. Sowohl in seinem Heimatbezirk als auch im Krankenhaus erhielt er von hunderten Menschen Besuch. Die Wucherungen erreichten zuletzt ein Gesamtgewicht von mindestens fünf Kilogramm.

Berühmt durch Anomalie

Als erster Mensch machte der Indonesier Dede Kosiwara vor Jahren die äusserst seltene Krankheit bekannt. Er wurde damals mehrfach operiert. Durch einen Unfall hatte sich der Mann mit dem humanen Papillomavirus angesteckt, das normalerweise zu einer harmlosen Warzenbildung führt. Doch Dedes Immunssystem konnte die Krankheit nicht abwehren. Die Infektion führte dazu, dass dem Mann baumrindenartige Warzen am ganzen Körper wuchsen.

Laut Ansicht von Ärzten könnte die Einnahme von Vitamin A das Immunsystem stärken und das Wachstum der Warzen einschränken. Dede Kosiwara ist dieses Jahr im Alter von 42 Jahren an den Folgen seiner Viruserkrankung verstorben.

(red)


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