Detailhandelsumsatz im Juni erneut deutlich tiefer

Viele Waren in den Schweizer Supermärkten bleiben liegen. Ein Grund dafür ist der Einkaufstourismus im benachbarten Ausland im Zuge der Frankenaufwertung.
Viele Waren in den Schweizer Supermärkten bleiben liegen. Ein Grund dafür ist der Einkaufstourismus im benachbarten Ausland im Zuge der Frankenaufwertung. © KEYSTONE/CHRISTIAN BEUTLER
Der Abwärtstrend hält an: Die Schweizer Detailhändler haben im Juni erneut weniger verkauft als ein Jahr zuvor. Im Juni 2016 nahmen sie im Vergleich zum entsprechenden Vorjahresmonat real, also bereinigt um Verkaufs- und Feiertagseffekte, um 3,9 Prozent ab.

Nominal fielen sie gar um 4,6 Prozent, wie das Bundesamt für Statistik (BFS) am Dienstag mitteilte. Schon in den vier Monaten zuvor waren die Umsätze gesunken.

Der Detailhandel ohne Treibstoffe verzeichnete dabei im Vorjahresvergleich real ein Minus von 3,7 Prozent, nominal von 4,2 Prozent.

Der Detailhandel mit Nahrungsmitteln, Getränken und Tabakwaren verbuchte real ein Minus von 1,7 Prozent und nominal von 1,5 Prozent, während der Nicht-Nahrungsmittelsektor wiederum ein reales Minus von 5,1 Prozent registrierte (nominal -6,8 Prozent).

Im Vergleich zum Vormonat gingen die realen Detailhandelsumsätze saisonbereinigt um 0,5 Prozent zurück, nominal um 0,6 Prozent. Ohne Treibstoffe nahm der Umsatz real um 0,5 Prozent und nominal um 0,6 Prozent ab. Der Detailhandel mit Nahrungsmitteln, Getränken und Tabakwaren ist real um 0,7 Prozent gesunken (nominal -0,6 Prozent) und hat im Nicht-Nahrungsmittelsektor real und nominal um 0,6 Prozent abgenommen.

Damit reiht sich der Juni in einen Abwärtstrend, der sich bereits seit 2010 zeigt und der 2015 einen Tiefstpunkt erreicht hatte. Laut den Konjunkturforschern von Bakbasel nahmen die Detailhandelsumsätze zwischen 2010 und 2015 um insgesamt 0,4 Prozent ab. 2015 lag das Minus bei 2,3 Prozent. Für 2016 prognostiziert Bakbasel einen nominalen Umsatzrückgang von 0,8 Prozent.

Dabei zeigen sich markante Unterschiede zwischen den Bereichen Food und Non-Food. Für den Bereich Lebensmittel erwartet Bakbasel, dass die Preise auf dem Niveau von 2015 stagnieren werden. Weil jedoch die Nachfrage leicht zulege, sei mit einer Zunahme der wertmässigen Umsätze zu rechnen.

Äusserst trübe sind jedoch die Aussichten für den Bereich Non-Food. Hier gehen die Konjunkturforscher von Bakbasel von signifikanten Nachfragerückgängen und deutlich sinkenden Preisen aus. Das wird im Gesamtjahr 2016 “zu einem kräftigen nominalen Umsatzminus im Non-Food-Sektor” führen, wie es in einer Mitteilung von Dienstag heisst.

Dabei wird, wie im Vorjahr, der Bekleidungsdetailhandel mit einem Minus von 6,2 Prozent im Gesamtjahr den kräftigsten Nachfragerückgang hinnehmen müssen. Als Gründe für die negative reale Umsatzentwicklung führt Bakbasel die ungünstige Wetterlage in der ersten Jahreshälfte und den hohen Konkurrenzdruck ausländischer Anbieter ins Feld.

Diesen Druck spiegeln die Umsätze im Online- und Versandhandel wider: Während beispielsweise 2012/2013 der Detailhandel in der Schweiz insgesamt um gerade 0,3 Prozent zunahm, legte der der Online- und Versandhandel um 9,7 Prozent zu. Die grenzüberschreitenden Onlineeinkäufe mit Lieferung in die Schweiz nahmen von 2008 bis 2015 um überproportionale 22 Prozent zu.

Dabei sank der Landesindex der Konsumentenpreise 2015 im Vergleich zum Vorjahr um 1,1 Prozent. Für 2016 rechen die Konjunkturforscher mit minus 0,6 Prozent. Der Preiszerfall verlangsamt sich demnach im laufenden Jahr. “Damit liegt das Preisniveau im Schweizer Detailhandel 2016 auf dem Stand von 1990”, schreibt Bakbasel.

(SDA)


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