Deutsches Nationalteam verbrachte Nacht im Stade de France

Deutschlands Bundestrainer Joachim Löw und seine Spieler mussten im Stadion bleiben
Deutschlands Bundestrainer Joachim Löw und seine Spieler mussten im Stadion bleiben © KEYSTONE/EPA/IAN LANGSDON
Die deutsche Nationalmannschaft ist nach dem Länderspiel in Paris und den Terroranschlägen nicht zurück ins Hotel gefahren. Die Spieler verharrten die Nacht von Freitag auf Samstag im Stade de France.

Eigentlich hatte das deutsche Nationalteam geplant, am Sonntagmittag von Paris nach Hannover zu reisen. Doch nach den verheerenden Anschlägen in der französischen Hauptstadt kehrte die Delegation vom Stadion in Saint-Denis gar nicht mehr zurück ins im Zentrum von Paris gelegene Hotel. Sie musste die Nacht in der Garderobe verbringen. Am frühen Samstagmorgen wurde der Teambus von einer Polizeieskorte mit Blaulicht Richtung Flughafen Charles de Gaulle begleitet.

Kurz nach neun Uhr startete die Sondermaschine mit dem deutschen Team in Richtung Frankfurt am Main, wo es eine Stunde später gelandet ist. Das Flugzeug war extra aus Deutschland gekommen und stand auf dem Flughafen auf einer Aussenposition weit weg vom Terminal. Polizeiwagen und zwei Beamte mit Maschinengewehren waren neben dem Flugzeug postiert.

Den Spielern wurde nach der schlaflosen, nervenaufreibenden Nacht ein freier Tag im Kreis der Familie zugestanden. Teammanager Oliver Bierhoff sagte zu den Erlebnissen in Paris: “Das war natürlich sehr bewegend. Wir waren schockiert und stark berührt. Man hat es einfach gemerkt: Auch die Spieler waren sehr ängstlich. Die Informationslage war nicht immer so ganz klar. Man wollte auch jedem Risiko aus dem Weg gehen.”

Keine Panik im Stade de France

Der erste der Anschläge, die über 120 Menschen das Leben kosteten, fand in unmittelbarer Nähe des Stade de France in Saint-Denis statt, wo Frankreich und Deutschland am Freitagabend das Länderspiel bestritten. Den 80’000 Zuschauern war das gesamte Ausmass der Ereignisse während der Partie nicht bekannt, trotzdem herrschte Unruhe. Zwei Detonationen waren während der Partie zu hören gewesen. Das Stadion war teilweise komplett abgeriegelt worden. Nach dem Schlusspfiff wurden die Tore – auch zum Rasen hin – geöffnet, um eine Massenpanik zu verhindern.

Tausende strömten in den Innenraum der Arena. Vor dem Stadion liefen kurzzeitig Menschen hektisch durcheinander, als ein Tor wieder geschlossen wurde. Verletzte soll es rund um das Stadion keine gegeben haben. Nach und nach wurden die Besucher von Ordnern in gelben Overalls vom Rasen aus dem Stadion geleitet. Es blieb erstaunlich ruhig, das Krisenmanagement in der Arena, wo im kommenden Sommer bei der EM unter anderem das Eröffnungsspiel und der Final stattfinden werden, funktionierte gut.

(SI)


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