Die Bad-Boys des FC St.Gallen

Die Bad-Boys des FC St.Gallen
© Benjamin Manser/St.Galler Tagblatt
Der FC St.Gallen geht mit der Verpflichtung von Batuhan Karadeniz nicht nur ein sportliches Risiko ein. Der türkische Stürmer ist immer wieder neben dem Platz negativ aufgefallen. Ein Blick in die Geschichte zeigt: Manchmal lohnen sich aber solche Risiken.

Der 1,95 Meter grosse türkische Sturmtank Karadeniz ist mit seinen jungen 24 Jahren bereits mehrfach in der Türkei wegen Undiszipliniertheiten aufgefallen. Karadeniz ist nicht das erste potentielle Sorgenkind, das für den FCSG unterschrieben hat. Geht man in der Geschichte einige Jahre zurück, haben bereits einige Enfants terribles für die Espen gekickt. Wir haben sie für euch zusammengetragen.

Eric Hassli

Zumindest von der Grösse und von der Position erinnert Karadeniz an Eric Hassli. Der Franzose kam Anfang 2005 von Servette zum FCSG. Die Vorzeichen standen nicht gut. Hassli überwarf sich immer wieder mit seinen Trainern. Bei seinem ersten Club Metz war er nicht mehr erwünscht, bei Southampton wurde er während seines halben Jahres beim Verein nicht ein einziges Mal eingesetzt, bei Xamax und Servette schaffte er nie den Sprung zum Stammspieler.

Keystone/Eddy Risch

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Dass Hassli aber Talent hatte, waren sich alle einig. Der Franzose fiel nicht nur durch seine Torgefährlichkeit auf. Mit seinem sehr körperbetonten Spiel war bewegte er sich oft an der Grenze zu Tätlichkeiten. Dass er diese Gratwanderung meisterte, zeigt sich an den wenigen Karten: In knapp 50 Spielen für den FC St.Gallen sah er nur gerade zwei Gelb-Rote Karten und sieben Gelbe Karten.

Hassli spielte später auch für den FC Zürich, mit dem er Meister wurde. Bei den Fans war der Franzose beliebt, bei Trainer Urs Fischer nicht so sehr. So soll Hassli einmal vor dem Spitzenkampf gegen den FC Basel mit Goalie Andrea Guatelli die Nacht durchgefeiert haben. Nach der FCZ-Zeit setzte Hassli seine Karriere in Kanada fort. In seinen ersten drei Einsätzen für die Vancouver Whitecaps wurde er zweimal vom Platz gestellt.

Hanspeter Zwicker

“Ich war unberechenbar. Auf und neben dem Platz.” Das Zitat stammt von Hanspeter “Hampi” Zwicker. Auch er war Stümer. Der gebürtige St.Galler kam über den FC Zürich und Lausanne Sports 1984 zum FC St.Gallen in seine Heimat zurück. Mit nur 1,72 Meter Grösse wurde er nicht nur von seinen Gegenspielern öfters als “Stinkstiefel” bezeichnet.

KEYSTONE/Str

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Zwicker wollte so gar nicht ins Klischee des Vorzeigesportlers passen. Er rauchte, er trank, er war auf jeder Party anzutreffen. Er heiratete jung, liess sich wieder scheiden, heiratete erneut – und trennte sich wieder von seiner Frau. Doch auf dem Platz konnte Zwicker überzeugen. 25 Mal bekam er ein Nati-Aufgebot.

Alberto Regazzoni

Regazzoni wechselte im Januar 2011 von den Young Boys zum FC St.Gallen in die Challenge League. Der Tessiner passte bei den Bernern nicht mehr ins System von Trainer Vladimir Petkovic. Für den FC St.Gallen traf Regazzoni in 24 Challenge-League-Partien vier Mal. Doch “Rega” fiel nicht mit seinen Toren auf. Vielmehr zu reden gab eine Suspendierung, weil er sich nach einer Auswechslung lautstark beschwert hatte. Trainer Jeff Saibene liess nicht mit sich diskutieren.

Keystone/Ennio Leanza

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Nach dem Aufstieg in die Super League bekam Regazzoni wieder eine Chance. Er nutzte sie nicht. Kurz nach dem Start der Saison musste Regazzoni auf der Tribüne Platz nehmen. Saibene warf dem Tessiner vor, im Training nicht vollen Einsatz zu geben. Im Januar 2013 hatte der FC St.Gallen genug. “Alberto Regazzoni spielt keine Rolle mehr in den Planungen des FC St.Gallen”, hiess es.

Brice Owona

Der Kameruner Brice Owona galt als Riesen-Talent als er zum FC St.Gallen kam. Zuvor holte er mit Cotonsport Garoua die kamerunische Meisterschaft und spielte mit dem Verein im Finale der CAF Champions League, der afrikanischen Champions League.

Keystone/Ennio Leanza

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Bei den Ostschweizern machte er aber nur mit Schlagzeilen neben dem Platz auf sich aufmerksam, beim FCSG wurde er hauptsächlich als Joker eingesetzt. 2012 wurde er zu einer bedingten Haftstrafe wegen Vergewaltigung verurteilt. Nur ein Jahr später tauchte Owona im Amtsblatt des Kantons St.Gallen auf: Er wurde wegen einer “Verkehrsregelverletzung” gesucht. Niemand wusste, wo sich der Kameruner aufhielt. Nachdem sich der FC St.Gallen von ihm getrennt hatte, spielte er für zwei Spiele im Tessin bei Biasca. Allerdings hatte er keine Arbeitsbewilligung und wurde wieder aus dem Kader gestrichen. Owona verschwand ähnlich schnell aus dem europäischen Fussball, wie er hier aufgetaucht ist.

(rr)


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