Die kleinste Badi der Ostschweiz

Nach der Schule ist am Brunnen immer die Hölle los.
Nach der Schule ist am Brunnen immer die Hölle los. © FM1Today/Vanessa Kobelt
Es ist wie der Himmel auf Erden: Ein Sprung ins kühle Nass, wenn das Thermometer über 30 Grad anzeigt. Umso praktischer, wenn man eine Abkühlung direkt vor der Haustüre hat. Das sehen auch die Einwohner der Gemeinde Marbach so und funktionieren den Dorfbrunnen in eine kleine Badi um. Kerstin Kobelt badet schon seit 18 Jahren im Brunnen, im Sommer sogar jeden Tag. 

Morgens vor der Arbeit noch schnell ins Wasser springen – das geht eigentlich nur, wenn man einen Pool zuhause hat. Oder aber man wohnt in Marbach. Die Gemeinde mit rund tausend Einwohnern hat seine eigene kleine Badi mitten im Zentrum: Den Dorfbrunnen. Jung und Alt versammeln sich dort jeden Tag und erfrischen sich im kalten Wasser.

Ganze Schulklassen im Brunnen

Kerstin Kobelt wohnt seit 18 Jahren direkt neben dem Dorfbrunnen. «Kaum ist die Schule fertig, geht im Brunnen richtig die Post ab. Manchmal hat es kaum noch Wasser, so viele Kinder planschen darin», sagt Kerstin Kobelt. Oft kommen auch ganze Schulklassen oder Sportvereine, die sich abkühlen wollen. Die Kinder springen dann meistens direkt mit den Kleidern ins Wasser.

Dabei wird auch die Sicherheit nicht vernachlässigt. Da viele Autos am Brunnen vorbei fahren, stellen die Erwachsenen orange Verkehrskegel auf. Ausserdem gibt es am Brunnenrand bequeme Badeliegen, auf denen die Mütter die Badeaufsicht übernehmen.

Planschen um Mitternacht

Sobald es draussen etwas dunkler wird und nicht mehr so viele Autos vorbei fahren, wagen sich auch die Eltern ins Wasser. «Spätestens um Mitternacht gehört der Brunnen den Erwachsenen», sagt Kerstin Kobelt lachend. «Es treffen sich sogar ganze Cliquen regelmässig dort.» Kerstin selbst schwimmt seit 18 Jahren im Marbacher Dorfbrunnen, im Sommer sogar jeden Tag. «Am liebsten bade ich, wenn die Gartenbeizen geschlossen haben und es nicht allzu viele Zuschauer hat.» Manchmal kühlt sie sich auch morgens ab, wenn die meisten noch schlafen oder sie springt kurz in der Mittagspause rein. «Der Brunnen ist noch schöner als ein Pool im Garten und gross genug, um darin zu Schwimmen.»

Im Brunnen Schwimmen gelernt

Für Kerstin Kobelt und ihre Familie gehört der Dorfbrunnen zum Heimatgefühl. «Unsere Kinder haben hier sogar Schwimmen gelernt. Es gilt die Regel, dass es draussen mindestens 20 Grad warm sein muss, bevor man in den Brunnen steigt, denn das Wasser ist ziemlich kühl». Die Kobelts sind nicht die einzige Familie in Marbach, die regelmässig im Brunnen badet. Man könnte sagen, das ganze Dorf trifft sich im Sommer dort.

Früher hätte man sich das nicht vorstellen können, ein Bad im Brunnen war sogar verpönt, weil es dasselbe Wasser war, aus dem die Kühe und Pferde getrunken haben. «Jetzt meiden die Tiere das Brunnenwasser, da es ein bisschen Chlor drin hat. Das Wasser ist extrem sauber, jede Woche kommt das Bauamt, leert den ganzen Brunnen und reinigt ihn. Das ist grossartig», schwärmt Kerstin Kobelt. Die Gemeinde stört sich offenbar nicht an den vielen Badegästen und so wird aus dem Marbacher Dorfbrunnen die kleinste Badi der Ostschweiz.

(kov)


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