Die Sprayer-Oma von Wittenbach muss aufgeben

Anneliese Adolph setzt sich ohne Wenn und Aber für Kinder ein. Manchmal auch gegen das Gesetz.
Anneliese Adolph setzt sich ohne Wenn und Aber für Kinder ein. Manchmal auch gegen das Gesetz. © Sandro Zulian / FM1Today
Mit voller Kraft setzt sich Anneliese Adolph gegen das Fussballverbot im Obstgarten-Quartier in Wittenbach ein. Nun ist die Situation aus den Fugen geraten: Vor wenigen Tagen erlitt die 85-Jährige einen Schwächeanfall.

Alles hat damit begonnen, dass Anneliese Adolph eine Fussballverbotstafel auf einer der Wiesen im Obstgarten-Quartier in Wittenbach mit roter Sprayfarbe übermalt hat. Daraufhin wurde sie von einer Anwohnerin angezeigt. Die 85-Jährige liess sich davon nicht beirren und gab an, dass sie sich sogar auf eine Begegnung mit der Staatsanwaltschaft freue. «Und auch in den Knast würde ich gehen», sagte sie gegenüber dem «St.Galler Tagblatt».

Allerdings hat sich die rüstige Seniorin wohl zu viel zugemutet, wie sich jetzt zeigt. Vor ein paar Tagen erlitt die kämpferische Wittenbacherin einen Schwächeanfall, schreibt das «Tagblatt».

Kreative Ideen der Sprayer-Oma

Die Sprayer-Oma setzte sich intensiv für die Kinder ein. So verfasste sie erst neulich einen Brief an die Verwaltung und hoffte, dass dadurch die Verbotstafeln abmontiert würden. «Eine Idee wäre zum Beispiel, die Schilder abzuschrauben, die Rahmen aber zu belassen. So könnten die Kinder versuchen, Bälle hindurchzukicken», so der Vorschlag der Sprayer-Oma.

Allerdings habe der Herr von der Verwaltung «ein Herz aus Stein», wie sie aus der Reaktion schliessen müsse. Denn eine Antwort habe sie nie bekommen. «Das aber wäre eigentlich das Minimum und hat mit Anstand zu tun. So wurde mir das zumindest in meiner Kindheit beigebracht», entrüstet sich die gebürtige Deutsche.

Keine Kraft, «Tragödie» zu bewältigen

Sichtlich geschwächt von der ganzen Situation, will sich Anneliese Adolph nun schonen. Es fehle ihr momentan schlicht die Kraft, für «die Tragödie», wie sie sagt, weiter Energie aufzubringen. Selbst kleine Termine, wie etwa die Kontrolle beim Augenarzt in St.Gallen, habe sie nun vorerst abgesagt.

Eine letzte Bemerkung kann sich die Sprayer-Oma aber doch nicht verkneifen: «Die Kinder, die hier im Quartier wohnen, sollen sich nicht an das Fussballverbot halten. Sie sollen ruhig weiterspielen», sagt die Seniorin ermutigend und fügt hinzu: «Wenn es Bussen geben sollte, dürfen sie die mir bringen.»

Eine ausführliche Version dieses Artikels erschien zuerst am 20. Oktober 2017 auf tagblatt.ch


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